. Lyse-Therapie nach Schlaganfall kann Behinderungen vermeiden

Mit Schlaganfall besser in eine Stroke Unit

Allen Patienten mit einem Schlaganfall sollte eine Behandlung in einer Klinik mit Stroke Unit ermöglicht werden. Das fordern die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Denn in Stroke Units profitieren Schlaganfall-Patienten häufiger von einer Lysetherapie.
Schlaganfallversorgung in Spezialstationen besser

Fachgesellschaften einig: Akuter Schlaganfall ist auf Stroke Unit besser versorgt

Stroke Units wurden als Spezialstationen zur Versorgung akuter Schlaganfallpatienten eingerichtet. Sie ermöglichen eine umfassende Schlaganfallversorgung und sind zugleich die regionalen Organisationszentralen für das Management von Schlaganfallpatienten. Eine aktuelle Studie zur Anwendung der Lysetherapie in Krankenhäusern zeigt nun, dass Kliniken mit einer Stroke Unit die Lysetherapie deutlich häufiger einsetzen. Die Ergebnisse dieser Studie aus Baden-Württemberg sind jetzt in der Fachzeitschrift Neurology veröffentlicht.

Die Studie zeigt, dass bereits jetzt Patienten mit einem Schlaganfall meist wie gewünscht in eine Klinik mit Stroke Unit zugewiesen werden. Auch der Anteil der Patienten, die eine Lysetherapie bekommen, sei bereits hoch, so DSG-Geschäftsführer Professor Otto Busse. Dennoch fand die Studie größere Unterschiede zwischen Krankenhäusern: „Schlaganfallzentren behandeln etwa 45 Prozent der Patienten, die innerhalb von 4,5 Stunden in der Klinik sind, mit einer Lysetherapie. Dagegen erhalten in Krankenhäusern ohne Stroke Unit nur 13 Prozent der Patientengruppe eine Lyse“, so Busse.

Viele Behinderungen nach Schlaganfall vermeidbar

Über 17 Prozent der Patienten wurden trotz des Schlaganfall-Versorgungsplans in Baden-Württemberg in einem Krankenhaus ohne Stroke Unit behandelt. „Die Analyse zeigt, dass die Behandlungshäufigkeit der Lysetherapie um ein Drittel gesteigert werden könnte. Dadurch blieben auch mehr Patienten nach einem Schlaganfall Behinderungen erspart“, so der DSG-Geschäftsführer.

Bei einer Lysetherapie erhalten Schlaganfallpatienten eine Infusion mit einem Enzym, das Blutgerinnsel im Gehirn auflöst. „Da die Therapie sehr schnell eingeleitet werden muss und die Patienten zudem sehr sorgfältig ausgewählt werden müssen, stellt diese Behandlung hohe Anforderungen an die Schlaganfallbehandlungskompetenz eines Krankenhauses“, so DGN-Sprecher Professor Hans-Christoph Diener. Nach seinen Angaben ist der Nutzen der Lysetherapie auch in der breiten klinischen Routineanwendung belegt. „Die Behandlung auf einer Stroke Unit führt aber über die Lysetherapie hinaus zu einem besseren klinischen Ergebnis bei Schlaganfallpatienten“, so Diener weiter.

Stroke Unit soll bei Schlaganfall Standard werden

Deshalb fordern die beiden Fachgesellschaften, dass sichergestellt wird, dass der Rettungsdienst oder Notarzt Schlaganfall-Patienten nur in Kliniken mit einer Stroke Unit bringt. Gegebenenfalls müssten die bestehenden Stroke Units vergrößert werden, um die zusätzlichen Patienten aufzunehmen, so Professor Darius Nabavi, Vorsitzender der Stroke Unit-Kommission der DSG.

Foto: psdesign1 – fotolia.com

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Schlaganfall , Lysetherapie , Notfallmedizin , Neurologie

Weitere Nachrichten zum Thema Schlaganfallversorgung

| Ein Schlaganfall scheint sich häufig völlig unvorhergesehen zu ereignen. Doch offenbar gibt es durchaus Vorboten, die auf einen bevorstehenden Hirninfarkt hindeuten können. Das zeigen zumindest die Daten einer japanischen Langzeitstudie.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Magnesium gehört zu den beliebtesten Nahrungsergänzungsmitteln. Weil ein zu viel von dem Mineralstoff der Gesundheit schaden kann, empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nun eine Tageshöchstmenge in Pillen und Pulvern von 250 Milligramm. Das ist deutlich weniger, als die meisten Präparate enthalten.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum, Haus 35, 1. Etage, Rubensstr. 125, 12157 Berlin
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.