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Mittelstand vernachlässigt offenbar Burnout-Prävention

Seit 2013 sind Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, auch psychische Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz zu erfassen und, wenn nötig, etwas dagegen zu unternehmen. Dem aktuellen Arbeitssicherheitsreport der Dekra zufolge ignoriert aber die Mehrheit der Klein- und Mittelbetriebe diese Vorschriften – obwohl sie dazu dienen, stressbedingte Erkrankungen und Personalausfälle zu verhindern.
Kaffeetasse, PC-Tastatur, Stift, Zettel mit Vermerk "Prävention"

Prävention am Arbeitsplatz: Bei psychischen Erkrankungen längst nicht so gängig wie bei körperlichen - dabei schnellen die durch sie verursachten Fehltage in die Höhe.

Nur in 41 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland erfolgt die im Arbeitsschutzgesetz vorgeschriebene psychische Gefährdungsbeurteilung, die stressbedingte Erkrankungen und Ausfälle verhindern soll. Dies ergibt sich aus jetzt vorab veröffentlichten Ergebnissen des Arbeitssicherheitsreports 2018/2019 der Prüfgesellschaft Dekra in Stuttgart. "Die Umfrageergebnisse zeigen, dass viele Mittelständler auch nach fünf Jahren noch nicht wissen, wie sie mit dem Thema umgehen sollen", sagt Karin Müller, Leiterin des Bereichs Mensch und Gesundheit bei der Dekra. "Dabei existieren Lösungen, um die psychische Gefährdungsbeurteilung gesetzeskonform und wirksam durchzuführen. Gefragt sind Verfahren, die aufzeigen, wie es der Belegschaft wirklich geht und welcher Stress tatsächlich krank macht."

Stress am Arbeitsplatz macht krank - und schadet der Qualität

"Private und berufliche psychische Belastungen tragen maßgeblich zu Burnout oder Muskel- und Skeletterkrankungen und somit zu Fehlzeiten und Qualitätsmängeln bei", heißt es in einer Mitteilung der Dekra weiter. Rückenleiden und andere Erkrankungen von Skelett und Muskulatur sind mit einem Anteil von 22 Prozent Hauptursache für Fehltage bei Arbeitnehmern. Auf Platz zwei folgen psychische Erkrankungen mit 17 Prozent. Die Fehlzeiten aufgrund von psychischen Belastungen haben in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Häufigstes Krankheitsbild sind Depressionen, gefolgt von Reaktionen auf schwere Belastungen, Anpassungsstörungen und Burnout.

 

Psychisch bedingte Ausfalltage: Plus 67 Prozent binnen zehn Jahren

Laut AOK-Fehlzeitenreport 2018 hat sich der Krankenstand bei Beschäftigten, der auf psychische Erkrankungen zurückzuführen ist, innerhalb von zehn Jahren um mehr als zwei Drittel erhöht (2007 bis 2017: plus 67,5 Prozent). Außerdem führen diese Erkrankungen zu besonders langen Ausfallzeiten. Mit durchschnittlich 26 Krankheitstagen je Attest dauerten sie 2017 mehr als doppelt so lange wie eine durchschnittliche Krankschreibung.

Der komplette Dekra-Arbeitssicherheitsreport wird voraussichtlich zum Jahresende 2018 veröffentlicht. Das von der Dekra beauftragte Forsa-Institut in Berlin befragte für die Untersuchung 300 zufällig ausgewählte Entscheidungsträger im Personalbereich oder Arbeitsschutz aus kleinen und mittleren Unternehmen von 10 bis unter 500 Mitarbeiter.

Die Dekra ist nach eigenen Angaben die größte Prüfgesellschaft in Deutschland. Sie existiert seit 1925, beschäftigt heute rund 44.000 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von rund drei Milliarden Euro. Der Konzern befasst sich schwerpunktmäßig mit der Prüfung von Kraftfahrzeugen und technischen Anlagen.

Foto: fotolia.com/magele-picture

Autor: zdr
Hauptkategorie: Medizin
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