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Migräneprophylaxe: Neue monoklonale Antikörper nur selten verschrieben

In diesem Jahr sind drei monoklonale Antikörper zur Migräneprophylaxe zugelassen worden. Der Wumms ist jedoch ausgeblieben. Bislang verschreiben Ärzte die neuen Medikamente nur sehr zögerlich.
Monoklonale Antikörper sollen Migräneattacken verhindern

Monoklonale Antikörper sollen Migräneattacken verhindern

Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland leiden an Migräne. Manche Patienten sind wegen ihrer Migräneattacken mehrere Tage im Monat krank. Eine neue Gruppe von Medikamenten verspricht, die Attacken im Vorfeld zu verhindern: Gleich drei neue monoklonale Antikörpertherapien sind in diesem Jahr zur Migräneprophylaxe in Europa zugelassen worden. Ärzte dürfen sie bei Patienten einsetzen, die nicht auf andere vorbeugende Therapien ansprechen. Nach Auskunft der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) machen bislang allerdings nur wenige Ärzte von der neuen Therapieoption Gebrauch.

Ärzte noch zögerlich

„Während in Bereichen wie der Onkologie und Rheumatologie sowie der Behandlung der multiplen Sklerose monoklonale Antikörper seit vielen Jahren als klinisch hocheffektive neue Therapieformen etabliert sind, sind sie in der Indikation Migräne in der Schmerzmedizin noch recht neu und werden noch selten verschrieben“, erklärt DMKG-Präsident PD Dr. Tim Jürgens. Ein personalisierter Einsatz mit dem Ziel, jedem Patienten möglichst früh das bei ihm mutmaßlich wirksamste Medikament zukommen zu lassen, werde aktuell nicht praktiziert.

Dies liegt seiner Ansicht nach an der eng gefassten Indikation, wonach die Antikörper nur Patienten verschrieben werden dürfen, die auf herkömmliche Kopfschmerzprophylaktika nicht ansprachen.  Zum anderen fehlten klinische Erfahrungswerte für den Einsatz der monoklonalen Antikörper, was jedoch gerade bei neuen kostspieligen Therapieformen wünschenswert wäre. 

 

Datenlage dürftig

„Zusammenfassend ist die aktuelle Datenlage für einen personalisierten Einsatz der neuen monoklonalen Antikörper dürftig“, so der Schmerzexperte. Die Datenlage sei selbst für bereits länger verfügbare Substanzen nicht so gut, dass ein personalisierter Einsatz im klinischen Alltag implementiert ist. „Dies ist nur durch größere prospektive Studien – idealerweise im Rahmen von Registern – zu klären, wie sie durch die DMKG mit dem DMKG-Kopfschmerzregister begonnen wurden.“

Antikörper richten sich gegen den Schmerzbotenstoff CGRP

Die drei zugelassenen monoklonalen Antikörper richten sich gegen Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP). Dieser Botenstoff wird aus Nervenzellen freigesetzt wird und spielt in der Übertragung von Schmerzsignalen eine entscheidende Rolle. Die monoklonalen Antikörper zirkulieren als immunologisch aktive Eiweiße im Körper und erkennen eine bestimmte Oberflächenstruktur des Botenstoffs CGRP beziehungsweise des CGRP-Rezeptors, binden daran und blockieren somit die Weiterleitung von schmerzhaften Signalen. Die beiden monoklonalen Antikörper Fremanezumab und Galcanezumab richten sich gegen CGRP selbst, Erenumab blockiert den CGRP-Rezeptor.

Foto: © Adobe Stock/steph photographies

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
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