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Nebenschilddrüsenmedikament A10 / Tachystin vom Markt genommen

Viele Patienten mit einer Unterfunktion der Nebenschilddrüsen müssen ihre Medikation umstellen. Das Standardmedikament AT10® oder Tachystin® ist seit Juli nicht mehr erhältlich. Die Umstellung auf alternative Präparate sollte jetzt erfolgen, raten Ärzte.
Da A10®/Tachystin® seit Juli nicht mehr erhältlich ist, müssen Patienten mit einer Unterfunktion der Nebenschilddrüsen auf andere Medikamente umgestellt werden

Da A10®/Tachystin® seit Juli nicht mehr erhältlich ist, müssen Patienten mit einer Unterfunktion der Nebenschilddrüsen auf andere Medikamente umgestellt werden

Das Vitamin D-Derivat Dihydrotachysterol mit dem Handelsname AT10® oder Tachystin® ist ein Standardmedikament zur Behandlung einer Unterfunktion der Nebenschilddrüsen, des sogenannten Hypoparathyreoidismus. Im Juli wurde das Präparat allerdings vom Markt genommen. Betroffene Patienten müssen nun auf andere Medikamente umgestellt werden.

Alternative Medikamente haben geringere Halbwertszeit

Eine baugleiche Alternative gibt es laut der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie aber nicht. Mit Calcitriol - 1,25 Vitamin D beziehungsweise Vitamin D3 - sowie Alfacalcidol gebe es zwar Alternativsubstanzen. Deren Wirkdauer sei jedoch deutlich kürzer. „Während Dihydrotachysterol 21 Tage wirksam ist, sind es bei den anderen Medikamenten nur drei bis sieben Tage“, betont Professorin Dr. med. Heide Siggelkow, Ärztliche Leiterin MVZ Endokrinologikum Göttingen. Auch könne die Umstellung bei jedem Betroffenen unterschiedlich verlaufen, erläutert die Expertin.

 

Nach dem Absetzen eine Woche pausieren

Die Enodkrinologin empfiehlt, zunächst Dihydrotachysterol abzusetzen und für eine Woche keine neue Medikation zu geben. Nach Ablauf dieser Woche könne dann auf das entsprechende Ersatz-Präparat gewechselt werden. Messungen von Parathormon, Vitamin D und 1,25 Vitamin D seien in dieser Phase nicht notwendig, sagt sie. Es sollten jedoch in jedem Fall Calcium, Calcium adaptiert für Albumin, Phosphat, Kreatinin und Magnesium überprüft werden. „Eine ausführliche Kontrolle nach Umstellung der Medikation ist dann im weiteren Verlauf erforderlich: Hier sollte dann die Kalziumausscheidung unter der geänderten Medikation überprüft und die entsprechende Medikation gegebenenfalls angepasst werden.“ Die Medikamentendosis müsse individuell für jeden Patienten durch Kontrolle des Kalziumspiegels im Blut ermittelt werden.

Bei Hypoparathyreoidismus ist der Kalziumstoffwechsel gestört

Die häufigste Ursache des Hypoparathyreoidismus ist die versehentliche Schädigung der Nebenschilddrüsen im Zuge einer Schilddrüsenoperation. Außerdem gehören Autoimmunerkrankungen zu den Auslösern der Erkrankung, bei der die Nebenschilddrüsen zu wenig Parathormon (PTH) produzieren, das den Kalziumstoffwechsel im Körper reguliert. Durch die Gabe von Calcium- und Vitamin-D-Präparaten wird der Kalziumspiegel wieder normalisiert. Die dafür häufig eingesetzten Vitamin D-Derivate wie Dihydrotachysterol wirken lange im Körper. Sie eignen sich deshalb für eine stabile Einstellung des Vitamin-D-Spiegels. Bei etwaigen Störungen der Nierenfunktion können sie aber auch eher zu Komplikationen führen. Deswegen sind insbesondere nach einem Medikamentenwechsel engmaschige Kontrollen nötig.

Foto: © Adobe Stock/ I Viewfinder

Autor: ham
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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