. Colitis ulcerosa

Mit Stuhltransplantation Colitis ulcerosa heilen?

Colitis ulcerosa gehört zu den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Bei den Patienten ist die natürliche Bakterienbesiedelung des Darmes gestört. Ärzte erproben derzeit eine neue Therapie: die Stuhltransplantation. Fäkalkeime gesunder Menschen werden dabei auf den Patienten übertragen.
Chronisch entzündliche Darmerkrankung

Darmkeime von gesunden Spendern könnten auch eine Colitis ulcerosa bessern

Bei Patienten mit einer Clostridium-difficile-Infektion liegt die Heilungsrate mit dieser speziellen Behandlung bei über 90 Prozent. Das weckt die Hoffnung, Darmkeime von gesunden Spendern könnten auch eine Colitis ulcerosa bessern. Bei Colitis-Kranken leben weniger Arten im Darm-Mikrobiom, außerdem ist der Anteil der Sorten Firmicutes und Bacteroides geringer als bei Gesunden.

Eine kanadische Studie zeigte einen deutlichen Effekt der Stuhltransplantation (FTM). Den Probanden wurde sechs Wochen lang einmal wöchentlich aufbereiteter Stuhl von Gesunden als Einlauf verabreicht. Die Kontroll-Gruppe erhielt einen Einlauf nur mit Wasser. Nach sieben Wochen waren bei 24 Prozent der Patienten, die Fäkalkeime erhielten, die Symptome zurückgegangen, aber nur bei 5 Prozent der Patienten, die das Placebo bekamen.

Colitis ulcerosa: Mehr Arten im Darm durch Stuhltransplantation

Alle Probanden litten an leichter bis mittelschwerer Colitis. Die Artenvielfalt im Darm-Mikrobiom hatte bei den FTM-Behandelten stärker zugenommen. Die Nebenwirkungen in beiden Gruppen waren vergleichbar. Patienten, bei denen die Krankheit erst kürzlich diagnostiziert worden war, sprachen besser auf die Stuhltransplantation an, ebenso Patienten, die zugleich eine immunsuppressive Behandlung erhielten.

Zu einem weniger optimistisch stimmenden Ergebnis kommt eine niederländische Studie. Hier wurde Stuhl von gesunden Patienten im Vergleich zu eigenem Stuhl – als Placebo - übertragen. Die Fäkalkeime wurden allerdings nicht als Einlauf verabreicht, sondern über eine Nasensonde, und das nur zweimal im Abstand von drei Wochen. Das heißt, die Aussage der ersten Studie wird damit nicht zwingend in Frage gestellt.

Alle Probanden litten an leichter bis mittelschwerer Colitis ulcerosa. Eine Besserung trat bei 30,4 Prozent der FTM-Patienten ein und bei 20 Prozent der Patienten, die das Placebo erhielten. Der Unterschied wurde aber als nicht signifikant eingestuft, da die Zahl der Probanden gering war. Dennoch gab es einen Trend: Die Patienten, die fremde Fäkalkeime erhielten, hatten nach 12 Wochen die gleiche Darmbesiedelung wie der gesunde Spender.

Nun sind weitere Studien geplant, die eindeutig abklären sollen, ob und in welcher Form die Stuhltransplantation eine wirkungsvolle Therapie bei Colitis ulcerosa sein könnte.

Foto: absolutimages

 
Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Darmerkrankungen

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Tumorzellen gezielt angreifen und das gesunde Gewebe schonen: Das ist der Ansatz moderner Behandlungsmethoden in der Onkologie. Ein deutsches Forscherteam hat Nanopartikel entwickelt, die wie Minitransporter im Körper unterwegs sind und mit Funktionsbausteinen beladen werden können. So können Krebszellen in der Bilddiagnostik sichtbar gemacht werden. Perspektivisch sollen sie Wirkstoffe direkt zum Tumor transportieren.
Leistungssportler scheuen sich häufig vor einer Grippeimpfung – aus Sorge vor den Nebenwirkungen, aber auch weil sie sich nur geringe Effekte erhoffen. Eine Studie zeigt nun jedoch, dass die Grippeimpfung gerade für Sportler empfehlenswert ist - und das auch bei intensivem Training
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die Universitätsmedizin Essen ist Smart Hospital und aktiv am Aufbau des virtuellen Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen beteiligt. Über die Chancen der digitalen Transformation und die Hürden auf diesem Weg hat Gesundheitsstadt Berlin mit der Digital Change Managerin der Universitätsmedizin Dr. Anke Diehl gesprochen.