. Krebsfrüherkennung

Mikrobiom könnte Darmkrebs anzeigen

Patienten, die an Darmkrebs erkrankt sind, weisen spezifische Veränderungen ihres Mikrobioms auf – und zwar über drei Kontinente hinweg. Das könnte ein neuer Ansatz für die Früherkennung dieser Krebsart sein.
Darmflora, Mikroben, Mikrobiom

Eine spezielle Zusammensetzung des Darmmikrobioms könnte auf Darmkrebs hindeuten

Patienten, die an Darmkrebs erkrankt, weisen spezifische Veränderungen ihres  Mikrobioms auf - und zwar unabhängig davon, auf welchem Kontinent und in welcher Kultur sie leben. Das zeigt eine neue Studie. Die Ergebnisse könnten dafür genutzt werden, um eine nicht-invasive Methode zur Früherkennung dieser Krebsart zu entwickeln.

Die Rolle, die Darmmikroben bei der Entstehung von Darmkrebs - der dritthäufigsten Krebsart weltweit - spielen, ist bislang unklar. Um ihren Einfluss zu bestimmen, untersuchten Assoziationsstudien, wie sich die Mikroben, die den Darm von Darmkrebs-Patienten besiedeln, von denen unterscheiden, die in gesunden Probanden vorkommen.

29 Bakterienarten treten bei Darmkrebs häufiger auf

Wissenschaftler der Universität Kopenhagen (UCPH) und des Europäischen Labors für Molekularbiologie (EBML) in Heidelberg werteten bereits vorliegende Mikrobiom-Analysen aus China, Österreich, Frankreich, Deutschland, den USA, Italien und Japan aus. Ungefähr die Hälfte der Proben stammte von Darmkrebs-Patienten.

Sie fanden 29 Bakterienarten, die bei Darmkrebs-Patienten häufiger vorkommen. In dem Panel reproduzierbarer mikrobieller Marker, die mit Darmkrebs assoziiert sind, wurden sowohl bekannte Bakterien wie Fusobacterium nucleatum als auch neuartige mikrobielle Spezies und Gene gefunden.

 

Zusammenhang mit fett- und fleischreicher Ernährung

Zugleich entdeckten die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen krebsassoziierten Darmmikroben und einer fett- und fleischreichen Ernährung. Denn gehäuft kamen Keime vor, die am Abbau von Amino- und Fettsäuren beteiligt sind.

Eine zweite Studie der Universität Trient zeigt, wie bestimmte Darmbakterienklassen Cholin, einen essentiellen Nährstoff in Fleisch und anderen Lebensmitteln, abbauen und in einen potenziell krebserzeugenden Metaboliten verwandeln. "Das Gen, das Cholin in einen potenziell gefährlichen Metaboliten abbaut, wird häufig von einer Bakterienart im Darmmikrobiom getragen, die keinen Namen hat und die wir Anfang dieses Jahres in einer anderen Arbeit entdeckt haben", erläutert Nicola Segata, Leiter der Trienter Studie.

Mikrobiom könnte Darmkrebs anzeigen

Beide Untersuchungen erschienen in dem Fachmagazin Nature Medicine. "Wir hoffen, dass wir die Mikrobiom-Signaturen in Zukunft als Biomarker und als diagnostisches Instrument für Darmkrebs verwenden können", bilanziert UCPH-Forscher Manimozhiyan Arumugam.

Wenn die Mikrobiom-Zusammensetzung den Darmkrebs nicht nur anzeigt, sondern Veränderungen im Mikrobiom bereits eine Rolle bei der Krebsentstehung spielen, könnten die Darmflora sogar ein therapeutisches Ziel sein, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität.

Foto: alex/fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Darmkrebs
 

Weitere Nachrichten zum Thema Darmkrebs

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.
 
. Weitere Nachrichten
Eine zweite Coronawelle im Herbst und Winter gilt immer noch als wahrscheinlich. Fatal wäre, wenn gleichzeitig eine heftige Grippewelle über Deutschland rollen würde. Ein Experte erklärt, warum die Grippeimpfung in diesem Jahr so wichtig ist und wer sich impfen lassen sollte.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.