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Mögliche Frühgeburt: Rechtzeitig in die richtige Klinik

Schwangere mit Aussicht auf Frühgeburt liegen oft in Kliniken, die Frühgeborene nicht nach dem Stand von Wissenschaft und Technik versorgen können. Mögliche Folge: Weiterverlegung per Hubschrauber oder Baby-Notarztwagen, Trennung von der Mutter – ein enormer Stress für einen kaum lebensfähigen Säugling. Wichtig deshalb: von vornherein ein „Frühchen-Zentrum“ mit entsprechender Kompetenz aussuchen.
Frühchen Brutkasten - Schlauch in der Nase

Die Überlebenschancen eines zu früh geborenen Kindes hängen nach einer aktuellen Studie der AOK stark davon ab, in welcher Klinik es versorgt wird.

Jedes 10. Baby in Deutschland kommt zu früh zur Welt. Der Geburtstermin liegt dann vor der 37. Schwangerschaftswoche und das Gewicht unter 2500 Gramm – also rund 1000 Gramm niedriger als bei einem durchschnittlichen und zum natürlichen Zeitpunkt geborenen Säugling. Dank des Fortschritts in der Medizin gelten die Überlebens- und Entwicklungschancen von Frühchen heute als so gut wie nie zuvor. Trotzdem bedeutet eine Frühgeburt für Kind und Familie: Ausnahmezustand.

Statt niedlichem Kinderbettchen: Brutkasten, Kabel, Schläuche 

Das erste Domizil des Kindchens ist dann nicht das hübsche Kinderbettchen zu Hause, sondern die Säuglings-Intensivstation: mit Brutkasten, Schläuchen und Kabeln sowie mit medizintechnischen Geräten, die Kreislauf oder Atem kontrollieren und unterstützen. Glück und Angst liegen nah beieinander. Mit einem rosigen, pausbäckigen Neugeborenen nach 40 Schwangerschaftswochen hat ein Frühchen oft nicht viel gemeinsam. Die Eltern plagen Fragen wie: Wird mein Kind tatsächlich überleben? Wie lange muss es in der Klinik bleiben? Wie oft kann ich es sehen? Wird es sich später normal entwickeln?

Auch wenn die Romantik fehlt: In der neonatologischen Intensivstation sind Frühgeborene am besten aufgehoben. Nur: Sobald sich eine Schwangere mit Verdacht auf Frühgeburt in eine Klinik begibt, muss dort unbedingt auch eine Neonatologie-Abteilung sein. Häufig ist das offenbar aber nicht der Fall. „In vielen Fällen liegen werdende Mütter wochen- oder gar monatelang mit vorzeitigen Wehen oder verkürztem Muttermund in Kliniken, die ein potenzielles Frühchen nachgeburtlich nicht versorgen dürfen und es deshalb in ein entsprechendes Kompetenzzentrum weiterverlegen müssen“: Darauf macht der Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ aufmerksam – aus Anlass des internationalen Aktionstags zu diesem Thema jährlich am 17. November.

 

Weiterverlegung in Fachklinik: „Vermeidbare Gesundheitsrisiken“

Der Transport in Hubschrauber oder Baby-Notarztwagen bedeute Stress für die kleinen Patienten und berge vermeidbare gesundheitliche Risiken in sich, sagt die Vorsitzende des Bundesverbands, Barbara Mitschdörfer. Aus eigener Erfahrung weiß sie auch: Nach einer Verlegung trennen Mutter und Frühgeborenes oft viele Kilometer – eine weitere Belastung für alle Beteiligten. Schwangeren mit drohenden Frühgeburtsbestrebungen rät der Verband bei einer bevorstehenden stationären Aufnahme, unbedingt aktiv zu erfragen, ob die Einrichtung auch in der Lage wäre, das Frühgeborene medizinisch zu versorgen. Laut „Qualitätsmonitor 2019“ der AOK und ihres wissenschaftlichen Instituts Wido hängen die  Überlebenschancen eines Frühgeborenen stark davon ob, in welcher Klinik es in den ersten Lebenswochen versorgt wird.

Überlebensgrenze: die 23. Schwangerschaftswoche

Rund 60.000 Kinder werden nach Angaben des Bundesverbands „Das frühgeborene Kind" jedes Jahr zu früh geboren. Damit sind Frühgeborene die größte Kinderpatientengruppe in Deutschland. Die allermeisten von ihnen (rund 85 Prozent) kommen zwischen der 32. und der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt und gelten als „späte Frühgeborene“. Das bedeutet: Bezüglich Gewicht und Körpergröße unterscheiden sie sich von reifgeborenen Kind nur unwesentlich. Aber ihnen fehlen die Wochen im Endstadium der Schwangerschaft – und damit wertvolle Entwicklungszeit. Sie besitzen die größten Chancen, die Geburt zu überleben und sich im späteren Leben normal zu entwickeln.

In der nächsttieferen Gewichtsklasse von 1000 bis 1500 Gramm liegt die Überlebenswahrscheinlichkeit bei etwa 92 Prozent. Bei den kleinsten Frühchen mit einem Geburtsgewicht von unter 500 Gramm sind es dagegen nur 50 Prozent. Als Grenze der Lebensfähigkeit von Frühgeborenen mit medizinischer Hilfe gilt in Deutschland das Erreichen der 23. Schwangerschaftswoche.

Der „Internationale Tag des Frühgeborenen“ am 17. November

Der „Internationale Tag des Frühgeborenen“ findet seit 2008 jedes Jahr am 17. November statt. Initiiert hat den Aktionstag die „European Foundation for the Care of Newborn Infants“ (EFCNI). Obwohl Frühgeborene die größte Kinderpatientengruppe Deutschlands darstellten, würden „Probleme und Risiken für die weitere Entwicklung dieser Kinder nicht in entsprechendem Maß wahrgenommen“, heißt es beim Bundesverband „Das frühgeborene Kind". Daher machen jedes Jahr Elternvertreter in ganz Europa, Afrika, Amerika und Australien auf die Belange von Frühgeborenen und ihren Familien aufmerksam. Das Datum hat eine ganz besondere Geschichte: Ein Mitbegründer der Stiftung der EFCNI hatte im Dezember 2006 seine Drillinge verloren – Frühchen. Am 17. November 2008 aber wurde er Vater einer gesund geborenen Tochter.

Foto: AdobeStock/Ramona Heim

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Hauptkategorie: Medizin
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