. Antibiotikaresistenzen

Multiresistente Tuberkulose: Große Unterschiede bei Versorgung in Europa

Die multiresistente Tuberkulose fordert immer mehr Opfer. Wissenschaftler konnten nun zeigen, dass die Versorgung betroffener Patienten in Osteuropa deutlich schlechter ist als in Westeuropa.
Tuberkulose, multiresistente Tuberkulose

Die weltweite Zunahme von Tuberkulose-Patienten ist alarmierend

Tuberkulose ist nach wie vor weltweit die Infektionskrankheit mit den meisten Todesopfern. Vor allem multiresistente Formen der Erkrankung werden zu einem immer größeren Problem. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Anzahl der Patienten mit einer multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB) in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich um 20 Prozent pro Jahr zugenommen. Die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung der MDR-TB betragen laut WHO international nur etwa 50 Prozent. Wie unterschiedlich die Versorgung der betroffenen Patienten innerhalb Europas ist, hat nun eine Studie von Forschern der „Tuberculosis Network European Trialsgroup“ (TBNET) gezeigt.

In Osteuropa verordnete Medikamente häufig wirkungslos

Das TBNET wird vom Forschungszentrums Borstel – Leibniz Lungenzentrum geleitet, das auch Mitglied im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) ist. Die Forscher konnten zeigen, dass besonders in Osteuropa sehr viele Patienten von einer MDR-TB betroffen sind. Dennoch müssen Patienten in diesen Ländern, zum Beispiel in Weißrussland und Moldawien, zwei Monate länger auf ihre Therapie warten als in Westeuropa.

Das ist jedoch nicht das einzige Problem: Während die Behandlung in Westeuropa in der Regel an die Ergebnisse einer Antibiotikaresistenzprüfung individuell angepasst wird, erhalten Patienten in Moldawien oder Weißrussland häufig noch eine feste Standardtherapie, in der einige der eingesetzten Medikamente bereits wirkungslos sind. Hinzu kommt, dass unter einer Standardtherapie neue, zusätzliche Antibiotikaresistenzen viermal häufiger auftreten als unter einer individuell abgestimmten Therapie, die schon vorhandene Resistenzen berücksichtigt. Das Risiko, an einer MDR-TB zu sterben, war in den Hochinzidenzländern Osteuropas 5-mal so hoch wie in Westeuropa.

Heilungschancen insgesamt besser als erwartet

Doch es gab auch unerwartet positive Ergebnisse der Studie. Die Wissenschaftler untersuchten die Behandlungsverläufe von 380 Patienten in 16 europäischen Ländern vom Zeitpunkt der Diagnosestellung bis ein Jahr nach Therapieende. Danach stellten sie neue Definitionen für Therapieergebnisse auf und konnten zeigen, dass die tatsächlichen Chancen, von einer MDR-TB geheilt zu werden, in ganz Europa deutlich besser sind als bisher angenommen.

Allerdings versagt die Therapie den aktuellen Ergebnisen zufolge bei 25 Prozent der Patienten in Osteuropa, in Westeuropa "nur" bei 15 Prozent. Die Unterschiede in der Versorgung von Tuberkulosepatienten innerhalb Europas seien damit gravierend, so die Forscher Die am meisten betroffenen Länder hätten die geringsten Ressourcen für die Prävention, Diagnostik und Therapie. Dabei sei die MDR-TB mit modernen Mitteln und Ressourcen gut zu behandeln. Klinische Forscher des Tuberkulose-Forschungsbereichs am DZIF konnten kürzlich zeigen, dass sich die Heilungschancen von Patienten mit einer MDR-TB unter individualisierter Therapie aktuell nicht mehr von den Heilungschancen bei Patienten mit nicht-resistenten Tuberkulosebakterien unterscheiden.

Foto: © RFBSIP - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Antibiotikaresistenzen , Infektionskrankheiten , Tuberkulose

Anzeige
 

Weitere Nachrichten zum Thema Tuberkulose

| Zehn Millionen Menschen stecken sich jedes Jahr mit Tuberkulose an. Doch die Chancen stehen gut, dass es bald eine TB-Impfung gibt. Ein Impfstoff-Kandidat hat bereits die klinische Phase II erreicht.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Probiotika werden eine Reihe positiver Wirkungen auf unsere Gesundheit nachgesagt. Nun fanden Forscher heraus: Die „guten“ Keime können in falscher Zusammensetzung oder zu hoher Menge durchaus schwerwiegende Nebenwirkungen haben.
Ein Forscher-Team hat in Deutschland Zecken der in den Tropen beheimateten Gattung Hyalomma gefunden. Eine der Zecken trug den Zecken-Fleckfieber-Erreger in sich. Die Experten befürchten, dass sich die gefährliche Art auch hierzulande ausbreiten könnte.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Anzeige
 

. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1
. Kliniken
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.