. Arbeitsleben

Multitasking erzeugt Stress im Gehirn

Multitaskingfähig zu sein, gilt vielen Menschen als Voraussetzung für besonderen Erfolg im Job und Privatleben. Dabei ist echtes Multitasking ein Mythos. Wer es trotzdem immer wieder versucht, erzeugt vor allem eins: Stress im Gehirn.
Multitasking erzeugt Stress

Wirklich multitaskingfähig ist niemand

Nicht wenige Menschen sind überzeugt, besonders gut im Multitasking zu sein. Dabei haben Studien längst ergeben, dass wir nicht fähig sind, wirklich zwei Dinge auf einmal zu tun. Tatsächlich kann sich unser Gehirn immer nur mit einer Sache beschäftigen. Wenn wir trotzdem versuchen, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu bearbeiten, muss das Gehirn ständig zwischen ihnen hin- und herspringen. Und das bedeutet vor allem eins: Stress. Im Ergebnis erledigen wir unsere Aufgaben weniger gründlich, machen mehr Fehler. Zudem lassen Konzentration und Leistungsfähigkeit auf Dauer nach.

Multitasker können Wichtiges von Unwichtigem schlecht unterscheiden

Was beim Multitasking tatsächlich passiert, hat ein Forscherteam um Professor Clifford Nass von der Stanford University bereits in mehreren Studien untersucht. Das Ergebnis ihrer Analysen: Wer ständig versucht, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen, zahlt einen hohen mentalen Preis. In Versuchen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass sogenannte Multitasker sowohl bei der Aufnahme von Informationen als auch bei der Einordnung und dem Erinnerungsvermögen schlechter abschneiden als Menschen, die ihre Aufgaben nacheinander abarbeiten. 

Auch bei der Einschätzung der Relevanz von Informationen schnitten die Multitasker schlechter ab. Personen, die mehrere Aufgaben zur gleichen Zeit bearbeiten, sind ständig abgelenkt und haben Schwierigkeiten, sich an wichtige Informationen zu erinnern. Zudem befindet sich nach Angaben der Forscher das Gehirn in einem dauerhaften Stresszustand, wenn es ständig zwischen verschiedenen Aufgaben hin- und herschalten muss.

Klare Absprachen und Zeitmanagement helfen

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte. In eine Pressemitteilung rät Wolfgang Panter, Präsident des Verbands, vom Versuch des Multitaskings ab. Denn nicht nur die Qualität der Arbeit leidet, sondern auf Dauer auch die Psyche. Auch wenn sich Unterbrechungen in der modernen Arbeitswelt kaum vermeiden lassen, sei es hilfreich, eine Prioritätenliste zu erstellen und diese nach und nach abzuarbeiten, so Panter. Hilfreich könnten dazu auch verschiedene Strategien sein, wie zum Beispiel klare Absprachen mit den Kollegen. Auch könne es nützlich sein, täglich für eine gewisse Zeit offline zu gehen, um in dieser Zeit besonders wichtige Aufgaben konzentriert abzuarbeiten. Wer das einmal versucht, wird erstaunt sein, wieviel in kurzer Zeit zu schaffen ist – und das auch noch relativ entspannt.

Foto: © bennymarty - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Betriebliches Gesundheitsmanagement , Prävention , Burnout , Arbeitsbelastung , Stress

Weitere Nachrichten zum Thema Stress

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Die Hälfte der pflegenden Angehörigen hat Gewalt durch den Pflegebedürftigen erlebt, 40 Prozent haben selbst Gewalt ausgeübt. Das Thema ernstzunehmen fordert das Zentrum für Qualität in der Pflege.
Vom späten Nachmittag bis frühen Abend erleben etwa 20 Prozent der Patienten, die an einer Alzheimerdemenz leiden, eine Zunahme ihrer Symptome wie Aggressivität, Verwirrung, Angst oder Orientierungslosigkeit. Forscher haben nun die Ursachen für diesen Zusammenhang genauer untersucht.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Interviews
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.