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„Mutter“ der mRNA-Impfstoffe Katalin Karikó erhält Europäischen Erfinderpreis

Mittwoch, 22. Juni 2022 – Autor:
Sie hat die Grundlagen für die mRNA-Impfstoffe gelegt: Nun ist Katalin Karikó mit dem Europäischen Erfinderpreis ausgezeichnet worden. Die US-Forscherin hat sich mehr als drei Jahrzehnte für das medizinische Potenzial der messenger-RNA eingesetzt.
Katalin Karikó hat gegen viel Widerstand an mRNA-geforscht. Ohne ihre Arbeit wäre der Erfolg von Biontech kaum möglich gewesen.

Katalin Karikó hat gegen viel Widerstand an mRNA-geforscht. Ohne ihre Arbeit wäre der Erfolg von Biontech kaum möglich gewesen. – Foto: Europäisches Patentamt (EPA)

Katalin Karikó ist am Dienstag mit dem Europäischen Erfinderpreis 2022 ausgezeichnet worden. Das Europäische Patentamt (EPA) hat ihr den Preis in der Kategorie "Lebenswerk" für ihre bahnbrechenden Arbeiten zur Entwicklung modifizierter Boten-RNA (mRNA) für Impfstoffe und medizinische Therapien verliehen.

Die ungarisch-amerikanische Forscherin hat sich mehr als drei Jahrzehnte lang für das therapeutische Potenzial von mRNA eingesetzt, um deren wirksame Nutzung für den Menschen zu erschließen. Ihre Arbeit ebnete den Weg für die erfolgreichsten mRNA-basierten COVID-19-Impfstoffe und viele weitere Therapien, die noch in Entwicklung sind, darunter therapeutische Impfstoffe für verschiedene Krebsarten oder zur Behandlung von Stoffwechselstörungen. Der große medizinische Durchbruch gelang Karikó mit BioNTech in Deutschland.

Anerkennung für die Mutter des COVID-19 Impfstoffs

Mit der Auszeichnung erfahre die 'Mutter' des COVID-19 Impfstoffs europaweite Anerkennung für ihre herausragende Arbeit, sagte EPA-Präsident António Campinos bei der Preisverleihung am Dienstag, die von einem weltweiten Publikum online verfolgt wurde. „Dank ihrer Vision, dass mit dem mRNA-Molekül ein signifikanter medizinischer Nutzen erzielt werden könnte, hat Katalin Karikó eine Wirkung erzeugt, die weit über den inzwischen gut dokumentierten medizinischen Erfolg hinausgeht", betonte Campinos. Ihre Forschung habe auch die Tür zu neuen Therapien für viele andere Krankheiten und Leiden aufgestoßen und eröffne neue Perspektiven für die Medizin.

 

Von Ungarn in die USA

Katalin Karikó wurde 1955 in Ungarn geboren, an der Universität Szeged promovierte sie sich im Fach Biochemie. 1985 ging sie zusammen mit ihrem Mann in die USA, um an der Temple Universität in Philadelphia zu forschen. Dort versuchte sie drei Jahre lang, doppelsträngige RNA zur Behandlung von HIV-Patienten einzusetzen. 1989 nahm sie eine Stelle an der School of Medicine der Universität von Pennsylvania an, wo sie fortan ihren Forschungsschwerpunkt auf das mRNA-Molekül setzte. Schnell wurde ihr klar, dass die Injektion synthetischer mRNA in den Körper die Produktion spezifischer Proteine auf Abruf bewirken kann.

Karriere mit Hindernissen

Doch schon bald konnte Karikó ihre Forschung nicht mehr finanzieren, weil die Forschungsgemeinde nicht mehr an den Erfolg glauben wollte. Obwohl ihre Position an der Fakultät zurückgestuft wurde, blieb sie an der Uni Pennsylvania und forschte trotz Skepsis ihres Umfelds weiter an der messenger-RNA. Zusammen mit dem Immunologen Drew Weissman entwickelte Karikó ab 1997 einen therapeutischen HIV-Impfstoff auf mRNA-Basis, für den sie ein nukleosidmodifiziertes mRNA-Molekül entwickelt hatten.

Diese Arbeit markierte den Wendepunkt: Den beiden Forschern gelang es ein breites Spektrum von Szenarien zu erschließen, in denen das Molekül für die Behandlung von Krankheiten und für Impfungen eingesetzt werden könnte. Sie meldeten 2005 die Patente für ihre Arbeit an, was den Weg zur Kommerzialisierung der modifizierten mRNA durch das von Karikó und Weissman 2006 gegründete Unternehmen RNARx ebnete. Und schon wieder wurden der zielstrebigen Forscherin Steine in den Weg gelegt: Die Universität von Pennsylvania verkaufte die Lizenzen an ein anderes Unternehmen. „Ohne das Patent waren wir kein richtiges Unternehmen", erklärte Karikó. "Aber ich habe zu diesem Zeitpunkt beschlossen, dass ich noch nicht fertig bin."

2013 kam Karikó zu BioNTech nach Mainz

Den medizinischen Durchbruch erzielte Karikó, als sie 2013 zu BioNTech nach Deutschland ging. Das Mainzer Biotechunternehmen führte zu diesem Zeitpunkt eine klinische Studie mit mRNA durch und das Unternehmen wurde von ihr überzeugt, nukleosidmodifizierte mRNA einzusetzen. Außerdem schloss sie einen Vertrag mit Sanofi über die Entwicklung einer mRNA-basierten Krebsimpfung ab. Parallel arbeitete sie mit Pfizer an einem mRNA-basierten Grippeimpfstoff.

Als Ende 2019 die ersten Nachrichten über COVID-19 bekannt wurden, wechselte BioNTech umgehend von der Grippe- zu COVID-19-Impfung. Der nukleosidmodifizierte mRNA-basierte COVID-19-Impfstoff von Moderna basiert ebenfalls auf der Technologie von Karikó and Weissman.

Katalin Karikó ist heute Senior Vice President von BioNTech. Über die vielen Hürden, die ihr während ihrer Forscherkarriere begegnet sind, sagt sie, man müsse lernen, den negativen Stress in positiven Stress umzuwandeln. „Es spielte keine Rolle, was die Leute sagten. Wenn es konstruktiv war, habe ich zugehört, den Rest habe ich absolut ignoriert. Mit dieser Einstellung kann man es schaffen."

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Corona , Medizin
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