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Nasenspray aus Rotalgen soll vor Corona-Infektion schützen

Nasenspray mit Iota-Carragelose, einem natürlichen Wirkstoff aus der Rotalge, könnte vor Infektionen mit dem Coronavirus schützen. Forscher der Universität Erlangen-Nürnberg sprechen von einer 80-prozentigen Risikoreduktion. Dem Klinikpersonal auf Covid-19-Stationen wird das Spray bereits seit Dezember offiziell empfohlen.
Rotalgen-Büschel liegt auf einem Sandstrand

Die wissenschaftlichen Belege verdichten sich, dass eine schleimige Substanz aus der Zellwand der Rotalge, verabreicht als Nasenspray, vor einer Covid-19-Infektion schützen kann. Die Rotalge kommt vor allem an Meeresküsten vor.

Ausgangspunkt und Einfallstor für eine Covid-19-Infektion sind die Körperöffnungen von Mund und Nase. Die von Infizierten durch Husten und Niesen in die Luft gepusteten Aerosole können andere anstecken. Umgekehrt kann das Einatmen dieser Aerosole im Körper Gesunder zu einer Infektion führen. Deshalb spielen Gesichtsmasken in der Covid-19-Pandemie so eine zentrale Rolle. Zuletzt propagierten Hygiene-Experten außerdem auch den Einsatz von Mundspülungen, um sich selbst und andere vor Covid-19 zu schützen. Als weiteres Mittel gegen eine Weiterverbreitung von Covid-19 ist in der Wissenschaft jetzt ein Nasenspray mit einem natürlichen Wirkstoff aus einer Meeresalge im Gespräch.

Rotalgen-Spray: Schutzfilm auf Nasen- und Mundschleimhaut

Iota-Carragelose ist eine Substanz, die aus Rotalgen gewonnen wird. Rotalgen kommen vor allem in den Uferzonen von Meeren vor, einige Arten auch im Süßwasser und in feuchtem Erdreich. Bestimmte Photosynthese-Pigmente verleihen ihnen ihre rote Farbe. Die medizinische Wirkung von Carragelose aus dem Zellwandschleim von Rotalgen besteht darin, dass dieser natürliche Wirkstoff einen Schutzfilm bildet und für Krankheitserreger damit eine physikalische Barriere. Diese verhindert, dass Viren die Schleimhaut infizieren, ihre Erbinformation in die Schleimhautzellen des Menschen einschleusen und sich dort vermehren und ausbreiten.

 

„80-prozentige relative Risikoreduktion"

Dieser Mechanismus funktioniert bei vielen Erkältungsviren und – neuesten Erkenntnissen zufolge – offenbar auch beim Coronavirus Sars-CoV-2. „Ein Carragelose-haltiges Nasenspray bewirkt eine 80-prozentige relative Risikoreduktion für eine Infektion mit Sars-CoV-2“, sagt Ulrich Schubert, Forscher am Virologischen Institut des Universitätsklinikums Erlangen.

Virus durch eine elektrostatische Wechselwirkung umhüllt

„Carragelose ist ein Polymer, das das Virus durch eine elektrostatische Wechselwirkung umhüllt und es dabei neutralisiert“, sagt Virologe Schubert. Diese Schutzwirkung entfalte der schleimförmige Naturstoff offenbar unabhängig davon, welche Virusvariante vorliege. „Gerade angesichts der Mutationen, die sich aktuell immer rasanter ausbreiten, halten wir die Carragelose für eine echte Option in der Bekämpfung der Pandemie.“

An Klinikpersonal auf Corona-Stationen getestet

Diese Erkenntnis fand erstmals Bestätigung in einer argentinischen Studie, in der Krankenhausmitarbeiter mit täglichem direktem Kontakt zu Covid-19-Patienten viermal täglich ein Carragelose-Nasenspray erhielten. Wie in allen anderen bisherigen klinischen Studien mit Erkältungsviren erwies sich das Nasenspray als sicher und gut verträglich. Untersuchungen im Labor belegten die antivirale Wirkung von Carragelose gegen Sars-CoV-2 in verschiedenen humanen Zellsystemen. Virologe Schubert sagt: „Zusammen mit der klinischen Untersuchung bilden die Laborbefunde die Basis für eine solide wissenschaftliche Begründung, dass Carragelose eine deutliche Wirkung gegen Sars-CoV-2 hat.“

Fachgesellschaft empfiehlt Klinikpersonal das Spray offiziell

Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene empfiehlt dem Klinikpersonal auf Covid-19-Stationen schon seit Dezember 2020 die Verwendung von Carragelose-Nasensprays. „Aber auch die Allgemeinbevölkerung kann damit ihre persönlichen Schutzmaßnahmen zur Vorbeugung erweitern“, sagt Ulrich Schubert. Carragelose wirke praktisch nebenwirkungsfrei gegen Sars-CoV-2 und schütze auch gegen verschiedene Erkältungsviren, wofür es umfangreiche Belege aus dem Labor und aus klinischen Studien gebe.

Rotalge: als Nasenspray, zur Inhalation, als Lutschpastille

An der Universität Erlangen-Nürnberg sind drei weitere klinische Studien zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Carragelose-Präparaten angelaufen. Drei verschiedene Applikationsformen werden hinsichtlich ihrer Wirkung bei Vorbeugung und Therapie von Sars-CoV-2-Infektionen untersucht: Carragelose als Nasenspray, als Lösung zum Inhalieren und außerdem als Lutschpastillen.

Foto: AdobeStock/pit24

Hauptkategorie: Corona
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