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Nahrungsergänzungsmittel konnten Cholesterin nicht genug senken

Dienstag, 29. November 2022 – Autor:
Sechs gängige Nahrungsergänzungsmittel, die das ungünstige LDL-Cholesterin senken sollen, schnitten schlecht ab: Sie konnten Statine nicht ersetzen. Dazu zählten Fischöl, Zimt, Kurkuma, Knoblauch, Pflanzensterole und Rotschimmelreis.
Ein Präparat aus Rotschimmelreis wurde auf seine cholsterinsenkende Wirkung getestet

– Foto: Adobe Stock/MilletStudio

Sechs gängige Nahrungsergänzungsmittel, die das ungünstige LDL-Cholesterin senken sollen, schnitten schlecht ab: Sie konnten Statine nicht ersetzen. Die entsprechende Studie wurde auf den Scientific Sessions 2022 der American Heart Association vorgestellt.

"Laut einer Marktforschungsanalyse aus dem Jahr 2020 geben Amerikaner jährlich schätzungsweise 50 Milliarden US-Dollar für Nahrungsergänzungsmittel aus, und viele davon werden zum ‚Herzschutz‘ oder ‚Cholesterinmanagement‘ vermarktet. Dennoch gibt es kaum bis gar keine Forschungen, die diese Vorteile belegen", sagte Studienautor Dr. Luke J. Laffin, Co-Direktor des Center for Blood Pressure Disorders an der Cleveland Clinic in Cleveland.

Teilnehmer hatten LDL-Cholesterinwerte bis 189 mg/dL

Diese Studie verglich die Wirksamkeit eines niedrig dosierten Statins mit der von sechs gängigen Nahrungsergänzungsmitteln bei der Senkung des ungünstigen Low-Density-Lipoprotein (LDL)-Cholesterins sowie ihre Auswirkungen auf andere Cholesterinwerte und Entzündungsmarker. LDL-Cholesterin erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfälle, da es Ablagerungen bildet, die Arterien verengen und versteifen können.

In der SPORT-Studie analysierten die Forscher Gesundheitsdaten von 199 Erwachsenen im Alter zwischen 40 und 75 Jahren, die keine Vorgeschichte von Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten. Die Teilnehmer hatten LDL-Cholesterinwerte zwischen 70 mg/dL und 189 mg/dL und ein Risiko von 5 bis 20 Prozent, innerhalb von 10 Jahren eine atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln.

 

Fischöl, Zimt, Knoblauch, Kurkuma, Rotschimmelreis

Die Forscher ordneten die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip einer von acht Gruppen zu: Sie nahmen über 28 Tage lang entweder Placebo, 5 mg des niedrig dosierten Statin-Medikaments Rosuvastatin oder eines von sechs Nahrungsergänzungsmitteln (Fischöl 2.400 mg; Zimt 2.400 mg; Knoblauch mit 5.000 mcg Allicin, Kurkuma-Curcumin mit Bioperin 4.500 mg, Pflanzensterole 1.600 mg und Rotschimmelreis 2.400 mg) ein.

Die durchschnittliche Senkung des LDL-Cholesterins nach 28 Tagen betrug 37,9 Prozent bei den Teilnehmern, die das Statin einnahmen, während die Veränderungen des LDL-Cholesterinspiegels bei denjenigen, die eines der Nahrungsergänzungsmittel einnahmen, mit denen in der Placebogruppe vergleichbar waren.

Knoblauch-Präparat erhöhte LDL-Cholsterinwerte sogar

Die Menschen in der Statin-Gruppe hatten eine durchschnittliche Senkung des Gesamtcholesterins um 24 Prozent, was eine deutlichere Senkung war als in der Placebo-Gruppe oder irgendeines der Nahrungsergänzungsmittel.

Rosuvastatin führte zu einer 19 prozentigen Abnahme der Triglyceride im Blut. Im Vergleich zu Placebo gab es bei keinem der Nahrungsergänzungsmittel einen Unterschied bei den Triglyceriden. Im Vergleich zu Placebo erhöhte das Nahrungsergänzungsmittel mit Knoblauch das LDL-Cholesterin sogar deutlich.

Nahrungsergänzungsmittel konnten Cholesterin nicht genug senken

Fazit der Forscher: "Diese Studie sendet eine wichtige Botschaft für die öffentliche Gesundheit, dass Nahrungsergänzungsmittel, die üblicherweise für die ‚Cholesteringesundheit‘ oder ‚Herzgesundheit‘ eingenommen werden, wahrscheinlich keinen bedeutenden Einfluss auf den Cholesterinspiegel haben."

Ein niedrig dosiertes Statin hingegen konnte das Cholesterin genug senken. Zukünftige Forschung sollte andere Arten von Nahrungsergänzungsmitteln und ihre potenziellen Auswirkungen auf den Cholesterinspiegel untersuchen.

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