. Seltene Erkrankungen

Moyamoya – die unbekannte Schlaganfall-Ursache

Manche Schlaganfall-Ursachen sind so unbekannt, dass sogar Ärzte sie häufig nicht erkennen. Dazu gehört Moyamoya, eine zunehmende Verengung der inneren Halsschlagader im Gehirn. Nur etwa 0,03 Prozent der Bevölkerung in Europa sind von dieser Erkrankung betroffen.
Schlaganfall-Ursache

Schlaganfälle können verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören auch so seltene Erkrankungen wie Moyamoya.

Die allermeisten Menschen haben noch nie etwas von der Erkrankung gehört: Moyamoya, eine der seltenen Schlaganfall-Ursachen. In Europa sind Schätzungen zufolge 0,03 Prozent der Bevölkerung von Moyamoya betroffen, in Asien ist die Erkrankung weiter verbreitet. Die häufigste Ursache für Schlaganfälle ist eine zunehmende Veränderung der Blutgefäße im Gehirn durch Arteriosklerose. Bei Moyamoya kommt es jedoch einerseits zu einer Verengung oder gar einem Verschluss von Hirn-Arterien, andererseits zur reaktiven Neu-Ausbildung von Gefäßen, die sogenannte Umgehungskreisläufe bilden. Diese Umgehungskreisläufe um das verschlossene Areal sehen im MRT aus wie kleine Wölkchen oder Nebel (japanisch: Moya).

OP meist einzig wirksame Maßnahme

Moyamoya führt zu Hirninfarkten und Hirnblutungen mit unterschiedlicher neurologischer Ausprägung. Dabei kann es wiederholt zu Schlaganfällen kommen, aber auch zu unspezifische Symptomen, wie etwa zu chronischen Kopfschmerzen. Auch epileptische Anfälle sind in der Folge der Erkrankung möglich. Die Ursache von Moyamoya ist bisher nicht bekannt. Auffällig ist eine familiäre Häufig, wobei eine genetische Ursache noch nicht ausgemacht werden konnte.

Um die Erkrankung zu diagnostizieren, ist eine Gefäßdarstellung der Hirnarterien (Angiographie) und eine Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich. Zur medikamentösen Behandlung von Moyamoya erhalten einige Patienten Gerinnungshemmer, obwohl deren Wirkung bei dieser Diagnose unklar ist. Auch Plättchenhemmer oder Kalziumkanalblocker zeigten bisher keine nachweisbaren Vorteile. Ohne eine Behandlung ist die Prognose ungünstig und in vielen Fällen treten schwere neurologische Beeinträchtigungen auf. Am wirkungsvollsten scheint eine neurochirurgische Bypassoperation zu sein, welche die Prognose deutlich verbessert. Dadurch können die typischen, sich oftmals wiederholenden Schlaganfälle vermieden oder zumindest deutlich reduziert werden; im besten Fall kann sogar eine Heilung erreicht werden.

 

Diagnose Moyamoya schwer zu stellen

Moyamoya tritt zum ersten Mal vorwiegend bei Kindern unter 18 Jahren oder Erwachsenen zwischen 30 und 50 Jahren auf. Daher sollte bei entsprechenden Hinweisen insbesondere in diesen Altersgruppen auch an die seltene Erkrankung gedacht werden – und das umso mehr, als der Therapieerfolg maßgeblich von einer rechtzeitigen Diagnosestellung abhängig ist. Unter Umständen kann die Diagnose jedoch nur differentialdiagnostisch gestellt werden, so dass dabei die Zusammenarbeit von Ärzten verschiedener Spezialfächer notwendig sein kann.

Foto: © VadimGuzhva - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Seltene Erkrankungen , Schlaganfall
 

Weitere Nachrichten zum Thema Schlaganfall

| Meist sind es Laien, die Zeugen eines Schlaganfalls werden. Häufig sind sie sich jedoch nicht sicher, ob es sich wirklich um einen Schlaganfall handelt und was sie tun sollen. Der FAST-Test gibt eine einfache Hilfestellung, wie in diesem Fall vorzugehen ist.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.