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13.04.2018

„Nachteulen“ haben kürzere Lebenserwartung

Manche Menschen kommen erst am Abend so richtig in Fahrt und dafür morgens schlecht aus dem Bett. Dass dies auf Dauer krank macht, haben nun Forscher herausgefunden. Sogar die Lebenserwartung soll kürzer sein als die von Morgenmenschen.
Nachtmensch, Lebenserwartung

Für Nachtmenschen ist morgens um 7 die Welt noch nicht in Ordnung. Laut einer Studie sterben sie darum früher

Eine große Kohortenstudie bringt es an den Tag: Nachts lange auf bleiben, ist ungesund und verkürzt sogar das Lebenserwartung. Für die Studie der Northwestern University (USA) und der der University of Surrey (Großbritannien) wurden über 400.000 Personen im Alter zwischen 38 und 73 Jahren nach ihren Lebensgewohnheiten befragt und über sechseinhalb Jahre nachbeobachtet. Dabei zeigte sich, dass Menschen, die angaben nachts lange aufzubleiben und morgens müde zu sein, öfter an Diabetes, psychischen und neurologischen Leiden erkranken als Personen, die sich als Morgenmenschen bezeichnen.

10 Prozent höheres Sterberisiko

Die höhere Krankheitslast und der Schlafmangel führten auch schneller zum Tod: Über den beobachteten Zeitraum starben 50.000 der unausgeschlafenen „Nachteulen“ mehr als jene, die angaben, früh schlafen zu gehen und keine Probleme zu haben, morgens aus dem Bett zu kommen. Das Sterberisiko von Nachtmenschen ist laut den Forschern zehn Prozent höher als bei Personen, die ihrem Körper genug Schlaf gönnen.

„Nachteulen, die früh aufstehen und ihrem Körper vormachen, sie seien Morgenmenschen, tragen gesundheitliche Folgen davon", wird Studienleiterin Kristen Knutson von der Northwestern University in einer Meldung von pressetext.de zitiert.

 

Flexible Arbeitszeiten gefordert

Aus den Befragungen geht außerdem hervor, dass Nachteulen häufiger psychisch belastet sind, sich wenig bewegen, übermäßig Alkohol trinken und Mahlzeiten zu ungünstigen Uhrzeiten einnehmen. Es gebe eine Menge an ungesunden Verhaltensweisen, die damit verbunden seien, lange aufzubleiben und in der Nacht alleine zu sein, betont Knutson. Sie und ihre Kollegen glauben, dass flexible Arbeitszeiten wesentlich besser wären. "Manche Menschen sind, alleine schon genetisch bedingt, besser dafür geeignet, zu späten Zeiten zu arbeiten. Diese Personen sollten nicht dazu gezwungen werden, entgegen ihrer inneren Uhr schon um acht Uhr morgens bei der Arbeit aufzuschlagen", so die Forscherin.

Ingo Fietze, Leiter des schlafmedizinischen Zentrums der Berliner Charité, kann laut presstext.de die Erkenntnisse der Studie bestätigen. "Wenn Abendtypen kürzer schlafen, da sie später ins Bett gehen, aber trotzdem morgens zeitig raus müssen, dann ist die kurze Schlafzeit auf Dauer ein Mortalitätsrisiko“, sagte er.

Schlaf wichtig für die Gesundheit

Schlafstörungen sind weit verbreitet. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, wie wichtig ausreichender Schlaf für die Gesundheit ist. In einer Meta-Analyse, deren Ergebnisse kürzlich im“European Journal of Preventive Cardiology“ veröffentlicht wurden, konnten Wissenschaftler zeigen, dass ein nicht erholsamer Schlaf auf Dauer das Risiko erhöht, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden.

Wie sich zeigte, hatten Menschen, die Schwierigkeiten beim Einschlafen aufwiesen, ein um 27 Prozent erhöhtes Risiko für einen vorzeitigen Tod durch Herzerkrankungen oder Schlaganfälle. Wer Probleme bei der Aufrechterhaltung des Schlafes hatte, wies ein um 11 Prozent erhöhtes Risiko auf und Menschen mit Schwierigkeiten beim nicht-restaurativen Schlaf hatten ein um 18 Prozent höheres Risiko. Eine Verbindung zwischen dem Erwachen am frühen Morgen und den untersuchten Risiken konnten die Wissenschaftler allerdings nicht finden.

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
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