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Mit dem Skalpell gegen Übergewicht und Diabetes

Samstag, 15. Dezember 2012 – Autor:
Immer mehr übergewichtige Menschen unterziehen sich einer Magen-Bypass-Operation zur Gewichtsreduktion. Da der Eingriff den Stoffwechsel beeinflusst, profitieren auch Typ-2-Diabtetiker davon. Allerdings sichert ein Magen-Bypass allein den Therapieerfolg nicht dauerhaft.
Adipositas-Chirurgie

Entwicklung der Adipositas-chirurgischen Eingriffe in Deutschland

Die Zahl der Adipositas-chirurgischen Eingriffe in Deutschland hat sich zwischen 2006 und 2011 fast verdreifacht. Während im Jahr 2006 1.756 derartige Eingriffe vorgenommen wurden, waren es laut Statistischem Bundesamt 2011 schon 6.164 Adipositas-chirurgische Eingriffe.

Weil die Operation offensichtlich metabolische Effekte hat, sprechen Ärzte auch von metabolischer Chirurgie. Wie man heut weiß, ist metabolische Chirurgie aber mehr als nur eine Therapie zur Gewichtsreduktion. Unabhängig von der Gewichtsabnahme hat sie direkte Wirkungen auf den Stoffwechsel und damit auf den Blutzuckerspiegel. Diese mittlerweile durch Studien belegte Wirkung sei sicher mit ein Grund dafür, warum die entsprechenden Operationsverfahren auch in Deutschland auf dem Vormarsch sind, so Matthias Blüher, Endokrinologe und Adipositas-Experte von der Universität Leipzig. „Diese Zahlen sind ermutigend, wenn auch im internationalen Vergleich noch eher niedrig“, konstatierte Blüher.

Nach einer Magen-Bypass-Operation benötigt über die Hälfte aller Diabetiker, die zuvor mit Insulin behandelt wurden, schon Tage bis Wochen nach der Operation keine Medikamente mehr. Die Umleitung des Nahrungsbreis sorgt dafür, dass weniger Nahrungsbestandteile aufgenommen und verwertet werden. Außerdem ist sie Auslöser für eine Veränderung der Hormonausschüttung im Darm. Eine im April 2012 publizierte Vergleichs-Studie von Geltrude Mingrone und Kollegen zeigte, dass – je nach Art des Eingriffs – 75 bzw. 95 Prozent der 40 operierten Patienten bereits nach drei Monaten einen HbA1c-Wert unter 6,5 Prozent erreichten, aber nicht ein einziger der 20 ausschließlich medikamentös behandelten Patienten.

"Der Magen-Bypass ist wie eine Gehstütze. Laufen muss der Patient selbst."

Allerdings reicht nach Angaben von Professor Rudolf Weiner aus Frankfurt die Operation allein zur Sicherung des Therapieerfolgs nicht aus. „Die Operation ist für den adipösen Diabetespatienten so etwas wie die Gehstütze für den Orthopädiepatienten. Sie wirkt unterstützend, aber ‚laufen‘ lernen muss der Patient trotzdem noch.“ Mit anderen Worten: Patienten, die sich einem Adipositas-chirurgischen Eingriff unterworfen haben, benötigen eine qualifizierte Vor- und Nachbetreuung sowie einen einzigen Ansprechpartner, der alle notwendigen Maßnahmen koordiniert.

Patienten sollten die Komplexität dieser minimalinvasiv durchgeführten Operation nicht unterschätzen, warnt Rudolf Weiner. „Solche Eingriffe sollten nur an spezialisierten Zentren durchgeführt werden, die der Qualitätssicherungsstudie der DGAV angeschlossen sind“. Seit 2005 läuft diese Studie der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie, mehr als 10.000 Einzelfälle sind dort dokumentiert, und 35 Zentren sind seither für Eingriffe dieser Art zertifiziert worden.

Der niedergelassene Internist und Diabetologe aus Fulda Dr. Jörg Simon zieht eine Magen-Bypass-Operation erst in Betracht, wenn die konservative Behandlung eines morbid-adipösen Patienten ausgereizt ist. Er prüfe dann im persönlichen Gespräch, ob der OP-Kandidat tatsächlich bereit sei, Ernährung und Lebensstil langfristig umzustellen. Beides sei Voraussetzung für einen dauerhaften Therapieerfolg.

Foto:  (Quelle: Statistisches Bundesamt)

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