. Multiple Sklerose

Nebenwirkungen von Daclizumab können lange anhalten

Da die Nebenwirkungen des vom Markt genommenen MS-Medikaments Daclizumab noch lange Zeit nach der Behandlung anhalten können, sollten Neurologen ihre Patienten genau beobachten. Das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) gibt nun Tipps, welche Symptome typisch sein können.
Daclizumab, Multiple Sklerose

Mehr als 200.000 Menschen in Deutschland leiden an Multipoler Sklerose, bei der typische Läsionen im Gehirn und Rückenmark auftreten

Nachdem mehrere Fälle von schweren Nebenwirkungen durch den Multiple-Sklerose-Wirkstoff Daclizumab bekannt geworden waren, wurde das Medikament im Frühjahr 2018 vom Markt genommen. Unter anderem können schwere Enzephalitiden und Meningoenzephalitiden als Folge der Behandlung auftreten. Da diese Nebenwirkungen auch noch Monate nach Absetzen entstehen können, müssen die Patienten langfristig gut beobachtet werden. Erkenntnisse aus sieben untersuchten Fällen aus dem KKNMS-Zentrum Göttingen sollen behandelnden Neurologen nun helfen, diese gefährlichen Erkrankungen zuverlässig zu erkennen.

Potenziell tödliche Nebenwirkungen rechtzeitig erkennen

Auch über drei Monate nach Beendigung der Daclizumab-Therapie können schwere Entzündungen des Gehirns und der Hirnhäute in Folge der Behandlung auftreten. Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen haben sieben der Fälle untersucht und weisen auf wichtige Symptome hin, die bei diesen Patienten auffällig waren: „Alle ehemaligen Daclizumab-Patienten sollten auf diese Symptome hin beobachtet werden, um die potentiell tödlich verlaufenden Nebenwirkungen frühzeitig und zuverlässig zu erkennen“, so Professor Wolfgang Brück, Vorstandsmitglied des KKNMS und Direktor des Instituts für Neuropathologie der Universitätsmedizin Göttingen.

 

Bei ehemaligen Daclizumab-Patienten auf Symptome achten

Die Wissenschaftler empfehlen Neurologen, bei MS-Patienten, die mit Daclizumab behandelt wurden, auf folgende Symptome zu achten:

  • Systemische Symptome wie Fieber oder gastrointestinale Symptome, welche zusätzlich zu Symptomen einer Meningo-/Enzephalitis auftreten;
  • Wesensänderungen;
  • Die eosinophilen Granulozyten im peripheren Blut sollten untersucht werden, da diese erhöht sein können;
  • Bei MRT-Kontrollen sollte neben neuen Kontrastmittel-aufnehmenden Läsionen auf eine meningeale Kontrastmittelaufnahme, eine Kontrastmittelaufnahme des Ependyms, der Hirnnerven oder spinaler Nerven geachtet werden. Auch Veränderungen, wie sie bei einer Vaskulitis gesehen werden, können auftreten;
  • Im Liquor finden sich typischerweise eine erhöhte Zellzahl und ein deutlich erhöhtes Gesamtprotein.

Warum derartige Verläufe nicht in den Zulassungsstudien beschrieben worden sind, ist unklar, so die Forscher des KKNMS. Möglicherweise wurden einzelne Fälle als schwerwiegende MS-Schübe verkannt. Erste Fachpublikationen zum Thema wurden eingereicht und sollen demnächst veröffentlicht werden. Sollten weitere auf Daclizumab zurückzuführende Nebenwirkungen auftreten, bitten die Neurologen des Zentrums um Rückmeldung.

Foto: DGN

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Multiple Sklerose
 

Weitere Nachrichten zum Thema Multiple Sklerose

| Multiple Sklerose entsteht nach landläufiger Meinung durch körpereigene T-Zellen. Offenbar spielen aber auch andere Abwehrzellen eine Rolle. Forscher konnten erstmals nachweisen, dass B-Zellen die angriffslustigen T-Zellen im Blut aktivieren. Das könnte den Wirkmechanismus neuer MS-Medikamente erklären.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Eine positive Erwartung erweitert normalerweise die Pupillen leicht. Bei akut Depressiven ist diese natürlich Reaktion wesentlich geringer ausgeprägt, wie Forscher vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in einer Studie zeigen konnten. Der Fund könnte Antriebsstörungen bei Depressionen zumindest teilweise erklären, so die Forscher.
 
 
. Interviews
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.