. Blutdruck

Nächtlicher Bluthochdruck Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall

Bluthochdruck erhöht bekanntlich das Risiko für Herzinsuffizienz, Herzinfarkt oder Schlaganfall. Nächtlicher Bluthochdruck ist dabei offenbar besonders gefährlich. Das bestätigt auch eine aktuelle Studie.
Bluthochdruck, nächtlicher Bluthochdruck

Wer unter Hypertonie leidet, sollte unbedingt seinen nächtlichen Blutdruck kontrollieren

Nächtlicher Bluthochdruck gilt als besonders wichtiger Risikofaktor für künftige Herz-Kreislauf-Erkrankungen und sogar den Tod des Patienten. Er ist dabei auch weitaus gefährlicher als tagsüber erhöhter Blutdruck. Festgestellt werden kann der nächtliche Bluthochdruck nur durch eine Blutdruck-Langzeitmessung. Eine US-amerikanische Studie hat nun bestätigt, dass neben dem 24-Stundendurchschnittswert des Blutdrucks der nächtliche Bluthochdruck tatsächlich den größten Risikofaktor für die Patienten darstellt. Veröffentlicht wurde die Studie im amerikanischen Ärzteblatt JAMA.  

Blutdruck-Langzeitmessung wichtig für Prognose

Eine ambulante Blutdruck-Langzeitmessung (ABDM) erzeugt eine Vielzahl von Daten, deren Bedeutung für das individuelle Risiko des Patienten nicht immer ganz klar ist. Die IDACO-Studie („Ambulatory Blood Pressure in Relation to Cardiovascular Outcome“) sammelt daher seit 1988 die Ergebnisse von ABDM, um sie mit der Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Todesfällen in Verbindung zu setzen und die Risikofaktoren abschätzen zu können.

Bisher wurden die Daten von über 11.000 Patienten an 13 Zentren zusammengetragen. Die durchschnittliche Nachbeo­bachtungszeit lag bei 13,8 Jahren. Insgesamt sind 2.836 Patienten verstorben und 2.049 haben ein Herz-Kreislauf-Ereignis wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlebt. Nun haben Forscher um Jan Staessen von der Katholischen Universität Löwen in Belgien die Ergebnisse mit den kardiovaskulären Ereignissen in Beziehung gesetzt und das Risiko im Falle eines Anstiegs des Blutdrucks um 20/10 mm Hg berechnet.

 

Blutdruckentwicklung in der Nacht bestimmt das Mortalitätsrisiko

Wie sich zeigte, wurde das größte Risiko bei nächtlichem systolischem Blutdruck gefunden. Jeder Anstieg des systolischen Blutdrucks um 20 mm Hg erhöhte dabei das Risiko für ein Herz-Kreislauf-Ereignis um 36 Prozent und das Sterberisiko um 23 Prozent. Der zweitwichtigste Prognosefaktor war der durchschnittliche Blutdruck über die Gesamtdauer der Messung.

Die Studie bestätigt damit die prognostische Bedeutung des nächtlichen Blutdrucks. Auch wenn also tagsüber der Blutdruck hoch ist, kann das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall sehr unterschiedlich sein – je nachdem, wie sich der Blutdruck in der Nacht entwickelt. So starben von den Patienten, bei denen der Blutdruck nachts um mehr als 20 Prozent des Tageswerts fiel, im Verlauf von 10 Jahren „nur“ 3,73 Prozent. Bei einem „normalen“ Abfall von 10 bis 20 Prozent betrug das Risiko 4,08 Prozent. Und bei einem sehr geringen nächtlichen Abfall von weniger als 10 Prozent („Non-Dipping“) stieg die Mortalität auf 4,62 Prozent. Patienten, bei denen der Blutdruck in der Nacht sogar höher war als tagsüber, hatten ein Sterblichkeitsrisiko von 5,74 Prozent.

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