Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
30.11.2020

Nach Gürtelrose: Post-Zoster-Neuralgie kann hartnäckige Schmerzen verursachen

Nervenschmerzen sind das Hauptsymptom einer Post-Zoster-Neuralgie. Diese können so stark werden, dass jede Berührung unerträglich wird. Das beste Mittel gegen Post-Zoster-Neuralgie ist die Vorbeugung ihrer eigentlichen Ursache, der Gürtelrose – zum Beispiel durch eine Impfung.
Post-Zoster-Neuralgie

Erst kommen die Bläschen, dann die Schmerzen: Ein Post-Zoster-Neuralgie kann für die Betroffenen ausgesprochen quälend sein

Eine Gürtelrose (Herpes Zoster) tritt nur bei Menschen auf, die bereits Windpocken hatten. Nach einer überstandenen Windpocken-Erkrankung verbleibt ein Teil der Erreger im Körper. Nach Jahren, beispielweise bei geschwächten Abwehrkräften, können die Viren reaktiviert werden. Sie bewegen sich entlang der Nervenbahnen bis zur Haut und verursachen dort einen schmerzhaften streifenförmigen Hautausschlag mit Bläschen.

Üblicherweise heilt eine Gürtelrose nach zwei bis vier Wochen bei entsprechender Behandlung ab. Jeder zehnte Patient leidet jedoch noch einige Monate nach dem Abklingen der Gürtelrose unter starken Schmerzen. Grund kann eine anhaltende Nervenschädigung sein, die wiederum in eine Post-Zoster-Neuralgie (PZN) übergehen kann.

Starke Schmerzen durch Post-Zoster-Neuralgie

Als mögliche Risikofaktoren für die Entwicklung einer PNZ gilt ein höheres Alter (über 50 Jahre), eine hohe Schmerzintensität beim akuten Ausschlag sowie eine vorbestehende Polyneuropathie. Häufig entwickelt der Schmerz erst nach dem Abheilen der Bläschen größere Intensität und kann mit der Zeit schlimmer werden. PZN-Patienten stehen fast immer unter einem hohen Leidensdruck, und die Schmerzen belasten sie stark.

Die Post-Zoster-Neuralgie sollte von einem Neurologen oder Schmerzspezialisten behandelt werden. Zwar können die Nervenschäden nicht rückgängig gemacht werden, doch es gibt eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten, welche die Symptome lindern. Zum Einsatz kommen nicht nur übliche Schmerzmittel, sondern auch Mittel gegen Depressionen, welche die Weiterleitung von Schmerzsignalen im Rückenmark unterdrücken. Auch Mittel gegen Epilepsie können wirksam sein.

Als Begleitbehandlung kommt auch eine Capsaicin-Creme in Frage. Capsaicin ist ein Bestandteil des Chili-Pfeffers. Das starke Brennen zerstört die Schmerzrezeptoren in der Haut, wirkt aber erst nach mehreren Wochen. Eine Alternative ist eine örtlich betäubende Lidocain-Creme. Bei hartnäckigen Schmerzen können auch Opiat-ähnliche Medikamente versucht werden oder es kann eine TENS-Behandlung durchgeführt werden.

 

Ansteckungsgefahr nicht unterschätzen

Die Gürtelrose ist nicht ganz so ansteckend wie Windpocken. Möglich ist eine Ansteckung dennoch - allerdings nur über den direkten Kontakt mit dem virushaltigen Inhalt der Bläschen. Wenn sich ein Patient daher beispielsweise kratzt und dann Gegenstände berührt, können sich die Viren darüber auf andere Menschen übertragen. Ansteckend ist der Betroffene vom Auftreten des Hautausschlags bis zum vollständigen Verkrusten der Bläschen. Insbesondere der Kontakt zu Schwangeren sollte vermieden werden, da ein besonderes Infektionsrisiko für das ungeborene Kind besteht und eine Infektion zu Entwicklungsstörungen führen kann.

Impfung kann vor Gürtelrose schützen

Um sich zu schützen, gibt es auch die Möglichkeit einer Impfung gegen Gürtelrose. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) schützt sie zwar nicht hundertprozentig, doch sie trägt unter anderem dazu bei, schwere Krankheitsverläufe und sehr selten auftretende Todesfälle zu verhindern. Da es sich um einen Totimpfstoff handelt, ist er auch für immunsupprimierte Menschen geeignet, bei denen abgeschwächte Lebendimpfstoffe (wie beispielsweise der Impfstoff gegen Windpocken) kontraindiziert sind. Der Impfstoff wird im Abstand von zwei Monaten verabreicht und kann zum Beispiel mit der Grippeimpfung kombiniert werden.

Im März 2019 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beschlossen, dass die Impfung gegen Herpes Zoster für alle Personen ab einem Alter von 60 Jahren sowie für Personen mit einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung ab einem Alter von 50 Jahren Kassenleistung wird. Die Impfung erfolgt mit dem seit Mitte 2018 zur Verfügung stehenden adjuvantierten subunit-Totimpfstoff.

Foto: Adobe Stock / mumemories

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Infektionskrankheiten
 

Weitere Nachrichten zum Thema Gürtelrose

09.03.2019

Der G-BA hat entschieden: Die Impfung gegen Gürtelrose wird für besonders gefährdete Personengruppen Kassenleistung. Das gilt für alle Menschen ab einem Alter von 60 Jahren sowie solche mit einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung ab einem Alter von 50 Jahren.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Die einen werden kleingemacht, die anderen gepampert: „Toxische Führung“ in der Arbeitswelt kann Belegschaften spalten und schadet auch den Unternehmen. So paradox es klingt: Vom Chef oder von Vorgesetzten anderen gegenüber offen bevorzugt zu werden, kann für Mitarbeiter unerträglich werden und sie in die Kündigung treiben. Das zeigt eine Studie der privaten „Kühne Logistics University“.

Die Europäische Arzneimittelagentur bestätigte am Mittwoch einen Zusammenhang zwischen dem COVID-19-Impfstoff von AstraZeneca und den Hirnvenenthrombosen. Dennoch hat die Behörde entschieden, dass der Nutzen des Impfstoffs höher sei als seine Risiken. Die STIKO lässt sich indes von der Entscheidung nicht beeinflussen.

 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin