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Millionen Menschen wissen nichts von ihrer Hepatitis

Hepatitis macht oft erst spät Beschwerden und bleibt daher häufig lange unentdeckt. Dabei ist eine möglichst frühe Behandlung für den Therapieerfolg wichtig. Zudem kann Hepatitis von Mensch zu Mensch – beispielsweise beim Sex – übertragen werden. Auch aus diesem Grund sollte jeder wissen, ob er von der Virusinfektion betroffen ist.
Hepatitis, Leberentzündung

Die Leber leidet still - daher werden Lebererkrankungen oft erst spät entdeckt

Symptome einer Leberentzündung (Hepatitis) sind oft unspezifisch oder zeigen sich erst spät. Daher wissen Millionen Menschen nicht, dass sie von der übertragbaren Virusinfektion betroffen sind. Wenn sie es dann erfahren, ist der ideale Zeitpunkt für eine Therapie oft schon vorbei. Das betont Professor Thomas Berg, Leberexperte des Universitätsklinikums Leipzig (UKL). „Dabei gibt es sehr gute Screeningmethoden und sehr effektive Therapien. Je früher man damit beginnt, desto besser“, so der Leiter der Sektion Hepatologie und kommissarischer Direktor der Klinik für Gastroenterologie am UKL.

Bis zu 325 Millionen Menschen sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von chronischer Hepatitis B oder C betroffen; 290 Millionen davon ahnen nichts von ihrer Infektionen, berichtet die Deutsche Leberhilfe. Während die chronische Hepatitis-B-Infektion bereits gut kontrollierbar, aber selten heilbar ist, könnte Hepatitis C heute weltweit eingedämmt werden und ist fast immer heilbar. „Doch gerade im Vergleich mit anderen Infektionskrankheiten wie HIV, Malaria oder Tuberkulose liegen Diagnose- und Therapierate weltweit zurück“, moniert Berg.

Hepatitis lange unterschätzt

Hepatitis gilt als Krankheit, der viele Jahre lang zu wenig Beachtung geschenkt wurde – auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Erst 2010 wurden die Hepatitis-Viren in die Liste „globaler Killer“ aufgenommen. Die WHO hat sich vorgenommen, bis 2030 die Häufigkeit von Hepatitis C Infektionen um 90 Prozent zu senken. Auch Hepatitis B soll weitgehend eliminiert werden.

Wie diese Ziele erreicht werden sollten, sei allerdings auch in Deutschland derzeit noch unklar, sagt Prof. Berg: „Zwar haben hier alle Patienten einfachen Zugang zur Therapie, aber ein Konzept für ein Screening und für Überweisungen zum behandelnden Facharzt existieren immer noch nicht.“ Laut Deutscher Leberhilfe ist von einer großen Dunkelziffer von Menschen mit unentdeckter Hepatitis B und C auszugehen und es gibt kaum Bemühungen, dies zu ändern. Deshalb rechnet die WHO derzeit nicht damit, dass Deutschland die bis 2030 gesteckten Eindämmungsziele erreichen kann.

 

Kein Hepatitis-Screening in Deutschland

Dass bei den normalen Gesundheits-Voruntersuchungen in Deutschland keine Leberuntersuchung enthalten ist und eine mögliche Hepatitis so nicht entdeckt werden kann, bedauert Berg. „Andere Länder denken schon über ein Bevölkerungs-Screening nach oder zumindest eines für bestimmte Risiko- oder Altersgruppen. In Deutschland geht man jedoch davon aus, dass sich bei einem Anteil Infizierter von zirka 0,5 Prozent der Gesamtbevölkerung ein Screening der Allgemeinbevölkerung nicht ‚rechne‘.“ Schätzungen zufolge gibt es hierzulande rund 150.000 unentdeckte Erkrankte. Pro Jahr werden dem Robert-Koch Institut etwa 5000 neuentdeckte Hepatitis-Fälle in Deutschland gemeldet.

Langfristig kann eine Hepatitis zur Zirrhose und zu Leberkrebs führen. An den Spätfolgen von Hepatitis B und C sterben weltweit etwa 1,5 Millionen Menschen pro Jahr.

Foto: © 7activestudio - Fotolia.com

Autor: anvo
Hauptkategorie: Medizin
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