. Ohrgeräusche

Mit einer App gegen den Tinnitus

Bei Tinnitus kann eine Musiktherapie helfen, die lästigen Ohrgeräusche zu reduzieren. Forscher haben nun eine App für das akustische Training entwickelt. Dadurch können Betroffene vom eigenen Smartphone aus die Musiktherapie anwenden.
Mit einer App gegen Tinnitus

Bei Tinnitus kann eine Musiktherapie helfen

Dachte man früher noch, Tinnitus entstünde im Innenohr selbst, weiß man heute, dass die unangenehmen Ohrgeräusche durch neuronale Prozesse im Gehirn versucht werden. Dabei versucht das Gehirn, Hörstörungen zu kompensieren, indem es die Aktivität bestimmter Neuronen nach oben reguliert. Die übersensibilisierten Nervenzellen produzieren nun die lästigen Phantomgeräusche. Eine Musiktherapie kann helfen, diese zu reduzieren. Das Hamburger Unternehmen Sonormed GmbH hat nun den Dienst Tinnitracks entwickelt, eine App, bei der jeder von seinem Smartphone aus die Therapie anwenden kann. 

Mit der App Nervenzellen stimulieren

Um die App anwenden zu können, müssen die Patienten zunächst ihre individuelle Tinnitus-Frequenz eingeben; dabei helfen ihnen HNO-Ärzte oder Hörgeräteakustiker. Danach können die Betroffenen von ihnen selbst ausgewählte Musiktitel per App auf einen Server laden. Dort entfernen elektronische Filter bestimmte Bereiche des akustischen Spektrums, passend zur individuellen Tinnitus-Frequenz. Die so gefilterten Musikstücke stimulieren nun ausschließlich Nervenzellen außerhalb der Tinnitus-Frequenz. Auf diese Weise soll sich das ursprüngliche Gleichgewicht zwischen erregenden und hemmenden akustischen Signalen wieder einstellen.

 

Tinnitus reduzieren

Ungefähr 90 Minuten täglich müssen die Betroffenen trainieren, um den Tinnitus zu reduzieren. Eine Studie des Universitätsklinikums Münster konnte bereits vor einiger Zeit nachweisen, dass das lästige Geräusch dadurch um etwa 25 Prozent gesenkt werden kann. Die Unternehmer Jörg Land, Adrian Nötzel und Matthias Lanz haben für Tinnitracks bereits mehrere Preise erhalten, unter anderem den ersten Platz der Kategorie "Digital Health" beim renommierten Gründerwettbewerb "South by Southwest" (SXSW).

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die neue App bisher nicht. Der Service kostet den Patienten 539 Euro als Lizenzgebühr im Jahr. Die Gründer haben allerdings eine neue App entwickelt, die demnächst sowohl im App-Store von Apple als auch in einer Android-Version erhältlich sein wird und als Monatsabo für 19 Euro abgeschlossen werden kann.

Millionen Deutsche leiden unter Tinnitus

Als Tinnitus bezeichnet man ständige Ohrgeräusche wie Klingeln, Piepsen oder Rauschen. Rund zehn Millionen Menschen in Deutschland sind Schätzungen zufolge davon betroffen. Die Ursachen reichen von Stress über Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zum Hören lauter Musik. Bei der Behandlung kann der Einsatz von Kortison sinnvoll sein. Bewährt hat sich aber vor allem ein Bewältigungs- und Wahrnehmungstraining. Seit einiger Zeit weiß man, dass auch eine Musiktherapie die lästigen Ohrgeräusche reduzieren kann.

Foto: © Yuriy Shevtsov - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Hörfähigkeit

| Schwerhörigkeit ist einer der Risikofaktoren für die Entwicklung einer Demenz. Ein Hörgerät kann das Risiko minimieren und wirkt zudem der sozialen Isolation entgegen. Wer einer Demenz noch weiter vorbeugen möchte, sollte außerdem nicht rauchen, auf einen normalen Blutdruck achten und sich ausreichend bewegen.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Sie hat keine Kalorien und trotzdem soll sie dick machen: Kohlensäure. Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie, die bereits letztes Jahr durchgeführt wurde und nun wieder in die Schlagzeilen geraten ist. Doch stimmt das wirklich?
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.