. Herzimplantate

Mit Defibrillator ins MRT

Patienten mit implantierbaren Defibrillatoren (ICD) waren bislang von MRT-Untersuchungen ausgeschlossen. Neue Geräte ermöglichen jetzt die oft lebenswichtige Untersuchung.
Neuer ICD erlaubt MRT Diagnostik

Neuer ICD erlaubt MRT Diagnostik

Immer mehr herzkranke Menschen benötigen einen implantierbaren Defibrillator (ICD), der bei Bedarf einen lebensrettenden Schock auslöst. Einer Analyse des Beratungsunternehmens Morgan Stanley zufolge steigt die Zahl der ICD-Träger weltweit jährlich um 10 bis 15 Prozent. Noch rasanter wächst unterdessen der Bedarf an MRT-Untersuchungen. So nahm in Deutschland die Zahl der MRT-Untersuchungen in den Jahren 2004 bis 2009 um 41 Prozent zu. Insbesondere bei Menschen über 65 ist der Bedarf an MRT-Untersuchungen doppelt so hoch wie in anderen Altersgruppen, rechnet das Statistische Bundesamt vor.

Nach Herzschrittmachern gibt es jetzt auch MRT-fähige Defibrillatoren

Jedoch konnten Patienten mit einem ICD bislang keine MRT-Untersuchung erhalten, da sowohl das Herzimplantat als auch der Patient erheblichen Schaden nehmen kann. Dieses Dilemma wurde nun durchbrochen. Im April diesen Jahres hatte das deutsche Medizintechnikunternehmen Biotronik, den weltweit einzigen ICD auf den europäischen Markt gebracht, der für MRT-Untersuchungen zugelassen ist. Einer der ersten Patienten, der von der neuen Technologie profitierte, ist ein 40-jähriger Berliner. Der Mann leidet seit mehreren Jahren an einem Hirntumor und bekam nach einem Herzinfarkt im April einen MRT-fähigen ICD implantiert. Ein MRT ist aufgrund des hohen Gewebekontrasts insbesondere zur Tumorkontrolle indiziert.

Am 4. September wurde am Berliner Diagnostikum die erste Tumorkontrolle mittels MRT nach ICD-Implantation durchgeführt. "Der 40-jährige Patient leidet an einem Hirntumor und benötigt regelmässig MRT-Untersuchungen. Eine CT wäre keine befriedigende Alternative, die frühzeitig kleinste Veränderungen der Hirnstruktur erkennen lässt. Zusätzlich müssten mit der CT vermeidbare Röntgenstrahlen verabreicht werden", erklärt der behandelnde Kardiologe Dr. Christoph Tillmanns vom Diagnostikum Berlin. "Es ist ein lebenswichtiger Fortschritt für diesen Patienten, dass er nun mit seinem Implantat dieses Diagnoseverfahren in Anspruch nehmen kann."

Defibrillator umprogrammieren

Damit ein Patient mit ICD eine MRT-Untersuchung vornehmen lassen kann, müssen bestimmte Voraussetzungen beachtet werden, was einer engen Zusammenarbeit von Kardiologen und Radiologen bedarf. Bei dem 40-jährigen Patienten wurde der Defibrillator vor der MRT-Untersuchung entsprechend umprogrammiert und etwa die Schockfunktion abgestellt. Der Patient berichtete nach der rund 30-minütigen Prozedur, die eigentliche MRT-Untersuchung habe sich nicht von den vorhergehenden nicht unterschieden. Auch aus ärztlicher Sicht verlief die MRT-Untersuchung "völlig problemlos."

Foto: Dr. Tillmanns mit seinem 40-jährigen Patienten: Erste Tumorkontrolle nach ICD Implantation

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Herz , Kernspintomographie (MRT)

Weitere Nachrichten zum Thema Herz

| 3wGrosser Fortschritt für Patienten mit schweren Herzrhythmusstörungen: Seit 18. November sind in Europa implantierbare Defibrillatoren mit MRT-Verträglichkeit zugelassen. Die Charité war unter den ersten Kliniken, die das neue Gerät herzkranken Patienten implantiert hat. Entwickelt wurden die Implantate von dem Berliner Medizintechnik-Hersteller Biotronik.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
Die (hATTR) Amyloidose ist eine seltene Erbkrankheit mit einer geringen Lebenserwartung. Hoffnung macht jetzt ein neues Medikament, das bereits die klinischen Phase III erfolgreich absolviert hat. Die Zulassung könnte schon nächstes Jahr erfolgen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.