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21.06.2018

Nächtlicher Fluglärm besonders schädlich für die Gesundheit

Fluglärm macht krank. Nächtlicher Fluglärm macht kränker. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Untersuchung der Universität Mainz. Danach ist die gestörte Schlafqualität besonders schädlich für Gefäße und Gehirn.
Fluglärm, Gesundheit

Nachts ist Fluglärm noch schädlicher für die Gesundheit

Wenn permanent Flugzeuge über das Büro oder die Wohnung donnern, hat das große Auswirkungen auf die Gesundheit. Etliche Studien haben inzwischen den Zusammenhang zwischen Fluglärm und Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachgewiesen. Jetzt haben Wissenschaftler der Universität Mainz gezeigt, dass nächtlicher Fluglärm noch schädlicher ist als der Lärm am Tag. Der Untersuchung zufolge werden durch simulierten Nachtfluglärm das Stresshormon Adrenalin vermehrt ausgeschüttet, die Schlafqualität vermindert und ein Gefäßschaden ausgelöst, die so genannte endotheliale Dysfunktion. Weitere Untersuchungen an einem neu entwickelten Tiermodell zeigten, dass Fluglärm eine deutliche Erhöhung der Stresshormone, eine Gefäßfunktionsstörung, erhöhten oxidativen Stress und Entzündungsprozesse in den Gefäßen sowie eine deutliche Änderung der Expression von Genen in der Gefäßwand nach sich zieht.

Fluglärm ruft gefährliche Enzyme auf den Plan

„Mit unserer neuen Studie können wir erstmals nachweisen, dass insbesondere ‚Nachtfluglärm‘ – also Lärm während der Schlafphase der Mäuse – und nicht Lärm während der Wachphase für Gefäßfunktionsstörungen verantwortlich ist“, erläutern Dr. Thomas Münzel, Direktor Kardiologie und Prof. Dr. Andreas Daiber, Leiter der Molekularen Kardiologie am Universitätsklinikum Mainz die Studienergebnisse.

Das Forscherteam konnte sogar mehrere Übeltäter in diesem Geschehenstellen: Einer davon ist ein Enzym namens ‚phagozytische NADPH Oxidase‘, das hauptsächlich in Entzündungszellen vorkommt und offenbar nachts in besonderem Maße aktiviert wird. Schalteten die Forscher das Enzym aus, konnten die negative Auswirkungen an Gefäßen und Gehirn komplett verhindert werden. „Die aktuellen Untersuchungen beweisen nun endgültig dessen zentrale Rolle und liefern den Beweis, dass die negativen Fluglärmeffekte über dieses Enzym vermittelt werden,“ betonen die Forscher, die die phagozytische NADPH Oxidase schon länger im Visier haben.

 

Gehirn nimmt Schaden

Doch nicht nur Gefäße werden durch Nachtfluglärm geschädigt. Auch das Gehirn nimmt Schaden, wie die Mainzer Lärmforscher weiter zeigen konnten. Hierbei scheint die neuronale Stickstoffmonoxid (NO)-Synthase, ein wichtiges Enzym in unserem Gehirn, eine große Rolle zu spielen. Das Enzym, das für die Bereiche Lernen und Gedächtnis verantwortlich ist, wird durch Fluglärm herunterreguliert und so seine Funktion beeinträchtigt. „Dieser neue Befund erklärt möglicherweise die beschriebenen kognitiven Entwicklungsstörungen bei Kindern nach Fluglärmexposition“, so die Lärmforscher.

Eine zentrale Rolle für die Lärm-induzierten Gefäß- und Gehirnschäden spielt außerdem der Transkriptionsfaktor FoxO3: Die Fehlregulation dieses Faktors durch „Nachtfluglärm“ führt zu einem gestörten Genexpressions-Netzwerk, das zelluläre Vorgänge in Abhängigkeit der Tageszeiten steuert – gerät diese circadiane Rhythmik durch Lärm aus dem Takt, kann dies zu Schlafstörungen und in der Folge zu kardiovaskulären, psychischen und metabolischen Erkrankungen führen.

Die Mainzer Lärmforscher sehen in den Ergebnissen ein wichtiges Argument für das Nachtflugverbot. Es müsse ein wichtiges Ziel sein muss, die Nachtruhe vor Lärm zu schützen und insbesondere die gesetzlich definierte Nachtruhe von 22 Uhr abends bis 6 Uhr morgens zu implementieren, so die Schlussfolgerung der Autoren.

Publiziert wird die neue Studie im „European Heart Journal“. Der Titel lautet: „Crucial role for Nox2 and sleep deprivation in aircraft noise-induced vascular and cerebral oxidative stress, inflammation and gene regulation”

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
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