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23.06.2019

Nachlassende Sehkraft im Alter bedroht auch Hirnfunktionen

Wie wichtig ist gutes Sehen für den Erhalt der kognitiven Funktionen im Alter? Das wollten Forscher in einer Studie herausfinden. Das Ergebnis: Zwischen einer nachlassenden Sehkraft und der Abnahme von Hirnfunktionen gibt es einen deutlichen Zusammenhang.
Sehvermögen im Alter, Hirnfunktionen

Wenn die Sehkraft nachlässt, kann das auch die kognitiven Funktionen beeinträchtigen

Gutes Sehen ist wichtig für die soziale Teilhabe und den Erhalt der kognitiven Funktionen. Darauf weist die Stiftung Auge anlässlich einer Studie hin, die kürzlich im „Journal of the American Medical Association (JAMA)“ veröffentlicht wurde. US-Forscher haben darin einen deutlichen Zusammenhang zwischen nachlassender Sehkraft und abnehmender Hirnfunktion im Alter nachweisen können. Vor diesem Hintergrund weist die Stiftung Auge darauf hin, wie wichtig gutes Sehen und regelmäßige Besuche beim Augenarzt für ältere Menschen sind. Doch noch gelang die augenärztliche Versorgung nicht in ausreichendem Maße zu Menschen in Senioren- und Pflegeheimen.

Kognitive Funktionen und Sehvermögen hängen zusammen

An der Studie hatten 2520 Senioren teilgenommen. Zu Beginn ermittelten die Forscher die geistigen Fähigkeiten anhand eines Schnelltests sowie die Sehschärfe. Dieser sogenannte Mini-Mental-Status-Test (MMST) erfasst anhand eines Fragebogens unter anderem die Fähigkeiten zur Orientierung, zum Rechnen, zum Buchstabieren und die Merkfähigkeit. Nach zwei, sechs und acht Jahren erfolgten Nachuntersuchungen. Dabei zeigte sich, dass sich über die Zeit sowohl die Sehschärfe als auch die MMST-Testergebnisse verschlechterten. Das Ergebnis der Forscher zeigte, dass das Ausmaß der Sehverschlechterung mit dem Ausmaß der Verschlechterung der geistigen Leistungsfähigkeit assoziiert war.

„Diese Ergebnisse belegen einmal mehr, wie wichtig das Sehen für die soziale Teilhabe ist“, sagt Professor Dr. med. Frank G. Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn und Vorsitzender der Stiftung Auge. Wer ohne nennenswerte Einschränkungen lesen, sich informieren und an gesellschaftlichen Ereignissen teilhaben könne, werde auch geistig angeregt und gefordert. Das Nachlassen der Sehkraft sollte daher keinesfalls als normale Alterserscheinung hingenommen werden.

 

Ältere Menschen oft nicht ausreichend augenärztlich versorgt

„Die meisten Augenerkrankungen lassen sich heute gut behandeln, wenn sie rechtzeitig erkannt werden“, so Holz. Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt seien daher von großer Bedeutung, um die Sehfähigkeit, die Lebensqualität und die Fähigkeit zur sozialen Teilhabe zu erhalten – und damit auch die Geisteskraft.

Dass dies gerade bei älteren Menschen häufig nicht in ausreichendem Maß geschieht, hat die OVIS-Studie (Ophthalmologische Versorgung in Seniorenheimen) gezeigt. Demnach gelang die augenärztliche Versorgung oft nicht zu den Menschen in Pflege- und Seniorenheimen – mit fatalen Folgen.

Augenerkrankungen müssen behandelt werden

„Unbehandelte Augenerkrankungen und Einschränkungen im Sehvermögen bringen nicht nur die Gefahr einer Erblindung: Übersehene Teppichkanten oder Stufen können Stürze verursachen und Knochenbrüche mit sich bringen, die nicht selten zu erhöhter Pflegebedürftigkeit oder sogar vorzeitigem Tod führen können“, erklärt Holz. Auch für die Selbstständigkeit, Mobilität und geistige Gesundheit spielt das Sehen eine große Rolle.

In einem Maßnahmenkatalog hat die Stiftung Auge jetzt gemeinsam mit weiteren Akteuren im Gesundheitswesen notwendige Schritte zur Verbesserung der Versorgungssituation festgelegt. Hierzu gehört unter anderem, das Thema Auge in der Pflegeaus- und -weiterbildung zu stärken, einen Transport und die Begleitung der Bewohner zum Augenarzt sicherzustellen und Screening-Untersuchungen in den Heimen zu ermöglichen.

Foto: © pathdoc - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Medizin , Pflege
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