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Nackenschmerzen sind Folge von Migräne – nicht die Ursache

Donnerstag, 18. März 2021 – Autor:
Etwa zehn Prozent der Bevölkerung leiden an Migräne. Die Kopfschmerzerkrankung wird häufig mit einem zervikogenen Kopfschmerz verwechselt, dessen Ursache Nackenverspannungen sind. Bei Migräne sind jedoch Nackenschmerzen nicht der Auslöser, sondern die Folge.
Migräne tritt meist einseitig auf. 70 Prozent der Betroffenen haben zudem Nackenschmerzen

Migräne tritt meist einseitig auf. 70 Prozent der Betroffenen haben zudem Nackenschmerzen – Foto: © Adobe Stock/sebra

Migräne beginnt bei vielen Betroffenen mit Schmerzen im Nacken. Meist tritt der Schmerz am Übergang zur Schulter auf und zieht dann einseitig durch eine Gesichtshälfte bis in die Schädeldecke. Weitere Symptome sind Übelkeit, das Gefühl nicht mehr gerade gucken zu können, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, mitunter kommt noch eine Aura dazu. Körper und Kopf fühlen sich schwer an, wie bei einem Kater. Inzwischen weiß man, dass nicht nur weit gestellte Blutgefäße an der Migräne beteiligt sind, sondern auch Entzündungsprozesse eine Rolle spielen.

Migräne häufig mit zervikogenen Kopfschmerz verwechselt

Obwohl sich Migräne eigentlich gut von anderen Kopfschmerzen abgrenzen lässt, wird sie laut der Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) von Ärzten immer noch häufig übersehen. Das hat eine aktuelle Umfrage unter Hausärzten ergeben. Demnach diagnostizieren 69 Prozent bei ihren Patienten häufig zervikogenen Kopfschmerz und überweisen ihre Patienten daher am zweithäufigsten an Orthopäden. „Dieses Ergebnis passt nicht zur epidemiologischen Datenlage. Migräne tritt deutlich häufiger auf als ein zervikogener Kopfschmerz“, sagt DMKG-Vizepräsidentin PD Dr. Stefanie Förderreuther, "und lässt befürchten, dass in vielen Fällen eine Migräne mit einem zervikogenen Kopfschmerz verwechselt wird." Zervikogener Kopfschmerzen kommt mit geschätzten 0,4 bis 2,5Prozent in der Bevölkerung deutlich seltener vor als Migräne, an der rund 10 Prozent leiden.

 

Nackenschmerzen begleiten Migräneattacke

Dass etwa zwei Drittel der Migränepatienten bei einem Migräneanfall auch Nackenschmerzen haben, ist wissenschaftlich belegt.  „Die Nackenschmerzen sind allerdings die Folge der Migräne, nicht deren Ursache“, sagt Förderreuther. „Möglicherweise nehmen Hausärzte hier zu häufig einen zervikogenen Kopfschmerz an und überweisen an den Orthopäden.“

Wurden Hausärzte nach den häufigsten Kopfschmerzarten ihrer Patienten befragt, nimmt im Ranking die Diagnose zervikogener Kopfschmerz nach dem Spannungskopfschmerz den zweiten Platz ein. Danach folgen sekundäre Kopfschmerzen, episodische und chronische Migräne, Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch und Cluster-Kopfschmerz. „Dieses Ergebnis ist für uns alarmierend“, so PD Dr. Stefanie Förderreuther.  „Wir wissen, dass die Migräne der häufigste schwere Kopfschmerz ist, der Patienten zum Arzt führt.“ Spannungskopfschmerzen seien zwar der häufigste Kopfschmerz, doch weniger intensiv und meist erst dann ein Grund zum Arzt zu gehen, wenn sie sehr häufig auftreten.

Nichtsdestotrotz kann ein verspannter Nacken auch einer von vielen Migräne-Triggern sein. Entspannungstechniken sind darum eine bewährte Migräneprophylaxe und tun im Allgemeinen der Gesundheit gut.

Hauptkategorie: Medizin
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