Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
27.06.2018

Nebenwirkungen von Daclizumab können lange anhalten

Da die Nebenwirkungen des vom Markt genommenen MS-Medikaments Daclizumab noch lange Zeit nach der Behandlung anhalten können, sollten Neurologen ihre Patienten genau beobachten. Das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) gibt nun Tipps, welche Symptome typisch sein können.
Daclizumab, Multiple Sklerose

Mehr als 200.000 Menschen in Deutschland leiden an Multipoler Sklerose, bei der typische Läsionen im Gehirn und Rückenmark auftreten

Nachdem mehrere Fälle von schweren Nebenwirkungen durch den Multiple-Sklerose-Wirkstoff Daclizumab bekannt geworden waren, wurde das Medikament im Frühjahr 2018 vom Markt genommen. Unter anderem können schwere Enzephalitiden und Meningoenzephalitiden als Folge der Behandlung auftreten. Da diese Nebenwirkungen auch noch Monate nach Absetzen entstehen können, müssen die Patienten langfristig gut beobachtet werden. Erkenntnisse aus sieben untersuchten Fällen aus dem KKNMS-Zentrum Göttingen sollen behandelnden Neurologen nun helfen, diese gefährlichen Erkrankungen zuverlässig zu erkennen.

Potenziell tödliche Nebenwirkungen rechtzeitig erkennen

Auch über drei Monate nach Beendigung der Daclizumab-Therapie können schwere Entzündungen des Gehirns und der Hirnhäute in Folge der Behandlung auftreten. Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen haben sieben der Fälle untersucht und weisen auf wichtige Symptome hin, die bei diesen Patienten auffällig waren: „Alle ehemaligen Daclizumab-Patienten sollten auf diese Symptome hin beobachtet werden, um die potentiell tödlich verlaufenden Nebenwirkungen frühzeitig und zuverlässig zu erkennen“, so Professor Wolfgang Brück, Vorstandsmitglied des KKNMS und Direktor des Instituts für Neuropathologie der Universitätsmedizin Göttingen.

 

Bei ehemaligen Daclizumab-Patienten auf Symptome achten

Die Wissenschaftler empfehlen Neurologen, bei MS-Patienten, die mit Daclizumab behandelt wurden, auf folgende Symptome zu achten:

  • Systemische Symptome wie Fieber oder gastrointestinale Symptome, welche zusätzlich zu Symptomen einer Meningo-/Enzephalitis auftreten;
  • Wesensänderungen;
  • Die eosinophilen Granulozyten im peripheren Blut sollten untersucht werden, da diese erhöht sein können;
  • Bei MRT-Kontrollen sollte neben neuen Kontrastmittel-aufnehmenden Läsionen auf eine meningeale Kontrastmittelaufnahme, eine Kontrastmittelaufnahme des Ependyms, der Hirnnerven oder spinaler Nerven geachtet werden. Auch Veränderungen, wie sie bei einer Vaskulitis gesehen werden, können auftreten;
  • Im Liquor finden sich typischerweise eine erhöhte Zellzahl und ein deutlich erhöhtes Gesamtprotein.

Warum derartige Verläufe nicht in den Zulassungsstudien beschrieben worden sind, ist unklar, so die Forscher des KKNMS. Möglicherweise wurden einzelne Fälle als schwerwiegende MS-Schübe verkannt. Erste Fachpublikationen zum Thema wurden eingereicht und sollen demnächst veröffentlicht werden. Sollten weitere auf Daclizumab zurückzuführende Nebenwirkungen auftreten, bitten die Neurologen des Zentrums um Rückmeldung.

Foto: DGN

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Multiple Sklerose
 

Weitere Nachrichten zum Thema Multiple Sklerose

05.09.2018

Multiple Sklerose entsteht nach landläufiger Meinung durch körpereigene T-Zellen. Offenbar spielen aber auch andere Abwehrzellen eine Rolle. Forscher konnten erstmals nachweisen, dass B-Zellen die angriffslustigen T-Zellen im Blut aktivieren. Das könnte den Wirkmechanismus neuer MS-Medikamente erklären.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Eine Zecke auf der Haut ist erst mal kein Grund zur Panik. Aber es ist wichtig, sie nach einer Entdeckung schnell und vor allem mit dem richtigen Instrument und der richtigen Technik zu entfernen. Je früher es geschieht, desto geringer ist die Gefahr, sich mit Borreliose zu infizieren. Beim Entfernen muss man aber ein paar Punkte beachten.


Sie wiegen so viel wie unser Gehirn und viel mehr als unser Herz – und sind genauso lebenswichtig: die Darmbakterien. Sie verdauen unser Essen, entsorgen Giftstoffe und schützen uns als Teil des Immunsystems vor Krankheitserregern. Mit seiner Ernährung hat es der Mensch selbst in der Hand, ob er dieses unsichtbare „Organ“ schwächt – oder stärkt.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin