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Mikroplastik führt zu Gefäß-Entzündungen

Freitag, 19. November 2021 – Autor:
Plastik, das wir täglich und überall verwenden, landet im Müll oder in der Umwelt. Als Mikroplastik kehrt es zum Menschen zurück, zum Beispiel wenn wir Fisch essen. Über die gesundheitlichen Risiken von Mikroplastik ist bisher wenig bekannt. Wissenschaftler der Uni Marburg haben mögliche Risiken jetzt in einem Experiment untersucht und festgestellt: Mikroplastik löst in Blutgefäßen Entzündungsprozesse aus.
Granulat aus Plastikmüll am Strand.

Granulat aus Plastikmüll am Strand. Über die Gesundheitsrisiken von Mikroplastik für den Menschen weiß man bisher wenig. Von „Mikroplastik" spricht man ab einer Partikelgröße von fünf Millimetern oder weniger. – Foto: GaiBru Photo

Was haben Zahnbürsten, Kugelschreiber, PC-Tastaturen, ICE-Sitze und Käseverpackungen gemeinsam? Sie sind aus Plastik. Das Material ist günstig und vielseitig verwendbar. Die weltweite Kunststoffproduktion erreichte zuletzt einen Umfang von 368 Millionen Tonnen im Jahr. Ein großer Teil davon gelangt in die Umwelt – vor allem ins Meer.

Kunststoff kehrt aus der Natur als Mikroplastik zum Menschen zurück

Weil Kunststoff sich nicht wirklich biologisch abbaut, sondern nur immer weiter zerbröselt, gelangt er als Mikroplastik in die Ozeane – und kehrt als sichtbares bis unsichtbares Granulat zu uns zurück: an die Küsten – aber auch in unseren Körper, wenn wir beispielsweise Fisch oder Muscheln essen. Inzwischen wurde selbst in menschlichen Ausscheidungen schon Mikroplastik nachgewiesen.

 

Mikroplastik: Gesundheitsrisiken bisher kaum erforscht

Was passiert, wenn Lebewesen beziehungsweise der Mensch diese mikroskopisch kleinen Kunststoffpartikel aufnimmt, ist bislang nur in Ansätzen bekannt. So stellt sich etwa die Frage, wie Mikroplastik sich auf unsere Immunzellen oder die Blutgefäße auswirkt. Letzteres haben jetzt Herz- und Gefäßmediziner, Zellbiologen und Chemiker   der Universität Marburg untersucht. Das interdisziplinäres Forscherteam kommt zu dem Schluss:  Mikroplastik ist ein neuartige Risikofaktor für Gefäß-Erkrankungen.

Immunzellen setzen sich an den Gefäßwänden fest

Das Team führte zunächst Experimente an Zellkulturen durch, deren Kulturmedium mit Polystyrol-Partikeln versetzt wurde. Polystyrol ist eines der vier häufigsten Plastikmaterialien. Was dann passiert, ist: Zellen aus der Gefäßwand bilden vermehrt Rezeptoren zur Bindung von Immunzellen aus. Die Folge davon: Immunzellen, die normalerweise einzeln im Blut schwimmen, setzen sich in großer Zahl an der Gefäßwand fest. Die Immunzellen ihrerseits reagieren auf die Verabreichung von Mikroplastik, indem sie Entzündungsproteine freisetzen.

Erhöhte Entzündungswerte an der Gefäßwand der Aorta

Noch etwas fanden die Forscher heraus: Injiziert man Kunststoffpartikel in den Blutkreislauf von Mäusen, so reichert sich das Material in der Leber der Tiere an, die sich daraufhin akut entzündet.

Auch nach längerer Zeit finden sich der Studie zufolge im Blut einzelne Plastikpartikel und sogar Plastik-Anhäufungen, die von spezialisierten Immunzellen aufgenommen wurden. Die Gefäßwand der Aorta – also der Hauptschlagader – weist außerdem erhöhte Entzündungswerte auf.

Hauptkategorie: Umwelt und Ernährung
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