. Kinder

Mittelohrentzündung: Antibiotika-Gabe verkürzen bringt nichts

Leiden Babys oder Kleinkinder an einer Mittelohrentzündung, sollte die Antibiotika-Therapie über zehn Tage durchgeführt werden. Eine kürzere Behandlungsdauer ist weniger effektiv.
Ohrenschmerzen

Bei einer Mittelohrentzündung hat es keine Vorteile, Antibiotika fünf statt zehn Tage zu geben

Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern des Children's Hospital in Pittsburgh und der University of Pittsburgh School of Medicine. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Die akute Otitis media ist eine bakterielle Infektion des Mittelohres, die mit einer schmerzhaften Entzündung verbunden ist. Am Beginn einer Mittelohrentzündung steht fast immer ein Infekt der Atemwege wie ein Schnupfen. Drei von vier Kindern erkranken in ihrem ersten Lebensjahr daran. Folglich ist es der häufigste Grund, warum Kindern ein Antibiotikum verschrieben wird.

Weniger Antibiotika, weniger Resistenzen?

Angesichts der Zunahme von Antibiotika-Resistenzen sind die Mediziner mittlerweile vorsichtiger geworden mit dem Verordnen dieser Präparate. Die Forscher wollten nun wissen, ob eine kürzere Behandlungsdauer ebenso wirksam ist. Denn sie hat möglicherweise weniger Nebenwirkungen und könnte das Risiko von Resistenzen verringern, so Dr. Alejandro Hoberman von der Pittsburgh School of Medicine.

An der Studie nahmen 520 Kinder im Alter von 9 bis 23 Monaten mit einer akuten Otitis media teil. Sie erhielten entweder die Standard-10-Tage-Therapie mit dem Antibiotikum Amoxicillin-Clavulansäure oder eine verkürzte 5-tägige Antibiotika-Behandlung gefolgt von fünf Tagen Placebo. Weder die Studienteilnehmer noch die Ärzte wussten, welcher Gruppe der Teilnehmer zugeordnet wurde.

Mittelohrentzündung: Antibiotika-Gabe verkürzen bringt nichts

In der 5-Tage-Gruppe schlug die Behandlung in 34 Prozent der Fälle nicht an, also doppelt so häufig wie in der 10-Tage-Gruppe (16 Prozent). Die 10-Tage-Behandlung gegen Mittelohrentzündung war demnach effektiver. Ein anschließender Nasen-Abstrich zeigte, dass in der 5-Tage-Gruppe nicht viel weniger antibiotika-resistente Bakterien auftraten (44 zu 47 Prozent). Auch reduzierte die kürzere Antibiotika-Gabe nicht das Risiko für Nebenwirkungen wie Durchfall oder Windelausschlag, die jeweils bei rund einem Drittel der kleinen Patienten auftraten.

Es gab noch weitere interessante Ergebnisse: Das Risiko für das erneute Auftreten einer Mittelohrentzündung war höher, wenn die Kinder für zehn oder mehr Stunde in der Woche in einer Gruppe von mindestens drei Kindern beaufsichtigt wurden, wie zum Beispiel in einer Kita.

Restflüssigkeit im Ohr erhöht Rückfall-Risiko

Das Rezidiv-Risiko war höher, wenn die erste Infektion in beiden Ohren statt nur in einem Ohr auftrat. Das Rückfall-Risiko war auch höher, wenn nach der Behandlung eine Restflüssigkeit im Mittelohr verblieb. Bei annähernd einem von zwei dieser Kinder kehrte die Mittelohrentzündung zurück.

Dr. Hoberman wies allerdings darauf hin, dass die Ergebnisse nur für Kinder bis zum Alter von zwei Jahren gelten und nicht zwingend auf ältere Kinder übertragbar sind.

Foto: Robert Kneschke/Fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Kinderheilkunde

Weitere Nachrichten zum Thema Mittelohrentzündung

| Bei Kindern unter zehn Jahren ist die Mittelohrentzündung eine häufige Erkrankung. In der Folge kann sich Flüssigkeit im Mittelohr sammeln, es entsteht ein Unterdruck, das Trommelfell zieht sich ein. Dieser so genannte Paukenerguss beeinträchtigt das Hörvermögen und führt zu einem Druckgefühl. Forscher der University of Southampton haben jetzt in einer Studie getestet, ob ein Nasenballon helfen kann.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.