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07.07.2020

Nationale Diabetesstrategie enttäuscht Mediziner

Weniger Zucker in Frühstücksflocken – viel mehr gibt die Nationale Diabetesstrategie nicht her. Ärzte und Fachgesellschaften kritisieren die vom Bundestag verabschiedeten Maßnahmen als grob unzureichend.
Softdrinks dürfen weiterhin viel, zu viel Zucker enthalten. Die Nationale Diabetesstrategie geht Experten nicht weit genug.

Softdrinks dürfen weiterhin viel, zu viel Zucker enthalten. Die Nationale Diabetesstrategie geht Experten nicht weit genug.

Seit Ende 2018 ist die Nationale Diabetesstrategie im Koalitionsvertrag verankert, am Freitag wurde sie nun vom Deutschen Bundestag verabschiedet. Doch nach Ansicht der Deutschen Diabetesgesellschaft und der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) werden die beschlossenen Maßnahmen das wachsende Diabetes-Problem nicht lösen können. Die Inhalte zur Prävention wurden als „grob unzureichend“ kritisiert. Es fehlten wirksame Maßnahmen zu Vermeidung von Übergewicht - dem Hauptrisikofaktor für einen Typ 2 Diabetes.

Softdrinks bleiben Dickmacher

Beispiel überzuckerte Softdrink: Hier sieht das Strategiepapier lediglich vor, die Forderungen on Krankenkassen und wissenschaftlichen Fachgesellschaften den Zuckergehalt um 50 Prozent zu senken, „zu prüfen.“ Viel zu vage, findet das DANK-Sprecherin Barbara Bitzer, Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Außerdem kritisiert sie das im Papier erwähnte Reduktionsziel von 15 Prozent als viel zu gering. „Die Diabetesstrategie darf nicht die Fehler der Reduktionsstrategie wiederholen“, warnt Bitzer, „eine so geringe Senkung wäre eine reine Schein-Maßnahme. Deutschland fiele bei der Zuckerreduktion weiter hinter andere europäische Länder zurück.“

 

Zuckersteuer gefordert

Großbritannien beispielsweise hat mit einer Zuckersteuer binnen zwei Jahren den Zuckergehalt in Softdrinks um durchschnittlich 34 Prozent gesenkt „Es ist unverständlich, warum sich die Politik hier nicht an den Erfolgen anderer Länder orientiert, sondern weiter zulässt, dass überzuckerte Getränke das Risiko für Übergewicht und die Folgekrankheiten steigern“, sagt die Diabetesexpertin. Hier werde offenbar Rücksicht genommen auf die Interessen derer, die an solchen ungesunden Produkten verdienten.

Das Bündnis fordert unter anderem eine höhere Besteuerung ungesunder Produkte und gleichzeitig gesunde Produkte, steuerlich zu entlasten. Bei der Überarbeitung des Präventionsgesetzes müssten wirklich effektive bevölkerungsweite Maßnahmen zur Förderung gesunder Ernährung berücksichtigt werden, hieß es.

Fortschritt bei Kinderlebensmitteln

Nur eine Maßnahme wurde von den Experten gelobt: Lebensmittel für Kinder sollen künftig dem Nährwertprofil der WHO entsprechen. „Damit könnten endlich die überzuckerten Kinder-Frühstücksflocken aus den Regalen verschwinden“, meint Barbara Bitzer. Deutschland sollte hier nicht auf eine europäische Regelung warten, sondern Kinder sofort vor ungesunden Lebensmitteln schützen, beispielsweise durch ein Werbeverbot.

Diabetes ist ein wachsendes Problem. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts und des Deutschen Diabetes-Zentrums wird in den kommenden 20 Jahren eine Zunahme von bis zu 75 Prozent erwartet. Im Jahr 2040 könnten also in Deutschland zwölf Millionen Menschen mit Diabetes leben. Diese Prognose kann nur entschärft werden, wenn die Maßnahmen innerhalb der Nationalen Diabetes-Strategie verschärft werden.

Foto: © Adobe Stock/monticellllo

Autor: ham
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