. Nachsorge

Nach Schlaganfall auf Depression oder Demenz achten

Ein Schlaganfall kann nicht nur körperliche Folgen haben, sondern auch die Psyche stark beeinträchtigen. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) fordert daher, besser auf mögliche Folgeerkrankungen wie Depressionen oder Demenz zu achten.
Schlaganfall-Nachsorge verbessern

Zwischen 20 und 30 Prozent der Patienten entwickeln nach einem Schlaganfall eine Depression

Nach einem Schlaganfall sind Patienten besonders gefährdet, an einer Depression oder einer Demenz zu erkranken. So hat beispielsweise eine Studie von Ärzten der Columbia University in New York im Jahr 2014 ergeben, dass das Risiko für eine durch den Schlaganfall bedingte Depression innerhalb des ersten Jahres bei 23 Prozent liegt. Dennoch werden diese und andere Folgeerkrankungen oft nicht oder erst spät erkannt beziehungsweise häufig nicht adäquat behandelt. Im Vorfeld des diesjährigen Weltschlaganfalltags fordern Vertreter der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) daher ein besseres Nachsorgekonzept für Schlaganfall-Patienten.

Nachsorge muss verbessert werden

Die Akutversorgung von Schlaganfall-Patienten wird immer besser, doch in der langfristigen Weiterversorgung gibt es einige Mängel. „Damit die Gefahren rechtzeitig erkannt werden, benötigen Patienten auch nach der Reha eine umfassende Nachsorge“, betont auch Professor Armin Grau, Direktor der Neurologischen Klinik mit Klinischer Neurophysiologie am Klinikum der Stadt Ludwigshafen und 3. Vorsitzender der DSG. „Eine strukturierte Nachsorge ist auch notwendig, damit eine bestmögliche Versorgung mit Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie rechtzeitig in die Wege geleitet werden kann.“

Die DSG plädiert vor allem für eine sektor- und berufsgruppenübergreifende Weiterversorgung: „Um eine strukturierte Nachsorge zu ermöglichen, sollte ein regionales Schlaganfallnetzwerk mit einem Schlaganfallfallkoordinator – also einem Facharzt für Neurologie – und einer spezialisierten Pflegekraft, der ‚stroke nurse‘, zum Einsatz kommen“, meint Grau. Wichtig sei dabei, dass eine enge Kommunikation und Koordination zwischen allen Ärzten und Therapeuten erfolge. Zudem sollten Patienten und ihre Angehörigen ausführlich über das Krankheitsbild informiert und aufgeklärt und bezüglich präventiver Maßnahmen motiviert werden.

Regionale Netzwerke stärken

Nach Ansicht des Schlaganfall-Experten sind weitere Elemente in einem solchen regionalen Schlaganfallnetzwerk wichtig: „Ein Gesunderhaltungspass kann dabei helfen, die Behandlung von Patienten gezielt zu dokumentieren“, so Grau. „Durch regelmäßige Untersuchungen in der Klinik sowie beim Haus- und Facharzt können zudem Risikofaktoren und mögliche Folgeerkrankungen überprüft werden.“ Die DSG setzt sich derzeit für die Erprobung solcher Netzwerke im Rahmen einer Studie ein. Dazu hat sie einen Antrag im Rahmen des Innovationsfonds der Bundesregierung gestellt.

Foto: bilderstoeckchen - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Demenz , Depression , Schlaganfall

Weitere Nachrichten zum Thema Schlaganfall

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
Die (hATTR) Amyloidose ist eine seltene Erbkrankheit mit einer geringen Lebenserwartung. Hoffnung macht jetzt ein neues Medikament, das bereits die klinischen Phase III erfolgreich absolviert hat. Die Zulassung könnte schon nächstes Jahr erfolgen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.