. Diabetesforschung

Mütter mit Diabetes Typ I bekommen dickere Kinder

Eltern mit Diabetes Typ I vererben die Krankheit häufig an ihre Kinder. Neueste Forschungsergebnisse zeigen, dass dem Nachwuchs noch ein weiterer Nachteil in die Wiege gelegt wird: Die Neigung zu Übergewicht.
Typ-1-Diabetes, Übergewicht Kind

Wenn die Mutter Typ-1-Diabetes hat, ist das Kind für Übergewicht prädestiniert

Wenn Eltern an Diabetes Typ 1 leiden, sind sehr häufig auch ihre Kinder davon betroffen. Die erbliche Vorbelastung ist seit langem bekannt. Außerdem gibt es Hinweise, dass Kinder von Diabetes Typ 1 öfter auch am metabolischen Syndrom leiden, da die zeitweise hohen Blutzuckerwerte im Mutterleib langfristige Auswirkungen auf den Stoffwechsel und das Körpergewicht der Nachkommen zu haben scheinen.

Forscher vom Helmholtz Zentrum München und der Technischen Universität München konnten diese Hinweise nun in einer umfassenden Studie bestätigen. Die Ergebnisse fasst Studienautorin Anette-Gabriele Ziegler so zusammen: „Unsere Studie belegt, dass Kinder von Müttern mit Typ-1-Diabetes nicht nur ein signifikant höheres Risiko für die Krankheit selbst haben, sondern auch für Übergewicht und Insulinresistenz. Daher wäre es ratsam, dass Kinder- und Jugendmediziner diesen Zusammenhang künftig im Kopf haben und frühzeitig auf entsprechende Warnsignale bei den betroffenen Kindern achten.“

Risiko für Übergewicht verdoppelt sich

Die Daten stammen aus den drei Studien TEENDIAB, BABYDIAB und BABYDIET. Darin wurden knapp 2.800 Kinder bis zum 18. Lebensjahr untersucht, die einen erstgradigen Verwandten mit Typ-1-Diabetes hatten.

Bei der Analyse der Daten fiel den Wissenschaftlern auf, dass Kinder, deren Mütter vor der Schwangerschaft an Typ-1-Diabetes erkrankt waren, einen signifikant höheren Body-Mass-Index aufwiesen als Kinder von stoffwechselgesunden Müttern. „Bei den Teilnehmern der TEENDIAB-Studie war das Risiko für ein späteres Übergewicht mehr als doppelt so hoch“, erklärt Andreas Beyerlein. Auch weitere Werte wie Hüftumfang, Nüchternglukosespiegel oder das Risiko für Insulinresistenz waren signifikant erhöht, wenn die Mutter Typ-1-Diabetes hatte. Zuvor hatten die Wissenschaftler bereits mögliche Störfaktoren wie beispielsweise sozioökonomischen Status der Mutter oder ein höheres Geburtsgewicht herausgerechnet.

 

Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung

Um herauszufinden, inwiefern die Unterschiede durch grundlegende Änderungen im kindlichen Stoffwechsel verursacht wurden, erhoben die Forscher von 500 Teilnehmern der TEENDIAB-Studie sogenannte Metabolomics-Daten. Tatsächlich konnten sie aber keine durch mütterlichen Typ-1-Diabetes bedingten signifikanten Veränderungen hinsichtlich der Stoffwechselprodukte und –wege aufdecken.

Bei Typ-1-Diabetes gehen Insulin-produzierende Zellen in den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse zu Grunde, da das körpereigene Immunsystem sie angreift und zerstört. Da schon Kinder und Jugendliche an Diabetes Typ 1 leiden, wurde die Autoimmunkrankheit früher auch Jugenddiabetes genannt. Diese Bezeichnung wird heute nicht mehr verwendet, da sie irreführend ist. Denn auch Kinder können an

Diabetes Typ 2 erkranken – hierbei handelt es sich um eine Insulinresistenz. Bei Kindern ist fast ausschließlich Übergewicht die Ursache für den zweiten Diabetes Typ.

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Diabetes , Kinder
 

Weitere Nachrichten zum Thema Diabetes 1

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
 
. Weitere Nachrichten
Menschen mit Rheuma nehmen oft langfristig Kortison ein und dafür einige Nebenwirkungen in Kauf. Eine europäische Studie zeigt nun, dass auch das frühzeitige Absetzen gelingen kann. Die Medikamente müssen allerdings langsam ausgeschlichen werden.
 
 
. Interviews
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.