Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Mit ungewöhnlichen Mitteln gegen das Glioblastom

Montag, 16. Dezember 2013 – Autor:
Das Glioblastom ist der häufigste bösartige Hirntumor und bislang unheilbar. Wissenschaftler haben jetzt einen neuen „Medikamentencocktail“ entwickelt. Das erstaunliche daran: Es ist kein einziges Krebsmedikament dabei.
Mit ungewöhnlichen Mitteln gegen das Glioblastom

Neue Wirkstoffkombinationen gegen das Glioblastom: Hoffnung die positiven Laborergebnisse auf den Patienten zu übertragen

Glioblastom bedeutet noch immer eine eher schlechte Prognose. Die Lebenserwartung mit einer Standardtherapie aus Operation, Bestrahlung und Chemotherapie beträgt im Schnitt 14 Monate. Nur wenige Patienten überleben mehrere Jahre.

Da es seit einigen Jahren keine wesentlichen Therapiefortschritte gibt, will das neu genründete Netzwerk „International Initiative for Accelerated Improvement of Glioblastoma Care“(IIAIGC) nun ungewöhnliche Wege gehen: Die deutsch-amerikanische Forschergruppe hat nach eigenen Angaben einen Medikamentencocktail entwickelt, der sich aus Mitteln gegen Übelkeit, Rheuma, Malaria, HIV und Bluthochdruck zusammensetzt. Dazu kommen ein Antimykotikum und ein Antidepressivum, eine Substanz zum Alkoholentzug sowie ein Nahrungsergänzungsmittel. Ein Krebsmittel befindet sich in den neuen Medikamentencocktail jedoch nicht.

Glioblastom: Medikamentencocktail mit Mitteln gegen Bluthochdruck und Malaria

Der Ulmer Neurochirurg und IIAIGC-Gründer Prof. Dr. Marc-Eric Halatsch erklärt die ungewöhnliche Zusammensetzung der neuen Therapie namens CUSP9 (Coordinated Undermining of Survival Paths with nine repurposed drugs) mit monatelangen Vorarbeiten: „In einer umfangreichen Recherche haben wir eine Liste von bereits zugelassenen oder vermarkteten Medikamenten erstellt, die gegen das Glioblastom wirksam sein könnten.“

Übrig geblieben seien neun potenziell geeigneten Substanzen, deren Kombination dann an Zellkulturen aus dem Tumorgewebe von Patienten untersucht worden sei. „CUSP9 führte unter den gegebenen Bedingungen zu einem beeindruckenden Absterben der Glioblastomzellen“, beschreibt Halatsch die ermutigenden Ergebnisse. Das Konzept beruhe darauf, die Glioblastomzellen durch eine Vielzahl konzertierter molekularer Interaktionen, von denen jede schwächer als die Wirkung eines Chemotherapeutikums sei, zu destabilisieren und zu töten.

 

Zwei individuelle Heilversuche mit CUSP9 angelaufen

Zuvor hatten die Forscher des Netzwerks die Wechselwirkungen der Substanzen mithilfe einer datenbank- und softwaregestützten Analyse erfasst. Da fast alle Bestandteile des so genannten CUSP9-Protokolls bereits zur Therapie anderer Krankheiten zugelassen sind, rechnen die Wissenschaftler mit moderaten Nebenwirkungen.

Derzeit würde CUSP9 im Rahmen individueller Heilversuche bei zwei Patienten mit Glioblastom eingesetzt – und offenbar gut vertragen, sagt Neurochirurg Halatsch. In 2014 wollen die Forscher eine klinische Studie starten. Ziel ist, das Überleben nach einem Rezidiv zu verlängern. Eine Heilung des Glioblastoms ist indes auch mit CUSP9 nicht in Sicht.

© contrastwerkstatt - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebs , Hirntumor , Rezidiv , Arzneimittel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Hirntumor

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten

Die Erforschung der Coronavirus-Erkrankung steckt noch in den Kinderschuhen. Wissenschaftler aus Freiburg haben jetzt herausgefunden, warum die Krankheitsverläufe bei Älteren oft besonders schwer sind – und was man mit verfügbaren Medikamenten dagegen tun kann.

Viele gesundheitsbewusste Verbraucher wissen genauso wie Diabetiker um die dick- und krankmachende Wirkung von Zucker. Deshalb richtet sich deren Hoffnung auf Süßstoffe. Doch obwohl sie zuckerfrei und zumindest kalorienarm sind, machen auch sie offenbar dick.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin