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16.03.2015

Mit Skalpell und High-Tech gegen chronische Epilepsie

Wenn Epilepsie trotz Medikamenten chronisch wird, kann eine Operation sinnvoll sein. Schweizer Ärzte haben nun das Operationsverfahren verfeinert und wenden seit gut zwei Jahren ein neues, extrem präzises Bildgebungsverfahren an. 80 Prozent der so operierten Patienten sind seither anfallsfrei.
Mit Skalpell und High-Tech gegen chronische Epilepsie

Epilepsie-Chirurgie aus der Schweiz: Heilungsrate von 80 Prozent

Etwa ein Drittel aller Patienten mit Epilepsie leiden trotz Medikamenten unter regelmäßigen Anfällen. Einem Großteil der Betroffenen könnte ein operativer Eingriff helfen, bei dem die Anfallsursache im Gehirn entfernt wird. Voraussetzung ist, dass der Epilepsie-Herd auf ein einziges Areal beschränkt ist. Das trifft ungefähr auf zwei von drei Patienten mit chronischer Epilepsie zu. In diesem Fall sollte der behandelnde Arzt den Patienten in ein Epilepsiezentrum überweisen, um die Anfalls-Quelle chirurgisch entfernen zu lassen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN).

Tatsächlich kann eine Operation Betroffene tatsächlich langfristig von epileptischen Anfällen befreien, wie Daten aus der Schweiz zeigen. In einer Studie haben Ärzte des Universitätsklinikums Genf eine neue Operationsmethode an 152 Patienten mit chronischer Epilepsie untersucht. Fast 80 Prozent der Probanden sind bis heute, zwei Jahre nach der OP, komplett anfallsfrei, 10 Prozent leiden nur noch selten unter Anfällen. Bei den restlichen 10 Prozent konnte die Operation nichts bewirken.

Beim high density electric source imaging (HD-ESI) werden EEG und MRT kombiniert

Hinter der hohen Heilungsrate von 80 Prozent steckt ein von Schweizer Neurophysiologen entwickeltes Bildgebungsverfahren, das die Operation wesentlich sicherer macht. Die sogenannte high density electric source imaging (HD-ESI) wird von den Ärzten vor der Operation eingesetzt, um die Anfalls-Quelle im Gehirn millimetergenau zu lokalisieren. „Entscheidend bei der Operation ist, das Epilepsie hervorrufende Gewebe zu entfernen, ohne angrenzende lebenswichtige Areale zu beschädigen, die etwa für Handbewegungen oder die Sprache zuständig sind“, erklärt Professor Dr. med. Margitta Seeck, Neurologin am Universitätsspital Genf. Genau dafür kombinieren die Wissenschaftler zwei hochauflösende bildgebende Verfahren, die Elektroenzephalografie (EEG) und die Magnetresonanztomografie (MRT).

Zur Untersuchung werden die Patienten mit 256 Elektroden auf dem Kopf verkabelt – zehn Mal mehr als beim normalen EEG. Das MRT liefert zusätzlich ein dreidimensionales Bild des Gehirns aus extrem dünn gescannten Schichten. Mithilfe eines komplexen Algorithmus werden die beiden Bilder kombiniert und die Anfalls-Quelle so präzise lokalisiert. Das ganze Verfahren dauert Neurologin Seeck zufolge zwei bis zu drei Stunden und wird von den Kassen bezahlt.

In einer aktuellen Studie konnten die Schweizer Forscher die Methode jetzt noch weiter verfeinern und die Ergebnisse bestätigen. Erfolgt die OP ohne zusätzliche bildgebende Verfahren – außer dem normalen MRT – war die Erfolgsquote 10 bis 20 Prozent geringer. „Die Erfolgsquote unserer Methode ist damit höher als bei jeder anderen Hirnbildgebung“, sagt Seeck.

 

Epilepsie-Chirurgie in Deutschland noch wenig bekannt

Trotz dieser Erfolge lassen viel zu wenig Betroffene einen chirurgischen Eingriff durchführen, betont die DGKN. Die Experten schätzen dass weniger als die Hälfte der Epilepsie-Patienten operiert werden, die nicht ausreichend auf Medikamente ansprechen. Das sei bedauerlich, findet der Präsident der diesjährigen DGKN-Jahrestagung Professor Dr. med. Holger Lerche. Schließlich berge jeder Anfall die Gefahr von Verletzungen und erhöhten das Sterberisiko um das 3- bis 20-fache. „Epileptische Anfälle sollten unbedingt verhindert werden“, sagt Lerche. Im Zweifel mit dem Skalpell.

Foto: TK

Hauptkategorie: Medizin
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