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Multiple Sklerose: Frühwarnsystem für PML entdeckt

Französische Wissenschaftler entdeckten mit Hilfe eines MRT ein charakteristisches Muster im Gehirn, das auf eine möglich lebensbedrohliche Nebenwirkung des MS-Medikaments Natalizumab hinweist.
Schwere Nebenwirkungen

Zu den möglichen Nebenwirkungen von Natalizumab gehört PML

Natalizumab (Handelsname: Tysabri) gehört zu einer Gruppe immunsuppressiver Medikamente, die den Verlauf  der Multiplen Sklerose bremsen können, wenn Standardarzneien versagen. Sie haben aber eine mögliche, seltene Nebenwirkung, die tödlich verlaufen kann: die progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML). Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) in einer Pressemitteilung.

Die Hirnentzündung PML sei in der Therapie mit Natalizumab „das kritischste Thema, wird aber auch für Fingolimod und Dimethylfumarat diskutiert“, sagt Prof. Heinz Wiendl von der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG). Der Direktor der Klinik für Allgemeine Neurologie am Universitätsklinikum Münster hat bereits etwa 20 Fälle von PML unter seinen Patienten beobachtet. „Je früher ich das sehe, umso früher kann ich eingreifen und desto besser ist es für den Patienten.“

Frühwarnsystem für gefährliche Nebenwirkung von Natalizumab

Das französische Forscherteam um Dr. Jérôme Hodel von der Universität Lille untersuchte 20 PML-Patienten mehrmals im Krankheitsverlauf mit einem besonders leistungsstarken Magnetresonanztomographen (MRT). Als Vergleichsgruppe dienten 80 Studienteilnehmer ohne PML, die entweder an Multipler Sklerose erkrankt waren oder an einer möglichen Vorstufe, dem klinisch isolierten Syndrom.

Die Auswertung der Bilder ergab, dass 18 der 20 PML-Patienten ein charakteristisches punktförmiges Läsionsmuster im Gehirn hatten, darunter alle 14 Patienten, die das MS-Medikament Natalizumab bekommen hatten. In der Kontrollgruppe wurde das „Pünktchenmuster“ dagegen kein einziges Mal beobachtet.

Pünktchenmuster hochspezifisches Merkmal der PML

Aufnahmen, die vor dem Ausbruch der PML bei 9 Patienten unter Natalizumab angefertigt wurden, zeigten das Muster zudem bei 7 dieser Patienten. Die Läsionsmuster seien deshalb „ein hochspezifisches Merkmal der PML und vielleicht das erste Bildgebungsmerkmal in der vorsymptomatischen Phase mit potenziellen Implikationen für die Versorgung der Patienten“, schreiben Hodel und Kollegen.

In der Praxis verfügen nicht alle Einrichtungen über ein derart leistungsstarkes MRT (Feldstärke: drei Tesla), wie Hodel und Kollegen es nutzen konnten. In Deutschland seien es jedoch mindestens 15 Zentren mit entsprechender Ausstattung, die sich im Krankheitsbezogenen Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKMS) zusammengeschlossen haben, schreibt die DGN.

100-prozentigen Test auf PML gibt es noch nicht

„Allerdings wird es einen 100-prozentigen Test auf eine PML so schnell nicht geben“, relativiert Wiendl die Bedeutung der Studie. In seiner Klinik hat der stellvertretende Sprecher des KKMS unter den circa 20 Patienten mit PML das Pünktchenmuster lediglich in 2 Fällen gesehen. Die Arbeit bringt deshalb zunächst nur ein neues Muster in die Debatte, und die Diagnose erfolgt derzeit noch mit einer Kombination aus neurologischen Tests, Liquoruntersuchungen und MRT.

Foto: Dessauer

Autor: red
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