. Sektorenübergreifende psychiatrische Versorgung

Modellvorhaben für psychisch kranke Patienten gestartet

Bei der Versorgung von psychisch kranken Menschen knirscht es immer wieder an der Schnittstelle zwischen stationär und ambulant. Ein Modellvorhaben in Rüdersdorf bei Berlin soll das jetzt ändern.
Tagesklinik und Ambulanz statt Krankenhaus bei psychischen Erkrankungen

Rüdersdorfer Modellprojekt will Drehtüreffekte bei der psychiatrischen Versorgung vermeiden

Für das Projekt zur sektorübergreifenden Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen kooperiert die Immanuel Klinik Rüdersdorf mit der Barmer GEK und der Techniker Krankenkasse. Es ist das erste Modellvorhaben nach §64b SGB V in Brandenburg. Diese Modellvorhaben sollen in allen Bundesländern erprobt werden. Sie dauern längstens acht Jahre.

Patienten werden in Rüdersdorf in diesem Rahmen durch einen festen Ansprechpartner kontinuierlich betreut, egal ob in der Klinik oder danach tagesklinisch und ambulant. Der sogenannte Bezugstherapeut ist entweder Arzt, Psychologe, Sozialarbeiter oder Pflegekraft, je nachdem in welchem Gebiet der individuelle Fallschwerpunkt liegt. Die medizinischen Entscheidungen trifft immer ein Arzt. Er leitet auch das multiprofessionelle Team, das die Behandlung des Patienten festlegt.

Bezugstherapeuten begleiten Patienten in den Alltag

Damit Patienten nach Beendigung der Therapie nicht kurzfristig wieder behandlungsbedürftig werden, bleiben sie auch nach der akuten Behandlung in Kontakt zu ihrem Betreuer. Der betreut sie beim Übergang in den Alltag mehrere Wochen lang.

„Wir wollen die Übergänge zwischen den Sektoren so gestalten, dass die Patienten möglichst nicht wiederkommen“, sagt Professor Martin Heinze, Chefarzt Psychiatrie in Rüdersdorf. Nur eine engmaschige und persönliche Betreuung der Patienten könne eine ständige Wiederkehr in die Klinik vermeiden, so Heinze weiter.

„Bei unserem Modellprojekt erhält jeder Patient eine speziell auf ihn zugeschnittene therapeutische Behandlung. So kann sowohl psychisch schwer Erkrankten als auch Menschen in leichten Lebenskrisen besser geholfen werden“, so Claudia Korf, Landeschefin der Barmer GEK Berlin-Brandenburg.

Krankenhausaufenthalte sollen vermieden werden

Für die Krankenkassen hat das Modellvorhaben vor allem mit Blick auf die ständige Zunahme psychischer Erkrankungen große Bedeutung. Nach Angaben der Barmer GEK wurden 2012 in Brandenburger Krankenhäusern rund 47.000 Patienten mit psychischen Störungen behandelt.

Susanne Hertzer, TK-Chefin in Brandenburg fordert mit Blick auf den wachsenden Behandlungsbedarf neue Ansätze zur Versorgung psychiatrischer Patienten: „Gefragt sind neue Ideen und Angebote, die auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten sind.“ Menschen, die nach einer akuten Krise aus der Klinik entlassen werden, dürften danach nicht allein gelassen werden, so Hertzer.

Das Modellprojekt in Rüdersdorf soll Krankenhausaufenthalte wenn möglich vermeiden oder zumindest verkürzen. Wird ein Patient stationär behandelt, muss der Arzt das begründen. Im Normalfall ist eine ambulante tagesklinische Behandlung vorgesehen. Um Patienten den Zugang zur Tagesklinik auch an Wochenenden zu ermöglichen, ist die Tagesklinik der Immanuel Klinik an sieben Tagen pro Woche geöffnet.

Foto: Tiberius Gracchus - Fotolia.com

 
Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Medizin
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