. Vergleich Deutschland USA

Metastasierter Darmkrebs: Länger Leben mit Präzisionstherapie

Individualtherapie statt Gießkannenprinzip: Darmkrebspatienten im fortgeschrittenen Stadium profitieren von molekular gezielten Therapien. Eine vergleichende Studie belegt einen Überlebensvorteil von 16 Monaten gegenüber Standardtherapie.
Die Darmkrebs-Behandlung in den USA ist maßgeschneiderter als in Deutschland. Dadurch haben amerikanische Patienten einen Überlebensvorteil

Die Darmkrebs-Behandlung in den USA ist maßgeschneiderter als in Deutschland. Dadurch haben amerikanische Patienten einen Überlebensvorteil

Darmkrebs lässt sich in frühen Krankheitsstadien oft noch heilen. Anders im Stadium III und IV. Beim fortgeschrittenen Darmkrebs-Stadium mit Metastasen in der Leber, Lunge oder anderen Organen, haben weniger als 20 Prozent der Patientinnen und Patienten Aussicht auf eine erfolgreiche Behandlung.

Diese Chancen lassen sich jedoch durch individualisierte Therapiestrategien verbessern, die vor allem auf den genetischen Profilen der Darmtumore basieren. Das zeigt eine vergleichende Studie, die in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Cancers veröffentlicht wurde.

Forscher des Universitätsklinikums Kiel Campus Kiel und des Avera Cancer Institute in Sioux Falls, USA, hatten dafür Standard-Behandlungsprotokolle mit einer Kombination aus Standard- und Individualtherapie verglichen. Das Ergebnis: Patienten mit bestimmten Ausprägungen eines fortgeschrittenen Darmkrebses lebten bei zusätzlicher individueller Behandlung im Schnitt 16 Monate länger.

Deutschland gegen USA

„Wir haben in den USA eine Patientengruppe mit nordeuropäischer Herkunft herangezogen, die hinsichtlich der genetischen Ausgangslage den deutschen Erkrankten sehr ähnlich war“, betont der Kieler Studienleiter Dr. Michael Forster. „Auf dieser Grundlage haben wir verglichen, welche Krankheitsverläufe aus den unterschiedlichen Behandlungsleitlinien in Deutschland und den USA resultierten.“

Analysiert wurden die Behandlungsprotokolle von insgesamt 108 Patienten, davon stammten 54 aus Deutschland. Anhand der Mutationsprofile des Darmkrebses wurden die Patienten in eine Hochrisiko- und eine Niedrigrisikogruppe eingeteilt. Hochrisikogruppe bedeutet ein besonders schnelles Fortschreiten des Tumors. Die deutschen Patienten wurden nach den hiesigen Standardleitlinien für diese Krebsform behandelt und überlebten im Durchschnitt rund 19 Monate nach der Diagnose.

 

US-Patienten haben Überlebensvorteil von eineinhalb Jahren

Dagegen überlebten die in den USA behandelten Patienten 33 Monate nach der Diagnose – also 16 Monate länger. Der Grund: Schon die Standardbehandlung in den USA umfasst bereits mehr Behandlungsoptionen als in Deutschland. Bei 35 Erkrankten folgte auf das Standardprotokoll eine jeweils für die individuell Betroffenen maßgeschneiderte zusätzliche Behandlung, die auf einer Beurteilung der genetischen und molekularen Situation des Tumors aufbaute.

Damit bestätigte sich die Hypothese, dass Darmkrebspatienten mit fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung eine auf dem Mutationsprofil des Tumors maßgeschneiderte Behandlung benötigen. Mediziner nennen das auch Präzisionstherapie.

„Die Individualisierung sorgte im Vergleich der beiden Gruppen dafür, dass insbesondere die besonders kritischen Patientinnen und Patienten in den USA im Schnitt fast eineinhalb Jahre länger überlebten – vor allem die besonders kritisch Erkrankten profitierten davon“, fasst Forster die Ergebnisse zusammen. Der Vergleich der in den beiden Ländern deutlich voneinander abweichenden Therapieoptionen zeige, welche großen Auswirkungen eine personalisierte Behandlung auf die individuelle Lebenserwartung der Patientinnen und Patienten haben könne. In dieser patientenorientierteren Vorgehensweise sehen viele Expertinnen und Experten die Zukunft der Krebsmedizin.

Foto: © Adobe Stock/Africa Studio

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Darmkrebs
 

Weitere Nachrichten zum Thema Darmkrebs

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.