. Aktionstag Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn: Neue Wirkstoffe vor der Zulassung

Patienten mit Morbus Crohn können hoffen: Zwei neue Wirkstoffe stehen vor der Zulassung. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) zum Aktionstag Chronisch entzündliche Darmerkrankungen am 19. Mai hin.
Durchfall und Bauchschmerzen sind die Symptome von Morbus Crohn

Morbus Crohn ist eine chronisch entzündliche Darmerkrankung

Anhaltender Durchfall und krampfartige Bauchschmerzen: Über 400.000 Menschen in Deutschland leiden an Morbus Crohn, viele von ihnen bereits seit dem jungen Erwachsenenalter. Sie gehört zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, deren Ursache unbekannt ist und die bislang weder durch Medikamente noch durch eine Operation geheilt werden können.

Die Erkrankung verläuft in Schüben, in denen die Patienten Kortison benötigen, das aber die Entzündung nicht immer ausreichend dämpfen kann. Seit einigen Jahren behandeln Gastroenterologen die Patienten zudem mit Antikörpern, die gezielt in die Entzündungsreaktion eingreifen.

Morbus Crohn: Zwei neue Wirkstoffe vor der Zulassung

„Diese Mittel haben die Behandlungsergebnisse vieler Patienten verbessert“, sagt Prof. Britta Siegmund, Direktorin der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Gastroenterologie, Infektiologie und Rheumatologie an der Charité Berlin, Campus Benjamin Franklin. „Es gibt jedoch Patienten, die nicht auf die Therapien ansprechen oder bei denen die Wirkung im Alter nachlässt. Für diese Gruppe benötigen wir neue Wirkstoffe.“ Zwei neue Medikamente, die sich in Studien als wirksam erwiesen, könnten  demnächst zugelassen werden.

Hohe Erwartungen setzt die Expertin derzeit auf Ustekinumab. Der Wirkstoff ist seit Februar 2009 zur Behandlung der Schuppenflechte zugelassen und hat sich dort als sicher erwiesen. Schon vor drei Jahren hatte eine klinische Studie gezeigt, dass das Mittel bei Patienten mit Morbus Crohn einen Schub beenden und danach die entzündungsfreie Phase aufrechterhalten kann. Inzwischen ist die klinische Entwicklung abgeschlossen. Experten rechnen damit, dass Ustekinumab im nächsten Jahr auch zur Behandlung des Morbus Crohn zugelassen wird.

 

Morbus Crohn: Körpereigene Entzündungskontrolle verbessern

Einen neuartigen Behandlungsansatz verspricht darüber hinaus der Wirkstoff Mongersen. „Bei Patienten mit Morbus Crohn sind bestimmte Proteine besonders aktiv, die antientzündliche Botenstoffe blockieren“, erläutert Siegmund. Die Wirkung antientzündlicher Botenstoffe ist deshalb so wichtig, weil sie Entzündungsvorgänge bei Morbus Crohn verringern könnten.

„Der Wirkstoff Mongersen sorgt dafür, dass die Zellen keine Proteine mehr produzieren, die Botenstoffe blockieren. Somit verbessert sich die Entzündungskontrolle durch einen körpereigenen Mechanismus.“ Eine 2015 veröffentlichte Studie konnte zeigen, dass das Medikament bei Patienten mit Morbus Crohn und Befall des letzten Abschnitts des Dünndarms wirksam ist.

„Wir setzen uns dafür ein, dass die neuen Behandlungsmöglichkeiten den Patienten bald zur Verfügung stehen“, erklärt DGVS-Expertin Siegmund. Neue Therapiestrategien sind 2016 das zentrale Thema des Aktionstages Chronisch entzündliche Darmerkrankungen, der anlässlich des „World Inflammatory Bowel Disease“-Tages am 19. Mai stattfindet.

Foto: DOC RABE Media

Autor: red
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Morbus Chron
 

Weitere Nachrichten zum Thema Morbus Crohn

| Infliximab hat einen festen Platz in der Behandlung von Morbus Crohn. Offen ist die Frage, ob der TNF-Hemmer nach längerer Remission abgesetzt werden kann. Eine Untersuchung aus Korea liefert nun Erkenntnisse zum Wiederauftreten von Krankheitsschüben.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Die Regierungen der Welt sollten sich ernsthaft auf eine globale Pandemie vorbereiten, die zig Millionen Todesopfer fordern könnte. Das ist die Kernaussage eines Berichts von WHO und Weltbank. Doch offenbar sind die Vorsichtsmaßnahmen aktuell völlig unzureichend.
Alzheimer ist eine Erkrankung, die auch bei den Mitmenschen viele Unsicherheiten hervorruft. Oft wissen Angehörige oder Bekannte nicht, wie sie mit den Betroffenen umgehen sollen. Am Weltalzheimertag rufen Experten daher zu Verständnis und Toleranz gegenüber Alzheimer-Erkrankten auf.
Wenn Kinder unter Diabetes leiden, handelt es sich in der Regel um einen Diabetes Typ 1, obwohl auch der Typ 2 immer häufiger auftritt. Ein großes Problem ist, dass die ersten Symptome eines Diabetes Typ 1 oft nicht erkannt werden. Diabetologen fordern daher mehr Aufklärung bei den Eltern.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Gesundheitsakademie, Oudenarder Straße 16, 13347 Berlin
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.