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MR CLEAN Studie zeigt Vorteile der Thrombektomie nach Schlaganfall

Bei besonders großen Verschlüssen können Ärzte heute einen Schlaganfall mit einem Mikrokatheter behandeln. Ob die neue Kathetherapie besser ist als die herkömmliche Lyse untersucht derzeit die MR CLEAN Studie. Erste Ergebnisse sprechen für die Thrombektomie mit dem Katheter.
MR CLEAN Studie zeigt Vorteile der Thrombektomie nach Schlaganfall

Schlaganfall: Bei großen Verschlüssen kann eine Thrombektomie oft besser helfen als eine Lyse

Hinter einem Schlaganfall steckt in den meisten Fällen ein Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel. Ist dieses sehr groß, dann lässt es sich oft nicht mit einer Lyse-Therapie auflösen. Doch spezialisierte Ärzte können heute mit Kathetern den Blutpfropfen herausziehen. Der Vorgang nennt sich Thrombektomie. Der BAP-Sänger Wolfgang Niedecken wurde zum Beispiel erfolgreich mit einer Thrombektomie behandelt. Er ist nach einem schweren Schlaganfall wieder völlig gesund und leidet praktisch an keinen Folgeschäden mehr. Allerdings fehlen bislang Studien, die der Methode einen klaren Nutzen bescheinigen. Drei Studien hatten das Katheterverfahren zuletzt sogar in Frage gestellt. „Diese Studien sind mit veralteten Kathetermethoden durchgeführt worden, sodass man sie mit dem Konzept der Thrombektomie mittels moderner Mikrokatheter nicht vergleichen kann“, erklärt Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) Professor Christoph Groden.

Weniger Folgeschäden nach Thromebektomie

Nun zeigen erste Ergebnisse einer groß angelegten Studie aus den Niederlanden, dass die Thrombektomie mit modernen Kathetern im Vergleich mit der herkömmlichen Thrombolysetherapie den Gesundheitszustand der Patienten nachhaltig verbessern kann. Die MR CLEAN Studie untersuchte insgesamt 500 Patienten, die einen schweren Schlaganfall durch ein großes Gerinnsel im vorderen Abschnitt der Hirnarterien erlitten hatten. Alle Patienten erhielten eine Lyse-Therapie mit dem Standardmeidkamnte Enzym Alteplase. Bei der Hälfte der Patienten führten die Ärzte zusätzlich eine Thrombektomie durch. „Eine wichtige Voraussetzung war, dass sofort nach Eintreffen des Patienten im Krankenhaus mittels einer computertomographischen Gefäßdarstellung, der CT-Angiographie, der Gefäßstatus untersucht wurde, um einen Verschluss eines großen Hirngefäßes und damit die Notwendigkeit einer Thrombektomie zu erkennen“, berichtet der Sprecher der Deutschen Schlaganfllgesellschaft Professor Joachim Röther. Dann kamen in den meisten Fällen sogenannte Stent-Retriever zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine neue Generation von Kathetern, die zunächst ein Maschendrahtröhrchen im Blutgefäß entfalten, das Gerinnsel dann einfangen und nach außen befördern. Professor Röther erläutert: „Die neuen Katheter verbessern die Chance, das gesamte Blutgerinnsel komplikationsfrei aus dem Blutgefäß zu entfernen.“

MR CLEAN zeigt erstmals einen Nutzen der Thrombektomienach schwerem Schlaganfall

Die Katheterbehandlung konnte bei 80 Prozent der 250 Patienten die Durchgängigkeit der Hirnarterie wieder herstellen. Damit konnte erstmals in einer größeren Studie gezeigt werden, dass die Patienten tatsächlich einen therapeutischen Nutzen haben. So war das Ausmaß der Behinderung deutlich geringer als in der Vergleichsgruppe. „Der Unterschied war statistisch signifikant, was angesichts der relativ kleinen Patientengruppen ein starkes Signal für die Effizienz der Thrombektomie ist“, sagt Röther. Die Schlaganfallexperten zeigten sich angesichts der Ergebnisse aus den Niederlanden sehr optimistisch. Ergebnisse aus weiteren Studien werden in Kürze erwartet.

Foto: © Naeblys - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
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