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28.07.2017

Müssen Antibiotika-Packungen doch nicht komplett aufgebraucht werden?

Immer wieder wird betont, wie wichtig es sei, eine Antibiotika-Therapie niemals vorzeitig abzubrechen und die verschriebenen Packungen immer komplett aufzubrauchen. Doch britische Wissenschaftler stellen das jetzt in Frage.
Antibiotika-Therapie

Wie lange müssen Antibiotika wirkich eingenommen werden? Darüber scheiden sich offenbar die Geister

Wer eine Antibiotika-Behandlung nicht bis zum Schluss durchführt, riskiert eine Rückkehr der zugrundeliegenden Infektion und im schlimmsten Fall sogar Resistenzen gegen das entsprechende Antibiotikum. Das betonen Ärzte immer wieder und warnen davor, Antibiotika-Therapien zu früh abzubrechen. Nun haben Wissenschaftler der Brighton and Sussex Medical School dieses Dogma in Frage gestellt. Ihrer Ansicht nach kann es sinnvoller sein, die Medikation dann zu beenden, wenn sich die Patienten besser fühlen. Die Ergebnisse ihrer Analyse veröffentlichten die Forscher im British Medical Journal.

Zu lange Antibiotika-Therapie gefährlich?

Das Team um Professor Martin J. Llewelyn, Experte für Infektionskrankheiten an, erklärt, die Annahme, dass eine frühzeitige Beendung der Antibiotika-Behandlung die Antibiotika-Resistenz fördere, werde nicht durch wissenschaftliche Beweise unterstützt. Im Gegenteil glauben sie, dass eine zu lange Antibiotika-Therapie die Patienten in größere Gefahr bringe. Der Grund: Je länger der Selektionsdruck durch die Antibiotika-Einnahme anhalte, desto wahrscheinlicher werde es, dass Mutationen entstehen und sich resistente Bakterien durchsetzen.

Dennoch gibt es nachweislich Erkrankungen, bei denen es durch eine zu kurze Antibiotika-Einnahme leicht zu Resistenzen kommen kann. Dies gilt insbesondere für Tuberkulose, wie auch die Autoren der aktuellen Studie betonen. Doch es gebe auch Bakterien wie E.coli oder Staphylococcus aureus, die jeder Mensch hat und nur krank machen, wenn sie beispielsweise in den Blutkreislauf oder den Darm gelangen. Wenn diese Bakterien sehr lange dem Einfluss von Antibiotika ausgesetzt sind, könne es passieren, dass sich Resistenzen entwickeln, so die Forscher.

 

Weitere Forschungen nötig

Die Autoren betonen auch, dass es bisher zu wenig Erkenntnisse über die ideale Dauer von Antibiotika-Behandlungen gebe. Nur durch wiederholte Tests in Krankenhäusern sei es möglich, zweifelsfrei festzustellen, wann eine Behandlung wirklich beendet werden kann. Daher warnen nach wie vor viele Mediziner davor, eine Therapie mit Antibiotika vorzeitig zu beenden, auch wenn sich die Patienten besser fühlen. Denn auch ein Rückgang der Symptome muss nicht unbedingt heißen, dass die Infektion vollständig ausgestanden ist. Bevor weitere Forschungen die Ergebnisse der aktuellen Studie bestätigen, sollte daher ein möglicher vorzeitiger Abbruch einer Antibiotika-Therapie sehr sorgsam überdacht werden.  

Foto: © bilderstoeckchen - Fotolia.com

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Hauptkategorie: Medizin
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