. Antibiotikaresistenzen

Multiresistente Bakterien wandern zwischen Mensch und Tier

Multiresistente Bakterien werden in großem Umfang zwischen Mensch, Haus- und Wildtieren ausgetauscht. Das ist das Ergebnis einer Studie, über die das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) berichtet.
Hühnerstall

Multiresistente Bakterien werden zwischen Mensch und Tier ausgetauscht

Die Forscher konzentrierten sich dabei auf eine weltweit vorkommende, multiresistente, ESBL-produzierende Variante der E. coli-Bakterien. Mit den ESBL (Extended Spectrum Beta-Lactamasen) können diese Erreger verschiedene Antibiotika wie Penicilline, Cephalosporine und Monobactame inaktivieren. Das schränkt die Therapieoptionen in der Human- und Veterinärmedizin zunehmend ein. Für Patienten kann die Infektion mit solchen Erregern lebensbedrohlich sein.

Die Forscher untersuchten mehr als 200 Isolate einer bestimmten ESBL-produzierenden E. coli-Variante (Sequenztyp 131; ST131), die aus verschiedenen Ländern und Wirten stammten. Sie verglichen jeweils das gesamte Erbgut der Erreger. Dabei kombinierten sie erstmals die Analyse des Kerngenoms mit der Analyse des akzessorischen und regulativen Genoms.

Multiresistente Bakterien wandern zwischen Mensch und Tier

Unter Genom versteht man die Gesamtheit aller vererbbaren Informationen eines Organismus. Das Kerngenom kommt bei allen Vertretern einer Art vor. Daneben gibt es Gene, die variieren können. Sie werden insgesamt als akzessorisches Genom bezeichnet. Bakterien können ihr Erbgut auch gezielt steuern, die dafür verantwortlichen Bereiche heißen regulatorisches Genom.

Durch die Kombination der Analyse aller drei Genombereiche haben die Wissenschaftler einen Blick in die Evolution und die Verbreitung dieser Erreger mit bislang einmaliger Auflösung erreicht. Das Team um Alan McNally konnte nachweisen, dass der Austausch von ESBL-bildenden E. coli zwischen Menschen, Haus- und Nutztieren tatsächlich in großem Maß stattfindet.

 

Supercomputer der FU halfen bei der Forschung

Auch Berliner Forscher waren an der Studie beteiligt, die im Fachmagazin Plos Genetics veröffentlicht wurde. Das Robert Koch-Institut kooperiert eng mit der Freien Universität Berlin und nutzt neben der eigenen Infrastruktur auch deren Supercomputer.

Foto: ninop/Fotolia.com

Autor: red
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Antibiotikaresistenzen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Antibiotikaresistenzen

| Die Entdeckung des Penicillins vor 90 Jahren war ein Meilenstein der Medizingeschichte. Diese glückselige Ära könnte bald vorbei sein. Antibiotikaresistenzen könnten bis 2050 zur größten weltweiten Gesundheitsbedrohung werden, prognostizieren Experten.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Patienten müssen vor einer Operation umfassend über den geplanten Eingriff aufgeklärt werden. Forscherinnen der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnten jetzt am Beispiel der Herzkatheteruntersuchung zeigen, dass ein Comic dabei helfen kann.
Wissenschaftler haben weitere Ursachen gefunden, warum Nervenzellen bei Amyotropher Lateralsklerose (ALS) unwiderruflich absterben. Die Autophagie (Zell-Reininigung) spielt dabei eine wesentliche Rolle. In pre-klinischen Studien wird nun das therapeutische Potenzial eines verstärkten Proteinabbaus in den Zellen geprüft.
Die Sonne gewinnt erfreulich spürbar an Kraft, aber die Haut ist noch blass vom Winter: Der Schutz vor UV-Strahlung ist deshalb keinesfalls nur eine Angelegenheit der Sommermonate – er beginnt im April. Auch wenn es sich nicht so anfühlt: Schon jetzt ist die Sonne ähnlich intensiv wie im August.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Gesundheitsakademie, Oudenarder Straße 16, 13347 Berlin, Haus A, Aufgang D 06, 1. OG, Seminarraum siehe Info-Tafel am Eingang
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens sind viele Chancen verbunden. Bei manchen Bürgern löst das Thema aber auch Ängste und Sorgen aus. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Prof. Dr. Erwin Böttinger, einem der weltweit führenden Forscher im Bereich Digital Health, über die elektronische Patientenakte und andere digitale Lösungen gesprochen.