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21.04.2021

Nach Impfung mit AstraZeneca: Was tun bei Kopfschmerzen?

Eine mögliche Nebenwirkung der Covid-19-Impfung mit AstraZeneca ist die Hirnvenen-Thrombose. Geimpfte mit Kopfschmerzen sollten deshalb umgehend einen Augenarzt aufsuchen. Warum? Eine Schwellung des Sehnervs ist das häufigste klinische Anzeichen dieser Impfkomplikation. So lässt sich ein Verdacht am schnellsten bestätigen – oder ausschließen.
Kopfschmerzen: Mögliches Zeichen für Hirnvenenthrombose nach einer Covid-19-Impfung.

Anhaltende Kopfschmerzen können ein Warnsignal für eine Hirnvenen-Thrombose sein, die nach einer Impfung gegen Covid-19 mit sogenannten Vektor-Impfstoffen auftreten kann.

Seit Anfang Februar wird in Deutschland mit dem Impfstoff von AstraZeneca gegen Covid-19 immunisiert. Knapp fünf Millionen Menschen haben diesen Impfstoff bisher mindestens einmal verabreicht bekommen, besagen Zahlen des Robert-Koch-Instituts (Stand: 20.04.2021). In einzelnen, aber wiederkehrenden Fällen im mehreren Ländern kam es vor allem bei Frauen und in den Altersklassen unter 60 zu Hirnvenen-Thrombosen. Aufgrund der Verdachtsfälle wird eine Impfung mit AstraZeneca in Deutschland derzeit nur Über-60-Jährigen empfohlen. Jüngere sollen sich mit diesem Vakzin nach den offiziellen Empfehlungen erst nach individueller Risikoanalyse und sorgfältiger Aufklärung impfen lassen – und viele tun das auch. Für eine Impfung mit AstraZeneca bekommt man oft schnell einen Termin – und nicht erst nach Wochen oder Monaten.

Anhaltende Kopfschmerzen: Symptom in 90 Prozent der Fälle

Mit den neuen Empfehlungen „sind die am stärksten gefährdeten Risikogruppen von der Impfung ausgenommen“, sagt Helmut Wilhelm, Leitender Arzt an der Universitäts-Augenklinik Tübingen. Dennoch werde es weiterhin Menschen geben, die nach einer Covid-19-Impfung unter starken Kopfschmerzen leiden – ein Symptom, das auch in 90 Prozent aller Fälle von Hirnvenen-Thrombose auftritt, fachsprachlich: zerebrale Sinusvenen-Thrombose (SVT).

 

Risikofaktoren: Übergewicht und Gerinnungsstörungen

„Bei anhaltenden Kopfschmerzen über mehrere Tage, die sich trotz Einnahme frei verkäuflicher Schmerzmittel nicht bessern, kommt daher eigentlich eine Untersuchung mit Computer- oder Magnetresonanztomographie in Betracht, um den Verdacht auf eine SVT auszuschließen“, sagt Wilhelm. Weil Termine hier kurzfristig schwer zu bekommen sind, empfiehlt Wilhelm, in einem ersten Schritt vorsichtshalber den Gang zum Augenarzt anzutreten – ganz besonders dann, wenn Risikofaktoren für eine SVT wie Übergewicht oder Gerinnungsstörungen vorliegen.

Verdacht auf Hirnvenenthrombose: Was der Augenarzt macht

Der Augenarzt kann den Augenhintergrund mit einem Augenspiegel auf eine Stauungspapille hin untersuchen: Das ist eine Schwellung des Sehnervs, hervorgerufen durch den erhöhten Hirndruck – und häufigstes klinisches Anzeichen einer zerebralen SVT. „Die Stauungspapille zeigt sich in bis zu 85 Prozent aller Fälle“, sagt Augenfacharzt Wilhelm. „Damit ist die augenärztliche Untersuchung eine valide und zugleich wenig aufwändige Methode, einen großen Teil der SVT-gefährdeten Patienten niederschwellig zu erfassen.“ Ein Drittel der SVT-Betroffenen leidet zusätzlich unter Sehstörungen.

Diagnose „Stauungspapille“: Als Notfall in die Klinik

„Entdeckt der Augenarzt eine Stauungspapille, muss der Patient als Notfall in eine neurologische Klinik mit Stroke-Unit zur Computer- oder Magnetresonanztomographie eingewiesen werden“, heißt es in einer Patienteninformation der Deutschen Gesellschaft für Augenheilkunde (DOG). „Ist keine Veränderung an der Papille festzustellen, gilt zunächst Entwarnung.“

AstraZeneca: 4,8 Millionen Impfungen – 42 Verdachtsfälle

Nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts wurden seit Beginn der Impfungen mit AstraZeneca rund 4,8 Millionen Menschen in Deutschland mindestens einmal mit diesem Präparat geimpft (Stand: 20. April 2021). Das Paul-Ehrlich-Institut meldete (Stand: 10. April 2021) insgesamt 42 Verdachtsfälle einer Sinusvenenthrombose (SVT) nach einer Impfung mit dem Impfstoff von AstraZeneca. In 35 Fällen waren Frauen im Alter von 20 bis 63 Jahren betroffen, in sieben Fällen Männer zwischen 24 und 58 Jahren.

Auch beim Vakzin des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson traten Fälle von Hirnvenenthrombosen auf. Er gehört – wie AstraZeneca – zur Gruppe der Vektor-Impfstoffe und ist der vierte und jüngste Corona-Impfstoff, der bisher EU-weit zugelassen wurde.

Foto: AdobeStock/peterschreiber.media

Hauptkategorie: Corona
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