. Multiple Sklerose

MS: Kann Stillen vor Schüben schützen

Während der Schwangerschaft nimmt die Häufigkeit von Schüben bei MS ab, doch nach der Geburt steigt sie wieder an. Ob Stillen das Auftreten des ersten Schubs hinauszögern kann, ist umstritten. Nun hat eine Studie Hinweise für die protektive Wirkung des Stillens bei MS geliefert.
Stillen bei MS sinnvoll

Ob Stillen vor MS-Schüben schützt, ist umstritten

Zur Frage, ob Stillen die Häufigkeit von Schüben bei Patientinnen mit Multipler Sklerose (MS) reduzieren kann, sind Studien bisher zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Nun hat eine Studie von der Ruhr-Universität Bochum ergeben, dass betroffene Frauen, die ihre Säuglinge zwei Monate oder länger gestillt haben, signifikant weniger MS-Schübe erlebten. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fachmagazin JAMA Neurology veröffentlicht.

Stillende Frauen hatten weniger MS-Schübe

Zwar nimmt die Häufigkeit von MS-Schüben in der Schwangerschaft kontinuierlich ab, doch nach der Entbindung kann es vorübergehend zu einer Erhöhung der Schubrate kommen. Um die möglicherweise protektive Wirkung des Stillens zu untersuchen, hat Dr. Kerstin Hellwig, Oberärztin am St. Josef Hospital in Bochum, die Daten von über 200 Müttern mit MS ausgewertet. 120 Frauen hatten zuvor erklärt, ihr Kind mindestens zwei Monate lang stillen zu wollen, 42 Frauen entschieden sich für ein teilweises Stillen mit zusätzlicher Flaschennahrung, 39 Mütter wollten gar nicht stillen.

Es zeigte sich, dass von den Frauen, die ihre Kinder voll gestillt hatten, 24,2 Prozent während dieser Zeit einen Schub erlitten. Bei den Frauen, die nicht oder nicht ausschließlich gestillt hatten, waren es 38,3 Prozent. Demnach scheint das Stillen eine schützende Wirkung hinsichtlich der Schübe bei MS zu haben.

 

Kausalitätsverhältnis bleibt unklar

Da es den Frauen jedoch selbst überlassen war, ob sie stillen wollten oder nicht, könnten auch andere Gründe für die niedrigere Schubrate verantwortlich sein. So hatte im Jahr 2011 eine Studie von Forschern aus Florenz ergeben, dass sich der Krankheitsverlauf bei Müttern mit MS durch das Stillen nicht wesentlich veränderte. Zwar hatten die stillenden Frauen tatsächlich eine deutlich geringere Schubrate als die nicht stillenden, doch dies war auch schon vor und während der Schwangerschaft so.

Die Forscher nahmen daher an, dass nicht das Stillen vor MS-Schüben schützte, sondern Patientinnen mit niedrigerer Schubrate eher dazu neigten, ihr Kind zu stillen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Frauen mit MS, vier bis sechs Monate voll zu stillen und nach dem Abstillen wieder mit einer Basistherapie zu beginnen.

Foto: S.Kobold - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Multiple Sklerose

| Multiple Sklerose entsteht nach landläufiger Meinung durch körpereigene T-Zellen. Offenbar spielen aber auch andere Abwehrzellen eine Rolle. Forscher konnten erstmals nachweisen, dass B-Zellen die angriffslustigen T-Zellen im Blut aktivieren. Das könnte den Wirkmechanismus neuer MS-Medikamente erklären.
| Viele Multiple-Sklerose-Patienten leiden unter der Sommerhitze besonders stark. Sie fühlen sich schlapper und müder als sonst und klagen zum Teil über eine Verstärkung ihrer Symptome. Bezeichnet wird dies als Uhthoff-Phänomen. Etwa 80 Prozent aller MS-Patienten sollen darunter leiden.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.