. Schichtarbeit

Nachtschichten erhöhen Risiko für Herzerkrankungen

Nachtschichten belasten die Gesundheit. Eine Studie der MedUni Wien konnte nun zeigen, dass Krankenschwestern, die mehr als zehn Jahre lang in Nachtschicht arbeiten, ein höheres Risiko für eine koronare Herzerkrankung haben als ihre Kolleginnen in der Tagesschicht.
Herzkrank durch Nachtschichten

Schichtarbeit belastet die Gesundheit auf vielfältige Weise

Nachtschichten erhöhen das Risiko für verschiedene Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und sogar Krebs. Manche Forscher gehen davon aus, dass nächtliches Arbeiten beziehungsweise der ständige Wechsel zwischen Tages- und Nachschichten auf Dauer die Sterblichkeit um mehr als zehn Prozent erhöht. Vor allem das Risiko für Herzinfarkte scheint sich durch die Schichtarbeit zu erhöhen. Das bestätigt nun auch eine aktuelle Studie der Medizinischen Universität Wien.

Schichtarbeit erhöht Risiko für Herzinfarkte

Die Forscher um Professor Eva Schernhammer untersuchten für ihre Studie die Daten von rund 240.000 US-amerikanischen Krankenschwestern, die seit mehreren Jahren immer wieder zwischen Tages- und Nachtschichten wechseln mussten. Die Analyse zeigte, dass die Pflegerinnen, die über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren Schichtarbeit verrichteten, ein bis zu18 Prozent höheres Risiko für eine koronare Herzerkrankung hatten als diejenigen, die nicht in Nachtschicht arbeiteten. Aber auch schon nach fünf Jahren konnten die Wissenschaftler ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Co. bei den Schichtarbeiterinnen verzeichnen.  

Dieses Ergebnis blieb auch unabhängig vom Gesundheitszustand der Frauen vor Beginn der Studie bestehen, d.h. auch bei vorher ganz gesunden Frauen stieg die Wahrscheinlichkeit für Herzerkrankungen deutlich an. Sobald die Krankenschwestern jedoch wieder dauerhaft in die Tagesarbeit wechselten oder in Pension gingen, sank das Risiko wieder.

Aufgrund ihrer Ergebnisse raten die Forscher dazu, die Dienstpläne generell zu überdenken sowie präventive Gesundheitschecks anzubieten. Unter Umständen sollte bei der Einteilung der Schichtarbeit auch bedacht werden, zu welchem Chronotyp die Mitarbeiter gehörten. „Etwa zehn bis 15 Prozent der Menschen sind Abendtypen, 20 Prozent oder mehr sind Morgenmenschen. Der Rest sind Mischtypen“, so Scherhammer.

Einige Arbeitnehmer bevorzugen die Nachtschicht

Empfindliche Typen können bei einem schnellen Wechsel zwischen Nacht- und Tagschicht jedes Mal eine Art „Mini-Jetlag“ empfinden, der zu Schlafproblemen und verschiedenen gesundheitlichen Problemen führt. Umfragen zeigen allerdings auch, dass viele Krankenpfleger oder Ärzte gerne in der Ruhe der Nacht arbeiten und dies als angenehmer empfinden als die Hektik des Tages.

Bis zu 20 Prozent der Beschäftigten arbeiten irgendwann in ihrem Leben im Schichtbetrieb. In Deutschland arbeiten rund 8,5 Prozent der Arbeitnehmer regelmäßig in der Nacht. Besonders häufig kommen Nachtschichten bei Gesundheitsberufen vor.

Foto: © Photographee.eu - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Herz-Kreislauf-System , Bluthochdruck , Herzinfarkt , Pflege , Pflegebedingungen , Schlafstörung , Schlafmittel

Weitere Nachrichten zum Thema Schichtarbeit

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.
Kinder, Job – und Reha? Mit der „Berufsbegleitenden Rehabilitation“ passt alles unter einen Hut, meint Christoph Gensch von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Im Interview verrät der Reha-Experte, was es mit dem neuen Modellprojekt auf sich hat.