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Neuartige Gefäßfilter können vor Lungenembolie schützen

Donnerstag, 5. Mai 2022 – Autor:
Lungenembolie heißt Lebensgefahr. Ein in die Körpervene minimalinvasiv eingebauter Blutfilter soll Blutgerinnsel stoppen und Lungenembolien verhindern. Das Uniklinikum Dresden hat dieses in Europa neue Verfahren jetzt an ersten Patienten erprobt.
Lungenembolie - graphische Darstellung.

„Infarkt in der Lunge“: Bei der Lungenembolie werden Arterien durch Blutgerinnsel verstopft. – Foto: hywards - Fotolia.com

Eine Lungenembolie ist ein „Infarkt in der Lunge“. Zur Lungenembolie kommt es, wenn Blutgefäße in der Lunge oder im Lungenkreislauf durch ein Blutgerinnsel („Thrombus“) verstopft werden. Die Lunge kann weniger Atemluft aufnehmen; ein Blutstau vor dem Verschluss kann zugleich die Pumpleistung des Herzes gefährlich abfallen lassen. Die Folge: eine verminderte Sauerstoffversorgung der wichtigen Organe – und damit Lebensgefahr.

Lungenembolie: Dritthäufigste tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankung

Bis zu 100.000 Menschen in Deutschland sterben jedes Jahr an einer Lungenembolie. Nach Herzinfarkt und Schlaganfall sei sie damit die dritthäufigste zum Tode führende Herz-Kreislauf-Erkrankung, heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Angiologie. Besonders bei Covid-19-Patienten gehören Thrombosen und Lungenembolien zu den häufigsten Todesursachen.

 

Risikogruppen, die Gefäßfilter vor Lungenembolie schützen kann

Das Universitätsklinikum Dresden (UKD) hat jetzt an den 15 ersten Patienten ein – in Europa – neues OP-Verfahren erprobt, das mittels eines implantierten Blutgefäßfilter vor einer Lungenembolie (beziehungsweise einer erneuten Lungenembolie) schützen soll. Zu den Risikogruppen und damit den Adressaten dieser OP zählen Patienten

  • mit einer Beinvenenthrombose,
  • mit einem Loch in der Herzscheidewand, die im Vorfeld einer Operation gerinnungshemmende Medikamente absetzen müssen,
  • mit medikamentös nicht kontrollierbaren akuten Gerinnungsstörungen oder
  • mit einer Notfallbehandlung nach einer massiven Lungenembolie.

Gefäßfilter: Implantation minimalinvasiv und ohne Vollnarkose

„Die vom Institut und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie minimaliinvasiv implantierten Filter können dieses Risiko deutlich minimieren“, heißt es in einer Mitteilung des Universitätsklinikums Dresden. Das Filterimplantat hat einen Durchmesser von 16 bis 28 Millimetern und ist für die untere Hohlvene konzipiert. Die untere Hohlvene – Vena cava inferior – ist ein kräftiges, zum Herz führendes Blutgefäß in der Brust- und Bauchhöhle. „Der unter Röntgenkontrolle durch Radiologen mittels minimalinvasiver Kathetertechnik in den Patienten eingebrachte Filter verhindert, dass Blutgerinnsel über das Herz in die Lunge geraten können und dort eine lebensbedrohliche Embolie auslösen“, heißt es beim UKD weiter. Für die Implantation dieses Gefäßfilters ist eine örtliche Betäubung ausreichend – eine Vollnarkose ist nur in den seltensten Fällen nötig.

Anti-Lungenembolie-Implantat bleibt einfach im Körper

Eine Besonderheit dieser neuen Generation von Implantaten liegt im Material und dessen Eigenschaften begründet – und das hat positive Konsequenzen für die Patienten. Anders als konventionelle Implantate muss der neue Implantat-Typ, wenn er nach mehreren Wochen seinen Dienst getan hat, nicht mehr in einem zweiten Eingriff wieder entfernt werden. Er kann im Körper verbleiben und wächst nach diesem Zeitraum in die Gefäßwand ein. Dadurch entfällt das mit einem zweiten Eingriff verbundene Komplikationsrisiko.

Thrombosefilter: Nachteile von herkömmlichen Implantaten

Die bisher in der Hohlvene platzierten, aus feinstem Drahtgeflecht bestehenden Implantate drücken sich fest in die Gefäßwand. In der Mitte des Implantats bilden die Drähtchen eine Art Sieb. Auf diese Weise werden größere Gerinnsel aufgefangen und können sich im Filter auflösen. Doch dies ist keine dauerhafte Lösung. Langfristig gesehen geht von diesem Filtertyp selbst eine Thrombosegefahr aus. Deshalb müssen die bisher genutzten Implantate nach einigen Wochen operativ wieder entfernt werden. Das ist mit dem neuen, im Dresdner Uniklinikum eingesetzten Filter angeblich nicht mehr nötig.

Lungenembolie: Was der neue, „intelligente“ Gefäßfilter kann

Der neue Typ von Gefäßfiltern besteht aus vom Körper aufnehmbarem Material – und aus Nitinol-Drähten (Nitinol ist eine Nickel-Titan-Legierung). Ein bioresorbierbarer Faden hält die den Kegel bildenden Drähte zusammen. In der Regel löst sich dieser Faden nach 60 bis 90 Tagen auf. Dank der Federkraft werden die Nitinol-Drähte an die Gefäßwand gedrückt – der Blutstrom wird wieder freigegeben. Aufgrund der Form und Beschichtung wachsen sie dann in die Gefäßwand ein, ohne dass die Oberfläche durch den Blutfluss beeinträchtigt wird. „Die innovativen Gefäßfilter sind so konstruiert, dass die das Blut filternde, kegelförmige Struktur nach etwa zwei Monaten ihre Ausgangsform und damit auch die Funktion verliert“, heißt es dazu beim Universitätsklinikum Dresden. Der Filter kann im Anschluss ohne neuerlichen Eingriff im Körper verbleiben.

Hauptkategorie: Medizin
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