. COPD

Mukoviszidose-Medikament könnte bei COPD helfen

Forscher entdeckten jetzt, dass der chronisch-obstruktiven Lungenkrankheit COPD und der Mukosviszidose ähnliche Mechanismen zugrunde liegen. Daher könnten eingeführte Mukoviszidose-Medikamente möglicherweise auch gegen COPD helfen.
Lungenerkrankung Mukoviszidose

Mukoviszidose-Medikamente könnten möglicherweise auch gegen COPD helfen

An Mukoviszidose leiden in Deutschland rund 8.000, an COPD acht Millionen Menschen. Bei beiden Erkrankungen sind die Atemwege durch zähen Schleim verstopft, es kommt zu einer chronischen Entzündung und Infektionen, welche das Lungengewebe dauerhaft schädigen. Im fortgeschrittenen Stadium leiden die Patienten unter Atemnot und Sauerstoffmangel.

Bei der Erbkrankheit Mukoviszidose kennt man die Ursache dieser Symptome: "Fehler im genetischen Bauplan des CFTR-Proteins führen zu Funktionsstörungen an der Oberfläche der Atemwegsschleimhaut: Es gelangt zu wenig Salz und Wasser in das Sekret, der Schleim trocknet aus", erläutert Prof. Richard Boucher von der
University of North Carolina.

Seit 2012 ist ein Medikament zugelassen, welches das defekte Protein CFTR teilweise wieder aktiviert. Der Wirkstoff Ivacaftor wird als Tablette eingenommen und verbessert nachweislich die Lungenfunktion. Manko: Es wirkt nur bei einer ganz bestimmten Veränderung des CFTR-Proteins (G551D), die nur bei rund drei Prozent der Patienten vorliegt.

Mukoviszidose-Medikament gegen COPD einsetzen

Doch nun könnte Ivacaftor einer deutlich größeren Gruppe von Lungenkranken zugute kommen: Eine Forscher-Gruppe um Prof. Steven Rowe von der University of Alabama wies nach, dass das CFTR-Protein auch durch Inhaltsstoffe des Zigarettenrauchs blockiert wird. Dieser Krankheitsmechanismus spielt also auch bei COPD eine entscheidende Rolle, berichteten sie auf dem internationalen Lungenforscher-Kongress "Frontiers in Chronic and Malignant Airways Disease" im Juni 2015 in Heidelberg

"Es ist wahrscheinlich, und erste Tierversuche sprechen dafür, dass COPD-Patienten von einer Therapie mit Ivacaftor und möglicherweise anderen Medikamenten profitieren, die für Patienten mit Mukoviszidose entwickelt werden, um die Befeuchtung der Atemwege zu verbessern“, sagte Prof. Marcus Mall, Leiter des Zentrums für Translationale Lungenforschung (DZL) am Universitätsklinikum Heidelberg, dem diesjährigen Kongress-Gastgeber.

„Dies wäre ein völlig neuer Ansatz in der Therapie dieser Volkskrankheit, die bislang nur symptomatisch behandelt werden kann", so Mall. COPD-Studien an Mäusen sollen demnächst an mehreren Standorten des DZL starten.

Foto: Zerbor

 
Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema COPD

| Vitamin-D-Mangel könnte bei der Entstehung von COPD eine größere Rolle spielen als bislang gedacht. Auch könnte das fehlende Sonnenvitamin das Fortschreiten der Lungenkrankheit begünstigen. Darauf weisen neueste Forschungserkenntnisse hin.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Braunes Fett gilt als Sattmacher und Kalorienkiller. Jetzt haben Forscher herausgefunden, dass das Darmhormon Sekretin braunes Fettgewebe stimuliert. Unklar ist noch, welche Lebensmittel den Prozess in Gang setzen können.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Evangelisches Geriatriezentrum Berlin gGmbH, Reinickendorfer Straße 61, 13347 Berlin
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.