. MS-Therapie

Multiple Sklerose: Stammzelltransplantation zeigt langfristigen Nutzen

Eine Stammzelltherapie ist zwar risikoreich, kann aber den Verlauf einer Multiplen Sklerose zum Stillstand bringen. Nun konnten Forscher zeigen, dass Patienten, die wegen ihrer MS eine Stammzelltransplantation erhalten hatten, auch fünf Jahre nach der Behandlung ohne weitere Krankheitsschübe waren.
Stammzelltherapie bei MS

Multiple Sklerose kann durch eine Stammzelltherapie positiv beeinflusst werden

Multiple Sklerose ist bislang nicht heilbar. Zwar gibt es verschiedene Therapien, die den Krankheitsverlauf verlangsamen, aber von einem wirklichen Durchbruch kann noch nicht die Rede sein. Daher setzen viele Patienten, die unter schweren MS-Verläufen leiden, ihre Hoffnungen auf eine Stammzelltransplantation, auch wenn diese mit hohen Risiken verbunden ist und sogar tödlich ausgehen kann. Forscher haben nun in einer Phase-2-Studie den Langzeitverlauf von Patienten untersucht, die alle an einer schubförmig remittierenden MS (RRMS) litten und eine autologe Stammzelltherapie erhalten hatten. Es zeigte sich, dass fast alle Probanden auch fünf Jahre nach der Behandlung ohne weiteren Krankheitsschub waren. Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin Neurology veröffentlicht.

Stammzelltransplantation mit hohen Risiken verbunden

Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung, bei der T-Zellen das eigene Nervensystem angreifen. Ein Therapieansatz: die dauerhafte Beseitigung dieser autoaggressiven T-Zellen. Möglich wird dies durch eine Stammzelltherapie. Dazu wird zunächst das gesamte Immunsystem durch eine hochdosierte „ablative“ Chemotherapie ausgeschaltet, indem nicht nur die T-Zellen, sondern alle Abwehrzellen sowie andere blutbildenden Zellen des Knochen­marks beseitigt werden. Unmittelbar danach erhalten die Patienten Stammzellen, die ihnen vor der Chemotherapie entnommen worden waren.  

Durch die völlige Ausschaltung des Immunsystems birgt dieses Verfahren jedoch hohe Risiken, denn die Patienten sind zwischenzeitlich Krankheitserregern schutzlos ausgeliefert. Zudem besteht das Risiko, dass die Stammzellen kein neues blutbildendes Knochenmark eta­blie­ren können. So starben bei der HALT-MS-Studie zwei von 24 Patienten aufgrund von Komplikationen bei der Stammzelltransplantation.

 

Krankheitsprogression konnte wirksam eingedämmt werden

Bei den anderen Patienten wurden nun die Langzeitfolgen der Therapie untersucht. Es zeigte sich, dass die meisten von ihnen, nämlich 91,3 Prozent, auch noch fünf Jahre nach der Behandlung ohne Krankheitsprogression waren. Bei einigen soll es nach Angaben der Studienautoren um Richard Nash vom Colorado Blood Cancer Institute in Denver sogar zu einer Verbesserung der Symptome gekommen sein.

Experten raten MS-Patienten dennoch, wegen der hohen Risiken erst dann eine Stammzelltherapie in Erwägung zu ziehen, wenn alle anderen Methoden ausprobiert worden sind. Zudem sollte die Therapie unbedingt nur in spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Dennoch stärken die Ergebnisse der aktuellen Studie die Hoffnung, MS bald besser behandeln zu können. Möglicherweise wird es irgendwann möglich sein, eine sogenannte selektive Immunablation zu entwickeln, die bereits in einem frühen Stadium der Erkrankung die autoaggressiven Immunzellen vernichtet, das übrige Immunsystem aber in Ruhe lässt und somit mit weniger hohen Risiken verbunden ist.

Foto: © Dan Race - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Multiple Sklerose , Stammzellen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Multiple Sklerose

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Bei Patienten mit schweren COVID-19-Verläufen ist der Botenstoff Interleukin-6 im Blut erhöht. Das haben Ärzte des LMU Klinikums in einer Pilotstudie herausgefunden. Demnach könnte der Interleukin-6-Spiegel als Biomarker fungieren und auf die Notwendigkeit einer Intensivbetreuung hinweisen.
 
 
. Interviews
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.
Work-Life-Balance, geregelte Arbeitszeiten – in altersgemischten Stationsteams prallen Welten aufeinander. Wie sich der Generationenkonflikt im Krankenhaus lösen lässt, weiß Professor Wolfgang Kölfen, Chefarzt und Kommunikationsberater aus Mönchengladbach.