. Krankenhauskeime

Neu entdeckter Hefepilz verursacht Krankenhaus-Infektionen

Ein neuer Hefepilz breitet sich vor allem in Krankenhäusern aus: der 2009 entdeckte Candida auris. Er kann Infektionen verursachen und ist meist resistent gegenüber Fluconazol, einem gängigen Antimykotikum.
Erreger unterm Mikroskop

Auf der Suche nach Krankenhaus-Keimen

Candida auris wurde 2009 in Japan entdeckt: Der Erreger hatte bei einem Patienten eine Infektion des Gehörgangs ausgelöst. Seitdem wurde der Hefepilz auf unterschiedlichen Klinik-Materialien gefunden. Er kann von Patient zu Patient übertragen werden.

Die Identifizierung von C. auris in Routine-Labors sei schwierig, teilt das Nationales Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen (NRZMyk) in Jena mit. Er kann aber über eine molekulare Diagnostik zweifelsfrei nachgewiesen werden. Bis zum August 2017 wurde C. auris in Deutschland in 4 Fällen festgestellt. Eine Probe stammte von einer Patientin, die einen längeren Krankenhausaufenthalt in einem arabischen Land hinter sich hatte.

Resistent gegenüber gängigen Antimykotika

Der größte und bislang am besten dokumentierte Ausbruch mit C. auris in Europa ereignete sich 2015/2016 in einer herzchirurgischen Einheit am Royal Brompton Hospital in London. In den ersten 16 Monaten wurde der Pilz 50 Mal nachgewiesen. In 56 Prozent der Fälle handelte es sich um eine reine Kolonisation – also äußere Besiedelung - mit dem Pilz, in 16 Prozent der Fälle um eine Blutvergiftung. Die Erreger waren resistent gegen Fluconazol, aber in der Regel empfindlich gegenüber Echinocandinen.

In den USA wurden bis Mai 2017 insgesamt 77 Candida auris-Fälle in sieben Staaten erfasst. Besonders betroffen waren New York (53 Fälle) und New Jersey (16). Das Screening von Kontaktpatienten - meist Bettnachbarn - identifizierte 45 weitere mit dem Pilz besiedelte Personen.

 

Neu entdeckter Hefepilz Ursache für Krankenhaus-Infektionen

Candida auris wurde in den USA in Blut (45 Fälle), Urin (11), Atemwegen (8), Gallenflüssigkeit (4), Wunden (4), an einem Venenkatheter (2), Knochen (1), Ohr (1), Darm (1) sowie in Umgebungsproben nachgewiesen. 86 Prozent der getesteten Isolate waren Fluconazol-resistent, 43 Prozent Amphotericin B-resistent, 3 Prozent Echinocandin-resistent.

Da der neu entdeckte Hefepilz Krankenhaus-Infektionen verursachen kann und sich sich in Kliniken in ähnlichen Mustern wie die antibiotika-resistenten MRSA ausbreitet, sollten mögliche Fälle frühzeitig korrekt identifiziert und zentral erfasst werden, so das NRZMyk. Die Experten aus Jena empfehlen eine erhöhte Aufmerksamkeit und eine Aufklärung des diagnostischen Personals über Candida auris. Folien für Fortbildungszwecke sind unter nrzmyk@hki-jena.de erhältlich.

Foto: gerhard seybert/fotolia.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krankenhauskeime , Nosokomiale Infektion , MRSA
 

Weitere Nachrichten zum Thema Krankenhauskeime

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Braunes Fett gilt als Sattmacher und Kalorienkiller. Jetzt haben Forscher herausgefunden, dass das Darmhormon Sekretin braunes Fettgewebe stimuliert. Unklar ist noch, welche Lebensmittel den Prozess in Gang setzen können.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35 10717 Berlin, Mehrzweckraum (EG)

Evangelisches Geriatriezentrum Berlin gGmbH, Reinickendorfer Straße 61, 13347 Berlin
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.