Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
13.03.2021

Mit dem Rauchen aufhören macht glücklich

Der Entschluss, mit dem Rauchen aufzuhören, ist nicht nur gut für den Körper, sondern auch für die Seele. Das ist das Ergebnis einer Übersichtsstudie des Wissenschaftsnetzwerks Cochrane. Ängste, Depressionen und Stress gingen nach einem Rauchstopp zurück. Überraschend waren die Aussagen zur sozialen Bedeutung geselliger Rauchpausen.
Frau zerknickt Zigarette und lächelt.

Wissenschaftler bestätigen: Mit dem Rauchen aufhören macht glücklick.

Küsse schmecken besser, die Haut im Gesicht ist straffer, das Risiko für Krebs, Herzinfarkt und sogar schwere COVID-19-Verläufe deutlich geringer: Es gibt viele Gründe, mit dem Rauchen aufzuhören. Jetzt ist ein neuer hinzugekommen: „Nichtrauchen macht glücklich!“ Das ist die Quintessenz einer aktuellen Übersichtsstudie des globalen Wissenschaftsnetzwerks Cochrane Collaboration.

Raucher haben Angst vor Verlust von Geselligkeit

„Manche Menschen glauben, dass Rauchen Stress und andere psychische Symptome reduziert und dass ein Rauchstopp deshalb ihre psychischen Probleme verschlimmern könnte“, heißt es in einer Mitteilung von Cochrane Deutschland. „Zudem machen sich manche Raucher auch Sorgen, dass ein Rauchstopp negative Auswirkungen auf ihr Sozialleben und ihre Freundschaften haben könnte.“

 

Rauchstopp: Weniger Depressionen, Ängste und Stress

Eine jetzt in der Cochrane Library publizierte Metastudie entkräftet diese Befürchtungen. Menschen, die mindestens sechs Wochen lang mit dem Rauchen aufhörten, erlebten der Studien-Analyse zufolge weniger Depressionen, Ängste und Stress als Menschen, die weiter rauchten. Menschen, die mit dem Rauchen aufhörten, erlebten auch mehr positive Gefühle und ein besseres psychisches Wohlbefinden.

Raucherpause weg – Freundschaften weg?

Eine interessante Aussage machten die Wissenschaftler zur angeblichen Bedeutung von Raucherpausen: „Das Aufgeben des Rauchens hatte keinen Einfluss auf die Qualität der sozialen Beziehungen.“ Die Ergebnisse deuteten sogar darauf hin, dass der Rauchstopp mit einer kleinen Verbesserung des sozialen Wohlbefindens verbunden sei. Im Rahmen der vorliegenden Meta-Studie werteten Wissenschaftler von drei britischen Universitäten sowie einer US-amerikanischen 102 Beobachtungsstudien mit 169.500 Teilnehmern aus.

Längerfristige Vorteile für die psychische Gesundheit

„Viele Raucher sind besorgt, dass der Rauchstopp ihre sozialen Netzwerke stören und zu Gefühlen der Einsamkeit führen könnte“, sagt Gemma Taylor, Hauptautorin des Reviews und Expertin für Sucht und mentale Gesundheit an der University of Bath in England. „Der Rauchstopp scheint aber keine negativen Auswirkungen auf die soziale Lebensqualität zu haben. Viele Menschen befürchten auch, dass das Aufhören mit dem Rauchen Stress bedeutet. Die Evidenz zeigt, dass Stress bei Menschen, die mit dem Rauchen aufhören, reduziert wird und dass es wahrscheinlich längerfristige Vorteile für die psychische Gesundheit der Menschen gibt."

Rauchstopp verstärkt psychische Erkrankungen nicht

Die Autoren der Übersichtsarbeit kombinierten die Ergebnisse einzelner Studien und verglichen beispielsweise die Veränderungen der psychischen Gesundheitssymptome bei Personen, die mit dem Rauchen aufhörten, mit Veränderungen bei Personen, die weiterhin rauchten. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass ein Rauchstopp im Durchschnitt mit kleinen bis mäßigen Verbesserungen der Stimmung verbunden war“, sagt Suchtforscherin Taylor. „Vor allem gibt es keinen Grund zu befürchten, dass sich der Gesundheitszustand von Menschen mit psychischen Erkrankungen verschlechtert, wenn sie mit dem Rauchen aufhören.“

Rauchen: 79 Milliarden Euro Schaden im Jahr

Die Vorteile des Nichtrauchens für die körperliche Gesundheit sind bekannt. Rauchen gilt als die wichtigste Ursache für vermeidbare Krankheiten und Todesfälle weltweit. Jeder zweite Raucher stirbt – meist vorzeitig – an einer Krankheit, die mit dem Rauchen in Zusammenhang steht. Im Vergleich zu anderen west- und nordeuropäischen Ländern ist der Tabakkonsum in Deutschland hoch. 28 Prozent der Deutschen über 15 Jahre rauchen – fast jeder dritte Mann (32 Prozent) und jede vierte Frau (25 Prozent). Diese Zahlen nennt die DEBRA-Studie („Deutsche Befragung zum Rauchverhalten“) der Uni Düsseldorf aus dem Jahr 2018. Fast jeder achte Todesfall wird demnach durchs Tabakrauchen verursacht. Tabakrauch enthält etwa 4.800 Chemikalien, von denen 90 nachweislich krebserregend sind. 79 Milliarden Euro Schaden entstehen dem deutschen Sozialversicherungssystem im Jahr als Folge des Tabakkonsums. Das ist doppelt so viel wie der jährliche Umsatz der deutschen Zigarettenindustrie.

Zur Bedeutung des Wissenschaftsnetzwerks Cochrane

Die „Cochrane Collaboration“ ist ein unabhängiges, weltweites Netzwerk von Wissenschaftlern, Ärzten, Angehörigen von Gesundheitsfachberufe, Patienten und an Gesundheitsfragen Interessierten. Cochrane setzt sich dafür ein, dass Entscheidungen zu Gesundheitsfragen weltweit auf Basis hochwertiger, relevanter und aktueller wissenschaftlicher Evidenz getroffen werden. Hierfür erstellt das Netzwerk systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen.

Gegründet wurde Cochrane 1993 von dem britischen Gesundheitswissenschaftler Iain Chalmers in Oxford. Namensgeber ist Archie Cochrane, britischer Arzt und Begründer der „Evidenzbasierten Medizin". Diese jüngere Entwicklungsrichtung in der Medizin fordert, dass patientenorientierte Entscheidungen bei einer Behandlung auf Grundlage von empirisch nachgewiesener Wirksamkeit getroffen werden sollten. Die Cochrane-Organisation hat ihren Sitz in London. Die Leistungen des Netzwerks entstehen durch Beiträge von 79.000 Mitgliedern und Unterstützer aus über 130 Ländern weltweit.

Foto: AdobeStock/Voyagerix

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Herz-Kreislauf-System , Krebs , Rauchausstieg , Rauchen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Rauchen

Tabakrauch enthält 4800 Chemikalien und 250 Gifte. Etwa 90 Inhaltsstoffe der Zigarette sind krebserregend. Trotzdem rauchen in Deutschland noch immer mehr Menschen als im westeuropäischen Vergleich. Laut „Tabakatlas 2020“ des Deutschen Krebsforschungszentrums ist Rauchen ist der wichtigste vermeidbare Krebsrisikofaktor – und ein Verzicht darauf „ein enormes Potenzial für die Krebsprävention".

21.08.2020

Den Glimmstängel dauerhaft abzugeben, fällt den meisten Rauchern schwer. Doch es gibt Maßnahmen, die dabei helfen, dass es mit dem Rauchstopp klappt. Und in Zeiten von Corona sollte die Motivation besonders hoch sein.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Wer ins Krankenhaus geht, ohne Notfallpatient zu sein, kann sich die Klinik aussuchen. Am wichtigsten sind Patienten dabei Hygiene und Sauberkeit. Erst auf Platz zwei folgt die Spezialisierung auf bestimmte Fachgebiete. Ob die Klinik groß oder klein ist, spielt kaum eine Rolle. Das sind zentrale Ergebnisse einer Studie im Auftrag der Hamburger Asklepios-Kliniken zu planbaren Behandlungen im Krankenhaus.

 
Kliniken
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin