. Rehabilitation

Nach Schlaganfall: SSRI bringen keine Verbesserung

Die Hoffnung, dass selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wie Fluoxetin zu einer Funktionsverbesserung nach akutem Schlaganfall führen könnten, hat sich zerschlagen. In zwei Studien konnte keine signifikante Änderung festgestellt werden.
SSRI, Schlaganfall, Neurogenese

Können SSRI die Neurogenese anregen? Neuere Studien brachten dafür keine Bestätigung.

Tierexperimente hatten Hoffnung gemacht: Bestimmte Antidepressiva, sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), schienen neben der antidepressiven Wirkung auch einen positiven Einfluss auf die Neuroplastizität und Neurogenese zu haben. Forscher hatten daher die Vermutung, dass SSRI nach einem Schlaganfall auch zu einer schnelleren und stärkeren Verbesserung der Körperfunktionen beitragen könnten. Mit zwei neueren Studien haben sich diese Hoffnungen jedoch erst einmal zerschlagen.

SSRI nach Schlaganfall doch nicht wirksam?

Bestätigt zu werden schienen die positiven Ergebnisse aus den Experimenten zunächst durch eine kleine Studie (FLAME) im Jahr 2011. Doch eine weitere Analyse mit Patienten, die gegen eine Depression nach Schlaganfall mit SSRI behandelt wurden, zeigte keine Verbesserung des funktionellen Status nach 90 Tagen. Nun liegen zwei größere Untersuchungen mit den SSRI Fluoxetin und Citalopram vor. In beiden Studien konnte ebenfalls keine signifikante Wirkung der Antidepressiva auf die körperlichen Funktionen belegt werden.

 

Keine funktionelle Verbesserung durch Fluoxetin

Bei der FOCUS-Studie handelte es sich um eine multizentrische, doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Studie mit über 3000 Schlaganfallpatienten. Alle Teilnehmer wiesen nach dem Insult fokale neurologische Ausfälle auf. Daraufhin erhielten sie über sechs Monate lang pro Tag entweder 20 mg Fluoxetin oder ein Placebopräparat.

Es zeigte sich, dass die Werte weder nach sechs noch nach zwölf Monaten durch Fluoxetin gegenüber Placebo verbessert werden konnten. Allerdings hatten die Patienten, die Fluoxetin erhielten, eine geringere Wahrscheinlichkeit, innerhalb des Behandlungszeitraums eine Depression zu entwickeln.

Einsatz nicht gerechtfertigt

Ähnliche Ergebnisse brachte eine andere große Untersuchung mit dem SSRI Citalopram. Auch hier konnte keine positive Wirkung auf den funktionellen Status nach einem Schlaganfall konstatiert werden. Als Nebenwirkung trat in beiden Studien vor allem ein leicht erhöhtes Risiko für Knochenbrüche auf. Eine Rechtfertigung dafür, SSRI zur Rehabilitation nach einem Schlaganfall einzusetzen, sehen Experten nach diesen Studien nicht mehr.

Foto: © Giovanni Cancemi - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Antidepressiva , Schlaganfall , Rehabilitation
 

Weitere Nachrichten zum Thema Schlaganfall

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Wer mehrere Sprachen spricht, kann die Entstehung einer Demenz hinauszögern – das haben Studien bereits gezeigt. Nun haben Forscher nachgewiesen, dass auch das Erlernen einer Sprache im hohen Alter die Plastizität des Gehirns und damit die kognitive Leistungsfähigkeit fördert.
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.