Nach den Wechseljahren: Bauchfett ungesünder als Fett an den Oberschenkeln

Apfel oder Birne? Ob das Fett am Bauch oder an den Oberschenkeln sitzt, entscheidet über die Gesundheit von Frauen nach den Wechseljahren. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie mit mehr als 2.600 normalgewichtigen Frauen.
Frauen, Wechseljahre, Bauchfett, Beinfett

Nach den Wechseljahren setzen einige Frauen vermehrt Bauchfett an. Für die Gesundheit wäre mehr Fett an den Oberschenkeln besser

Postmenopausale Frauen mit apfelförmiger Figur, also verhältnismäßig viel Bauchfett, haben ein größeres Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, selbst wenn sie normalgewichtig sind. Sitzt das meiste Körperfett dagegen an Hüften und Oberschenkeln hat dies sogar einen schützenden Effekt. Das ist das Ergebnis einer Studie, die soeben im European Heart Journal veröffentlicht wurde.

In der Studie wurden 2.683 Frauen mit einem normalen BMI (18,5 bis 25 kg/m2) im Schnitt 18 Jahre lang wissenschaftlich begleitet. Das Augenmerk richteten die Forscher auf die Lokalisation des Körperfetts und das Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen. Zu Studienbeginn waren sämtliche Frauen kardiovaskulär gesund und hatten die Wechseljahre bereits hinter sich. Im Beobachtungszeitraum traten 291 kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzprobleme oder Schlaganfall auf.

Dicker Bauch, dünne Beine – schlecht für Herz und Gefäße

Die Forscher um Dr. Qibin Qi, Professor am Albert Einstein College of Medicine, New York (USA), fanden heraus, dass die Frauen mit apfelförmiger Figur viel häufiger von den Ereignissen betroffen waren als die mit einer birnenförmigen Figur, also dickeren Beinen. Die 25 Prozent mit dem meisten Bauchfett hatten demnach ein doppelt so hohes Erkrankungsrisiko wie die 25 Prozent mit dem meisten Beinfett. Letztere hatten dagegen ein 40 Prozent geringeres Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis verglichen mit denen, die das meiste Fett am Bauch einlagerten.

Das größte Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis hatten Frauen mit dickem Bauch und dünnen Oberschenkeln. Ihr Erkrankungsrisiko war dreimal so hoch wie das der Frauen mit dem umgekehrten Extrem: dicke Oberschenkel und dünner Bauch.

 

Stärker auf die Fettverteilung achten

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass postmenopausale Frauen trotz Normalgewicht aufgrund einer anderen Fettverteilung an Bauch und Oberschenkeln unterschiedliche kardiovaskuläre Risiken haben“, sagt Studienleiter Dr. Qibin Qi. Darum sollten Ärzte und Frauen neben dem allgemeinen BMI auch auf die Lokalisation des Fettgewebes achten. Andernfalls würden Frauen mit hohem kardiovaskulären Risiko möglicherweise nicht rechtzeitig identifiziert.

Die Forscher haben hochgerechnet, dass jedes Jahr unter 1.000 Frauen 6 kardiovaskluläre Ereignisse vermieden werden könnten, wenn das Fett an den Oberschenkeln konstant gehalten, der Bauchfettanteil aber von 37 auf 27 Prozent reduziert würde.

Beinfett macht weniger Probleme als Bauchfett

Dass Fett im Bauchbereich das Risiko für Herz- und Gefäßleiden sowie für Typ 2 Diabetes erhöht, ist bereits bekannt. Wie man heute weiß, erhöht Bauchfett Entzündungsbotenstoffe, Insulin- und Cholesterinwerte. Unklar ist noch, warum Fett an den Oberschenkeln eine schützende Wirkung haben soll. Da die vorliegende Studie nur einen statistischen, aber keinen kausalen Zusammenhang zeigte, kann das Team um Qi lediglich nur vermuten, dass Beinfett einfach weniger Probleme im Körper macht. In einer Folgestudie wollen die Forscher auf die Frage eine genauere Antwort finden. 

Foto: © SENTELLO - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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