. Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde

Nasenspray kann Geruchssinn zurückbringen

Ein Nasenspray kann bei Patienten, die unter Anosmie leiden, den Geruchssinn zeitweise zurückbringen. Das fanden Forscher des University of East Anglia und der TU Dresden heraus.
Riechen

Der Verlust des Geruchssinnes beeinträchtigt die Lebensqualität

Der Verlust des Geruchssinns bedeutet erhebliche Einschränkungen für die Betroffenen. Er ist mit dem Geschmackssinn verknüpft. Damit vermindert sich der Genuss von Speisen und Getränken, dessen Aroma zum wesentlichen Teil über Gerüche transportiert wird. Zu schmecken ist dann nur noch süß, sauer, salzig und bitter. Dadurch verringert sich oft die Nahrungsaufnahme, es kommt zu Gewichtsverlust.

Der Verlust des Riechvermögens beeinträchtigt aber auch die sozialen Kontakte und das psychische Wohlbefinden, da vertraute Gerüche nicht mehr wahrgenommen werden können. Er schränkt das Orientierungsvermögen ein, schließlich haben schädliche Gerüche auch eine Warnfunktion.

Rose, Birne, Essig und Menthol erkennen

Die Forscher setzten in der Studie Natriumcitrat ein. Das Natriumsalz der Zitronensäure wird unter anderen bei Durchfall-Erkrankungen, Übersäuerung des Magens und gegen die Bildung von Harnstein eingesetzt. Natriumcitrat bindet Kalzium. Frühere Untersuchugen deuten darauf hin, dass Kalzium-Moleküle eine Schlüsselfunktion in den Riechzellen haben. Getestet wurde nun, ob die Bindung und Reduktion von Kalzium in der Nasenschleimhaut die Hemmung der Riechfähigkeit aufheben könnte.

An der randomisierten und doppelblinden Studie nahmen 55 Patienten teil. Sie wurden mit einem Spray entweder mit Natriumcitrat oder sterilem Wasser behandelt. Sie nahmen an einer Reihe von Tests teil, in denen sie vier Gerüche in immer stärkerer Konzentration - Rosen, Birnen, Essig und Menthol - erkennen sollten.

 

Nasenspray bringt Geruchssinn zurück

Ergebnisse: Das Nasenspray mit dem Wirkstoff brachte den Geruchssinn zurück, die Verbesserung hielt bis zu zwei Stunden an. Es schien am effektivsten bei Menschen zu sein, deren Fähigkeit zu riechen durch eine virale Infektion wie eine Nasennebenhöhlenentzündung beschädigt wurde. Störungen des Geruchssinns können auch durch ein Schädel-Hirn-Trauma mit Beschädigung des Riechzentrums oder mechanische Verengungen im Bereich der Atemwege wie Polypen entstehen.

Laut Studienleiter Dr. Carl Philpott wurde der stärkste Effekt zwischen 30 und 60 Minuten nach der Behandlung beobachtet. Es sprach allerdings nur ein Drittel der Patienten auf die Therapie an. Es gab milde Nebenwirkungen, dazu zählten Halsschmerzen, eine leicht laufende Nase und Juckreiz.

Im Alter nimmt der Geruchssinn ab

Die Untersuchung wurde in der Fachzeitschrift Clinical Otolaryngology veröffentlicht. Sie bestätigt die Ergebnisse einer vorangehenden Arbeit von Prof. Thomas Hummel an der Dresdner Geruchs- und Geschmacksklinik. Weitere Studien mit mehr Probanden, die das Spray häufiger am Tag einsetzen, sollen folgen.

Am Verlust des Geruchssinns (Anosmie) leiden Deutschland etwa fünf Prozent der Bevölkerung. Einen schwächeren Geruchssinn (Hyposmie) haben rund ein Fünftel der Deutschen. Im Alter nimmt diese Störung zu, da die Zahl der Riechzellen abnimmt. Über 50 Jahren ist jeder Vierte davon betroffen. Der Verlust des Geruchssinnes kann auch auf eine beginnende neurodegenerative Erkrankung wie Alzheimer oder Parkinson hinweisen.

Foto: lenets_tan/fotolia.com

Autor: bab
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