. Hoffnung für Kinder mit Sehschwäche

Nervengift kann stärkere Kurzsichtigkeit verhindern

Kann fortschreitende Kurzsichtigkeit bei Kindern eingedämmt werden? Eine Studie aus Singapur gibt Hoffnung. Das Nervengift Atropin soll helfen.
Atropin kann Kurzsichtigkeit eindämmen.

Eine Verschlimmerung der Kurzsichtigkeit kann möglicherweise bei Kindern verhindert werden.

Ein Bericht, veröffentlicht in der Fachzeitschrift „American Journal of Ophthalmology“ (Am J Ophthalmol 2014; 157: 451-456), lässt auch Augenärzte hierzulande aufhorchen. Darin werden die Ergebnisse einer Untersuchung vorgestellt, die Ophthalmologen des Singapore National Eye Centers vornahmen. Über fünf Jahre gaben sie 400 kurzsichtigen Kindern im Alter von sechs bis 12 Jahren entweder Augentropfen mit unterschiedlichen Konzentrationen des Nervengifts Atropin oder einen Placebo. Das Ergebnis: Schon die geringste Dosis Atropin konnte das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit um bis zu 80 Prozent verzögern. Ob der Atropin-Effekt nachhaltig ist und welche Nebenwirkungen die Behandlung möglicherweise hat, wollen die Autoren nun in weiteren Studien untersuchen.

Atropin gibt Anlass zu Hoffnung

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG), eine Fachgesellschaft für Augenheilkunde, hält es angesichts dieser Beobachtungen für möglich, dass stärkere Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen verhindert werden kann. „Die Ergebnisse geben Anlass zu hoffen, dass wir kurzsichtige Kinder zukünftig davor bewahren können, einen großen Teil ihrer Sehkraft zu verlieren“, sagt Professor Dr. Christian Ohrloff, Mediensprecher der DOG aus Frankfurt. In jedem Fall, so Ohrloff, müssten Nebenwirkungen genau geprüft und ausgeschlossen sein, denn Kinder vertragen Atropin nur in geringsten Mengen.

Immer mehr Menschen leiden unter Kurzsichtigkeit

Häufigkeit und Schwere von Kurzsichtigkeit haben nach Angaben der DOG in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen. In allen Industrienationen ist mindestens ein Drittel der Bevölkerung kurzsichtig, in einigen asiatischen Ländern liegt der Anteil sogar bei 90 Prozent. 

Über die Gründe für die zunehmende Sehschwäche gibt es noch keine validen Erkenntnisse. Sicher anzunehmen ist aber, dass neben den Genen auch Umweltfaktoren wie Beruf und Freizeitgestaltung eine große Rolle spielen. "Auch Naharbeit wie stundenlanges Lesen, Fernsehen und Arbeiten am Computer sowie ein Mangel an Tageslicht scheinen das Sehvermögen zu mindern“, sagt Professor Dr. Frank Schaeffel vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Tübingen.

Kurzsichtigkeit erhöht Risiko für grünen Star

Ein zu langer Augapfel ist Schuld an der Kurzsichtigkeit. Konkret bedeutet das: Lichtstrahlen, die ins Auge fallen, bilden ihren Brennpunkt nicht auf, sondern vor der Netzhaut. Die Folge: Das Bild erscheint nur verschwommen. Da der Augapfel bei einigen Menschen bis zum 30. Lebensjahr wächst, verstärkt sich bis zum Erwachsenenalter häufig die Kurzsichtigkeit. „Je früher sie im Kindesalter einsetzt, desto mehr Sehkraft wird der Betroffene bis zum Erwachsenenalter verlieren“, so Professor Christian Ohrloff vom DOG. Außerdem verdoppelt sich laut DOG schon bei einer leichten Kurzsichtigkeit von -1 bis -3 Dioptrien das Risiko auf Netzhautablösung, grünen oder grauen Star.

Atropin ist das Gift der Tollkirsche. Patienten ist es aus der augenärztlichen Praxis bekannt. Dort wird es nämlich zur Erweiterung der Pupillen genutzt, um den Augenhintergrund besser untersuchen zu können. 

pathdoc - fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin

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